BVB-Sieg in Sevilla Des Fußballs neue Helden

Dortmund startete übel ins Champions-League-Duell in Sevilla. Dann zerlegte Erling Haaland die gegnerische Abwehr beinahe allein. Es ist die zweite Gala eines jungen Stürmers nach Kylian Mbappés Hattrick in Barcelona.
Erling Haaland: 18. Tor im 13. Champions-League-Einsatz

Erling Haaland: 18. Tor im 13. Champions-League-Einsatz

Foto: Daniel Gonzalez Acuna / dpa

Der Entscheider: Es läuft gerade nicht beim BVB, und dann auch noch dieser Start! Nach sechs Minuten lag Dortmund in Sevilla hinten, bei einer Mannschaft, die seit Wochen kein Tor mehr kassiert hatte. War's das mit der Borussia und der Champions League? War’s nicht. Denn sie hat Erling Haaland im Sturm. Der 20-Jährige bereitete den Ausgleich auf famose Weise vor, dann legte er ein brillantes Tor nach und entschied später mit seinem zweiten Treffer das Spiel. Haaland hat jetzt 41 Tore in 42 Einsätzen für Dortmund erzielt. In 13 Champions-League-Partien gelangen ihm 18 Treffer. Werte, die schlicht phänomenal sind.

Das Ergebnis: 3:2 (3:1) hat Borussia Dortmund das Achtelfinalhinspiel beim FC Sevilla gewonnen. Das Viertelfinale der Champions League ist damit nah. Hier geht es zum Spielbericht. Das Rückspiel in Dortmund findet am 9. März statt.

Die erste Hälfte: Begann mit der Gleichung Einwurf = ein Tor. Zunächst war es ein Einwurf für die Gastgeber auf der linken Seite, gefolgt von einer Verlagerung nach rechts zu Suso, der einen Schuss antäuschte und Dortmunds Jadon Sancho damit narrte. Als Suso kurz darauf wirklich schoss, traf er den Fuß von Mats Hummels, und von dort sprang der Ball ins Tor. Ein bisschen bitter war das schon aus BVB-Perspektive (7. Minute).

Dann begann die Haaland-Show: Wieder nach einem Einwurf, diesmal für den BVB, tankte sich Haaland in einer aussichtslos wirkenden Situation gegen drei Verteidiger durch, bediente dann Mahmoud Dahoud, der aus mehr als 20 Metern den Ball perfekt erwischte (19.). Beim 2:1 ließ sich Haaland ins Mittelfeld fallen und empfing dort einen Pass, den er mit rechts annahm und dann mit links im Vollsprint in Richtung Tor trieb, vorbei an Sevillas Mittelfeldspielern. Nach einem Doppelpass mit Sancho brachte er den BVB in Führung. Das dritte Tor resultierte aus einer Balleroberung von Marco Reus, dann schaltete der BVB um; Reus setzte Haaland ein, der den Ball flach ins lange Eck schlenzte (43.).

Zitat des Spiels: »We were more online today«, sagte Haaland nach dem Spiel bei Dazn und zeigte dabei auf seinen Kopf.

Die zweite Hälfte: Hatte einen ersten großen Schreckmoment für Dortmund parat, als Óscar Rodríguez einen Freistoß nahezu ideal über die BVB-Mauer schoss, aber nur nahezu. Der Ball prallte an den Pfosten, sprang von dort an die Hand von Keeper Marwin Hitz und flog dann zur Seite weg (74.). Als es schien, als überstehe die Borussia Sevillas Angriffe unbeschadet, fiel doch der Anschlusstreffer. Nach einer Freistoßflanke ließ Emre Can Luuk de Jong aus den Augen (84.).

Rosige Aussichten: Am Montag verkündete der seit Wochen kriselnde BVB, dass er Mönchengladbachs Marco Rose zur kommenden Saison verpflichtet hat. Prompt machte die Mannschaft ihr bestes Spiel seit Wochen. Kann ein Trainereffekt auch einsetzen, wenn der neue Coach noch gar nicht da ist? Unwahrscheinlich. Und eigentlich tut die Frage Edin Terzić Unrecht. Der Noch-Coach des BVB, der laut Sportdirektor Michael Zorc künftig wieder als Co-Trainer arbeiten werde, hatte sich nämlich einen guten Plan für das Spiel zurechtgelegt. Der BVB presste Sevilla fast überraschend spät, und er tat das aus einer laufintensiven 4-5-1-Ordnung, aus der die Mittelfeldspieler weite Laufwege zu bestreiten hatten, um den gegnerischen Aufbau zu stören. Die Mannschaft ist Terzićs Idee gefolgt. Und sie hatte Haaland in ihren Reihen.

Bröckelndes Bollwerk: Aus den vergangenen neun Pflichtspielen holte Sevilla neun Siege, fing dabei nur einen Gegentreffer. Wie konnte ausgerechnet diese Abwehr derart kollabieren? Vielleicht hängt die Antwort mit dem spanischen Stil zusammen. In La Liga legen viele Mannschaften Wert auf technisch starke Fußballer. Athletik, Pressing und Konter gibt es dort natürlich auch. Aber diese Aspekte scheinen weniger wichtig als in der Bundesliga oder der Premier League. Wie Haaland durch Sevillas Abwehr pflügte, erinnerte in Teilen an den Pariser Auftritt in Barcelona am Dienstag. Es ist wohl kein Zufall, dass Sevilla in dieser Saison erst zweimal mehr als zwei Tore kassierte: gegen den BVB und beim 0:4 gegen Chelsea.

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Die neuen Stars des Fußballs: Am Dienstag schoss Kylian Mbappé, 22, drei Tore in Camp Nou und damit Lionel Messi und den FC Barcelona so gut wie sicher aus dem Wettbewerb. Nun ließ Haaland die Gala in Sevilla folgen, während zeitgleich Cristiano Ronaldo mit Juventus in Porto verlor. Messi und Ronaldo, sie prägen den Fußball seit mehr als einem Jahrzehnt. Und sie sind noch immer Ausnahmekönner, das kann man Woche für Woche in ihren Ligen beobachten. Aber die Champions League ist nicht mehr nur ihre Bühne. Mbappé und Haaland, jeweils mehr als ein Jahrzehnt jünger, rücken nach und machen sich die Königsklasse mehr und mehr zu eigen. In den vergangenen 15 Jahren wurde nur zweimal jemand Torschützenkönig, der nicht Messi oder Ronaldo hieß (2015 Neymar, 2020 Robert Lewandowski). Es ist ziemlich sicher, dass sich das ändern wird.

Ausblick: Das erste Viertelfinale seit 2017 ist für Dortmund ganz nah. 2017, das war die Saison mit dem Bus-Anschlag. Als Nächstes steht die Bundesliga an, und diese Baustelle ist für den BVB derzeit die größte, auf Platz vier fehlen sechs Punkte. Der Gegner? Schalke 04. »Ein großes Spiel«, nannte es Haaland bei Dazn, Dortmund müsse es gewinnen. »Ich freue ich mich auf das Spiel am Samstag«, sagte er noch. Aus seinem Mund klang das fast wie eine Drohung.

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