Ersatz für verletzten Bayern-Star Robben Für Kroos geht's jetzt richtig los

Der monatelange Ausfall von Arjen Robben sorgt für Wut bei Bayern München - und ist gleichzeitig die große Chance für Nationalspieler Toni Kroos. Nun muss der Shootingstar der vergangenen Saison zeigen, dass er sich beim Rekordmeister durchsetzen kann.

REUTERS

Von Jan Reschke


Am Dienstagmorgen lächelte Arjen Robben auf der ersten Pressekonferenz seit seiner Rückkehr aus dem WM-Urlaub noch. Zeigte ein breites Grinsen, wie er es auch gerne nach wichtigen Toren tut. "Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich wieder losgeht", sagte der Vizeweltmeister.

Nur wenige Stunden später die bittere Diagnose: Für Robben wird es erst im Herbst wieder losgehen.

Ein Muskelriss im Oberschenkel zwingt Robben zu einer Pause von mindestens zwei Monaten - ein Schock für den FC Bayern München, für den der Angreifer allein in der vergangenen Liga-Saison 16 Tore erzielt hatte.

Nun stellt sich die Frage: Wer ersetzt Robben auf der rechten Angriffsseite?

Trainer Louis van Gaal könnte nun nach einem neuen Spieler rufen, doch adäquater Ersatz wäre teuer. Und es stellt sich die Frage, ob Robben überhaupt gleichwertig ersetzt werden kann. Ohnehin: Den wohl besten Vertreter Robbens hat van Gaal bereits in seinen Reihen.

Thomas Müller hat bei der Weltmeisterschaft in Südafrika in der deutschen Nationalmannschaft gezeigt, dass er auf der rechten Angriffsseite derzeit zu den besten Spielern der Welt gehört. Bei van Gaal war er ursprünglich als hängende Spitze im 4-4-1-1-System vorgesehen, nun könnte er auf rechts wechseln und Robben ersetzen.

Fotostrecke

6  Bilder
Arjen Robben: Verletzung mit Folgen

In diesem Fall wäre der größte Profiteur einer, von dem man zwar wusste, dass er sehr gut spielen kann, dem man aber dennoch nur vage Perspektiven in der Bayern-Elf vorhergesagt hat: Toni Kroos.

Van Gaal hatte sich schon vor einigen Tagen zu Kroos' Position in seinem Team geäußert: Er müsse sich mit Klose und Müller um die Position hinter dem vordersten Stürmer streiten. Wenn Müller nun auf die rechte Seite rücken sollte, wäre der Weg für Kroos frei. Klose ist gelernter Stürmer und kein offensiver Mittelfeldspieler, konnte van Gaal zudem schon in der vergangenen Saison nicht dauerhaft überzeugen.

Kroos hat in der abgelaufenen Spielzeit hingegen starke Leistungen im Mittelfeld gezeigt, entsprechend selbstbewusst tritt er nun in München auf. "Ich komme als anderer, gereifter Spieler, der etwas vorzuweisen hat, zurück. In Leverkusen habe ich den Schritt zum Nationalspieler gemacht", so Kroos. Unter Jürgen Klinsmann war er in München nicht wie gewünscht zum Einsatz gekommen und in der Winterpause 2008/2009 zu Bayer geflüchtet.

Forderungen stellt Kroos nun aber keine. "Ich muss nicht sagen: Ich will 60 Spiele von Beginn an machen und 50 Tore schießen. Ziel ist es, viel zu spielen und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu werden."

Mit einer "aggressiven Behandlung" fit gemacht

Problematisch könnte es für Kroos nur werden, sollte van Gaal Müller im Angriffszentrum als zu wertvoll erachten. Zwar könnte auch Kroos die Robben-Rolle übernehmen, allerdings hätte dort Hamit Altintop sicherlich Vorteile, der seit Wochen mit aller Vehemenz um einen Platz im Team kämpft.

Eine andere Option für van Gaal ist die Umstellung seines Spielsystems. Auch zu Beginn der vergangenen Saison fehlte Robben verletzt. "Da musste ich etwas anderes finden, das war das 4-4-2 mit Raute", so van Gaal im "Kicker". Auch hier würden sich einige Optionen für Kroos anbieten.

Dass der 20-Jährige aufgrund der Verletzung Robbens überhaupt so in den Fokus rückt, ist nach Aussage der Bayern-Verantwortlichen allein der niederländischen Nationalelf geschuldet. Schon vor der WM erlitt Robben im letzten Testspiel einen Muskelfaserriss. Anschließend vertraute er sich dem Physiotherapeuten Dick van Toorn an, dem der Ruf eines "Wunderheilers" mit unkonventionellen Methoden anhaftet, und wurde laut eigener Aussage mit einer "aggressiven Behandlung" fit gemacht. Was er mit dieser aggressiven Behandlung meinte, ließ er offen.

"Unverantwortlich, dass man die Verletzung nicht genauer diagnostiziert hat"

Nun kritisiert Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: "Ich finde es unverantwortlich, dass man diese Verletzung nicht genauer diagnostiziert und Arjen hat spielen lassen. Ich hatte von meiner Seite aus mehrfach diagnostische Hilfe angeboten, diese wurde aber nicht in Anspruch genommen."

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kündigte derweil Konsequenzen an. "Wieder einmal müssen wir als Club die Rechnung dafür bezahlen, dass sich ein Spieler bei einer Nationalmannschaft erheblich verletzt hat. Mit dem holländischen Fußballverband KNVB werden wir versuchen, eine gütliche Einigung in dieser Problematik anzustreben." Auch die Fifa wurde informiert. Der niederländische Verband hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Robben gilt aber ohnehin als verletzungsanfällig. In England beim FC Chelsea begannen seine immer wiederkehrenden Verletzungsprobleme. In der Vorbereitung zu seiner ersten Premier-League-Saison brach er sich das Bein, noch in derselben Saison zweimal den Mittelfuß. Auch in Madrid war er immer wieder verletzt. In der ersten Saison konnte er nur acht Partien über die vollen 90 Minuten absolvieren.

Robbens Anfälligkeit könnte zum wichtigsten Pluspunkt für Kroos im Kampf um einen Stammplatz werden.

Mit Material von dpa

insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Silver_Future 03.08.2010
1. reality bites
"Wir sind nicht nur enttäuscht, sondern sehr sauer", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag dem "Münchner Merkur", "wir müssen wieder einmal die Suppe auslöffeln für einen Spieler, den wir aus unseren Händen gegeben haben. Ich habe die Fifa gebeten, als Mediator einzuschreiten." Ehrlich und direkt: Fussball 2010. Manager die nach der Mama schreien wenn ihr Investitionsobjekt zu Schaden kommt (ausserhalb des Unternehmens). Ja, ich weiß, Realität. Aber trotzdem - kotz. Ey, Robben: rauch´ Dir einen in der Auszeit und fühl dich mal kurz als Mensch...(aber nicht erwischen lassen...:-))
Jole21 03.08.2010
2. ..bringt nichts
"...Anschließend vertraute er sich dem Physiotherapeuten Dick van Toorn an, dem der Ruf eines "Wunderheilers" mit unkonventionellen Methoden anhaftet, und wurde laut eigener Aussage mit einer "aggressiven Behandlung" fit gemacht. Was er mit dieser aggressiven Behandlung meinte, ließ er offen." dazu fällte einem nur ein Zitat ganz gut ein: "Doping, bringt im Fussball nichts" Einen Radsportler würde sicher schon auf der Titelseite der B... zerpflückt werden.
final_mythbuster 04.08.2010
3. Welch ein geistreicher Kommentar
Welch ein geistreicher Kommentar! Es ist einfach so, daß der FCB das Gehalt bezahlt und letztendlich die Zeche für Dinge zahlt, die im "Nebenjob" passiert sind. Sollte es so sein, daß die medizinische Behandlung minderwertig war oder tatsächlich die Gesundheit des Spielers leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurden, sollte der FCB versuchen, seine Ausfälle geltend zu machen.
homeboy123 04.08.2010
4. Irgendwo verständlich
Das Ausmaß der Verletzung ist für alle Beteiligten wohl sehr unerwartet. Und ob man mit einem Muskelriss ( so er denn vor der WM schon als solcher existierte) eine WM spielen kann, glaube ich nicht. Diagnostische Hilfe von Seiten Müller- Wohlfahrts hätte demnach nicht viel gebracht. Ich denke, Robben wollte einfach die WM spielen, hat sich wie auch immer fischen lassen, und die Bayern haben nun (mal wieder) den Salat - ihr bester Mann ist außer Gefecht. Die Reaktion Rummenigges ist nur allzu verständlich, aber hat sich hier nicht eher der Spieler selbst zuviel zugemutet? Man liest zwar ab und an vom Fitspritzen von Spielern wobei diese unter starken Druck gesetzt werden (momentan keine Quelle verfügbar), aber letztlich ist es doch die Verantwortung des Spielers.
namachschon, 04.08.2010
5. Agressive Behandlung...
Zitat von sysopDer monatelange Ausfall von Arjen Robben sorgt für Wut bei Bayern München - und ist gleichzeitig die große Chance für Nationalspieler Toni Kroos. Nun muss der Shootingstar der vergangenen Saison zeigen, dass er sich beim Rekordmeister durchsetzen kann. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,709984,00.html
Hallo, so ganz unschuldig ist der Spieler ja wohl auch nicht. Andere Medien sprechen von einer agressiver Behandlung und von schmerzstillenden Spritzen. Die werden dem Robben ja wohl nicht gegen seinen Willen gegeben worden sein. Ich vermute, er war so heiß auf die WM-Teilnahme, daß er sich mit Schmerzmitteln behandeln ließ. Ein intelligenter, veranwortungsvoller Spieler sollte aber wissen, daß das in die Hose gehen kann. Somit dürfte die Vorbereitungsphase der Bayern suboptimal anlaufen. Auch gut, denn dann wird mal wieder ein ansderer Verein Meister. Tät der BL mal wieder gut. Muß ja nicht unbedingt Schlacke 05 sein. Grüße...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.