Eröffnungsspiel Krampf oder Kabinettstückchen

Millionen von Fans fiebern alle vier Jahre dem WM-Auftakt entgegen, doch die hohen Erwartungen wurden bislang nur selten erfüllt. Am Freitag hat Weltmeister Frankreich das zweifelhafte Vergnügen, das 31 Tage dauernde Fußballfest in Südkorea und Japan mit der Partie gegen Senegal zu eröffnen.


Seoul - Seit der Einführung von offiziellen Eröffnungsspielen im Jahre 1966 quälen sich die Favoriten mehr schlecht als recht durch die ersten 90 Minuten. Vor 36 Jahren endete die Partie zwischen dem späteren Weltmeister England und Uruguay torlos. Nur zweimal reichte es bisher für den Titelverteidiger, der seit der WM 1974 in Deutschland für die Eröffnung gesetzt ist, zu einem Erfolg.

Das erwartungsfrohe Millionen-Publikum auf der ganzen Welt wurde nicht immer befriedigt. Spielerische Leckerbissen und technische Kabinettstückchen blieben zumeist auf der Strecke, wenn der erste Pfiff ertönte. Die Favoriten wollten sich nicht blamieren und taten es doch in schöner Regelmäßigkeit. Erst 1994 gelang Deutschland mit einem mühsamen 1:0 gegen Bolivien in Chicago der erste Sieg für einen Titelverteidiger. Mit Ruhm bekleckerte sich allerdings auch die damals von Berti Vogts betreute DFB-Auswahl nicht. In einem durchwachsenen Spiel erlöste Jürgen Klinsmann nach einer Stunde den dreimaligen Weltmeister, für den später im Viertelfinale gegen Bulgarien Endstation war.

Drei Tore sind Rekord


Auch Brasilien hatte vor vier Jahren in Frankreich seine liebe Mühe, schaffte am Ende aber ein glückliches 2:1 gegen Schottland. Immerhin sorgten die Kicker der Selecão durch Cesar Sampaio für das schnellste Tor in der Geschichte der WM-Eröffnungsspiele. Nach 3:48 Minuten traf der Verteidiger zum 1:0 für den späteren Vize- Weltmeister. Da Collins zum Ausgleich und Boyd ins eigene Netz trafen, ging der WM-Auftakt in St. Denis zugleich als torreichster in die Historie ein.

Kein Wunder, endeten doch die ersten vier Eröffnungspartien stets mit einer Nullnummer. Auch die deutsche Mannschaft konnte die Torflaute nicht stoppen. 1978 sprang nur ein mageres 0:0 gegen Polen heraus. Mexiko und die UdSSR (1970) sowie Brasilien und Jugoslawien (1974) hatten sich zuvor mit dem gleichen Resultat getrennt. Erst der Belgier Erwin Vandenbergh brach den Bann. Mit seinem Siegtreffer gegen Argentinien sorgte er 1982 für das erste Tor und den ersten Favoritensturz.

Lemerre warnt vor dem Außenseiter


Nach einem 1:1 zwischen Italien und Bulgarien (1986) blamierten sich die Argentinier 1990 in Italien erneut. Selbst Diego Maradona konnte die 0:1-Schlappe gegen Kamerun nicht verhindern. Francois Omam Biyik demütigte mit seinem Treffer den zweimaligen Titelträger, der es trotzdem bis ins Finale gegen Deutschland schaffte. Die Afrikaner, die das Spiel mit nur neun Mann beendeten, bereiteten den Fans bis zum Viertelfinale viel Vergnügen. Vielleicht ist dies am Freitag ein gutes Omen für Außenseiter Senegal. Frankreichs Trainer Roger Lemerre hat seine Mannen am Donnerstag deswegen noch einmal ins Gebet genommen. "Dieses Spiel ist mir besonders wichtig", sagte Lemerre. "Ich war damals in Mailand, als sich die Argentinier an Kamerun die Zähne ausbissen."



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