Erneute Fan-Krawalle Merk bricht Mailänder Derby ab

Schon zum zweiten Mal in dieser Saison musste ein Champions-League-Spiel in Italien wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen werden. Im Viertelfinalrückspiel zwischen AC und Inter Mailand stand das Feld zwischenzeitlich in Flammen. Auslöser für die Unruhen war ein von Schiedsrichter Markus Merk aberkanntes Inter-Tor.


 Zwangspause: Das Spielfeld im Giuseppe-Meazza-Stadion stand zwischenzeitlich in Flammen
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Zwangspause: Das Spielfeld im Giuseppe-Meazza-Stadion stand zwischenzeitlich in Flammen

Mailand - Das 262. Stadtderby zwischen Inter und dem AC Mailand wird als Skandalspiel in die Fußball-Geschichte eingehen.

Beim Stande von 1:0 für den AC, der bereits das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales mit 2:0 für sich entschieden hatte, flogen aus der Inter-Fankurve unzählige Gegenstände auf das Spielfeld. Milan-Keeper Dida wurde von einem Feuerwerkskörper an der Schulter getroffen.

Inter-Fans wütend auf Merk

Nach achtminütiger Wartepause schickte Merk die beiden Mannschaften zunächst in die Kabine und pfiff die Partie nach 25-minütiger Wartepause zunächst wieder an. Als sofort danach wieder Feuerwerkskörper auf das Spielfeld flogen, entschied sich der Welt-Schiedsrichter, die Begegnung abzubrechen. Zwei Minuten vor den Zwischenfällen, in der 71. Spielminute, hatte Merk einem Kopfballtor von Inter-Spieler Esteban Cambiasso wegen Foulspiels die Anerkennung verweigert.

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Skandal in Mailand: Inferno und Abbruch

Für Inter wird die Partie mit Sicherheit ein Nachspiel haben, der AC Mailand wird bei der 13. Auflage der Champions League zum fünften Mal das Halbfinale erreichen. Der Titelgewinner von 1994 und 2003 führte zum Zeitpunkt des Abbruchs durch einen Treffer von Andrej Schewtschenko (30.) mit 1:0, Inter hätte die Partie anschließend noch mit 4:1 gewinnen müssen.

Welle der Gewalt in Italiens Stadien

In der Gruppenphase der Champions League war bereits das Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew abgebrochen worden, nachdem der schwedische Unparteiische Anders Frisk durch einen auf ihn geworfenen Gegenstand verletzt worden war. Die Partie wurde mit 3:0 gegen Rom gewertet, außerdem musste der Ex-Club von Rudi Völler seine beiden anderen Heimspiele vor leeren Zuschauerrängen austragen.

Am vergangenen Sonntag erst hatte es Ausschreitungen in verschiedenen italienischen Fußballstadien gegeben, die zu 17 Festnahmen führten. 259 Randalierer wurden angezeigt, 85 Polizisten verletzt. Der Präsident des italienischen Fußballverbandes, Franco Carraro, zeigte sich zutiefst bestürzt. "Solche Gewaltaktionen sind absolut verwerflich. Unsere Piorität ist, die Gewalt in den Stadien zu bekämpfen", sagte Carraro. Auch das Problem des Rechtsextremismus sei gravierend, gab der Verbandschef zu. Am Rande der Partie von Lazio Rom gegen Livorno hatten Fans der Gastgeber den früheren Faschistenführer Benito Mussolini gefeiert.



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