Eto'o-Transfer nach Russland Ausgesorgt in Dagestan

Mit dem Transfer des Kameruners Samuel Eto'o tritt der russische Vereinsfußball in eine neue Dimension ein: Der unbekannte Club Anschi Machatschkala soll zur Fußball-Großmacht hochgekauft werden. Mit durchaus guten Erfolgsaussichten. 

Kamerun-Star Eto'o: Bestverdiener im internationalen Fußball
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Kamerun-Star Eto'o: Bestverdiener im internationalen Fußball

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Samuel Eto'o hat in seinem Fußballerleben schon viele große Clubs erlebt: Bei Real Madrid hat er in seinen jungen Jahren mal ein kurzes Gastspiel gegeben, beim FC Barcelona und bei Inter Mailand wurde der Kameruner zum Superstar, gewann mit beiden Vereinen die Champions League. Solche Ziele dürfte er bei seinem neuesten Engagement zwar zunächst kaum verwirklichen können, dafür stimmt aber die Portokasse.

Auf den ersten Blick ist der Fall klar: Eto'o ist jetzt 30 Jahre alt und damit in einem Alter, wo ihm das Finanzielle wichtiger erscheint als die sportlichen Perspektiven. Wie viel der Kameruner beim russischen Emporkömmling Anschi Machatschkala genau einstreichen wird, darüber gehen die Einschätzungen noch auseinander. Sind es tatsächlich 20 Millionen Euro im Jahr, so viel wie noch nie ein Fußballprofi zuvor, oder doch "nur" zehn Millionen, wie die russische Zeitung "Sport Express" meldet?

Letztlich ist das zweitrangig. Was weit mehr zählt: Der Transfer des Stürmers ist der bislang spektakulärste Transfer eines Vereins, der mit aller Macht nach oben will. Im Nordkaukasus entsteht nach dem Willen des Geldgebers Suleiman Kerimow ein neuer Big Player des internationalen Fußballs. Anschi, zu deutsch Perle, ist anders als die fußballerischen Oasen im arabischen Raum mehr als ein gutdotiertes sportliches Rentnerparadies.

Kerimow entwickelt sportlichen Ehrgeiz

Zu ehrgeizig ist Kerimow offenbar, als dass es dem 45 Jahre alten Mogul nur darum geht, sich ein paar Altstars leisten zu können. Wer sich die Liste der Profis anschaut, auf die Anschi Begehrlichkeiten angemeldet hat, merkt rasch: Hier soll auch sportlich etwas passieren. Da stehen Namen wie Arsenal-Stürmer Andrej Arschawin, Barcelonas Außenverteidiger Dani Alves oder Neapels Torjäger Edinson Cavani auf dem Wunschzettel. Selbst Gladbachs junger Offensivstar Marco Reus soll schon ins Visier Kerimows geraten sein.

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Auch jetzt schon ist das Team sportlich durchaus ambitioniert zusammengestellt: Mit Balaszs Dzsudzsak und Mbark Boussoufa spielen zwei Profis bei Anschi, die in Ungarn und Belgien zu Fußballern des Jahres gekürt wurden. Und Russlands Nationalspieler Juri Schirkow, der im Juli vom FC Chelsea kam, ist mit 28 Jahren noch im Scheitelpunkt seines Schaffens. Das sind keine Akteure, denen es vorrangig darum geht, dem sportlichen Ruhestand auf die denkbar lukrativste Weise entgegen zu dämmern.

Aus der Reihe fällt da höchstens der mittlerweile 38-jährige Roberto Carlos. Der ehemalige brasilianische Weltklasseverteidiger, der als erster internationaler Star im Februar dieses Jahres in Machatschkala präsentiert wurde, hat seinen Zenit seit Jahren überschritten. Kerimow benötigte ihn allerdings, um erst einmal die Aufmerksamkeit einer internationalen Öffentlichkeit auf diesen bisher nichts sagenden Verein aus der Unruhe-Provinz Dagestan, aus der der Geldgeber stammt, zu lenken.

Projekt wird mit viel Argwohn beobachtet

Schirkow ist nach seinem Wechsel beim Länderspiel seiner russischen Auswahl gegen Serbien vom Moskauer Publikum gnadenlos ausgepfiffen worden. Im russischen Fußball ist enorm viel Geld im Spiel, dennoch konzentrieren sich die Antipathien der Fans vor allem auf Anschi. Der Club ist, was das Ansehen betrifft, in überdimensionierter Form so etwas wie das Hoffenheim Russlands, voller Argwohn begleitet von den Anhängern der alteingesessenen Vereine in Moskau oder St. Petersburg.

Der Club ist erst vor 20 Jahren gegründet worden, im Gründungsjahr spielte Roberto Carlos bereits in der ersten brasilianischen Liga. Seit einem Jahr erst gehört Anschi wieder der russischen Premjer-Liga an. Kerimow hat seit Januar 2011 das Sagen. Neben den Millionen, die er auf dem Transfermarkt investiert, lässt er quasi nebenbei noch ein Stadion hochziehen - angeblich soll es 200 Millionen Euro kosten und über 40.000 Plätze haben, damit die Uefa-Regularien erfüllt werden. Das bisherige Stadion kann gerade mal 15.000 Zuschauer beherbergen. Dass die Spieler auch aus Sicherheitsgründen im mehr als 2000 Kilometer entfernten Moskau trainieren, manchmal sogar im türkischen Belek, und nur zu den Spielen eingeflogen werden, hat auch nicht dazu beigetragen, die Antistimmung gegen das vermeintliche Kunstprodukt Anschi aufzulockern.

Kerimow ficht das wenig an. Er hat die klassische russische Oligarchen-Karriere hingelegt, sein Geld mit Öl, Bankgeschäften und der Beteiligung an Goldminen gemacht. Jahrelang war er Parteigänger des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski, bevor sich beide zerstritten. Seitdem hat er seine Konzentration von der Politik auf den Sport verlagert. Und damit liegt er derzeit durchaus im Plan. Anschi ist neun Spieltage vor Schluss aktueller Vierter der russischen Liga. Der Abstand zu Platz zwei, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigt, ist mit derzeit sieben Punkten noch aufholbar.

Das Vermögen Kerimows wird auf gut drei Milliarden US-Dollar geschätzt. Es ist noch viel Geld da, um die Perle zum Glänzen zu bringen.

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
MadMad 24.08.2011
1. Ok
Zitat von sysopMit dem Transfer des Kameruners Samuel Eto'o tritt der russische Vereinsfußball in eine neue Dimension ein:*Der unbekannte*Club Anschi Machatschkala soll zur Fußball-Großmacht hochgekauft werden. Mit durchaus guten Erfolgsaussichten.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,782107,00.html
So langsam hat man das Gefühl, das das Geld den Fußball bestimmt.... Jetzt mal ehrlich, ist das was die anderen Herrschaften wie Hr. Hopp, Hr. Abramowitsch etc tun etwas anderes? Letztlich ist der Profifußball ein Kampf verschiedener Wirtschaftsunternehmen um die Marktführerschaft garniert mit etwas Sport auf herrlich grünem Rasen. Und trotzdem strömen jedes Wochenende Millionen in die Stadien um live dabei zu sein, oder vielleicht gerade deswegen? Ob direkt oder indirekt, das Geld scheint den Fußball für alle attraktiver gemacht zu haben, wenn es sich auch komisch anhört.
glen13 24.08.2011
2. ...
Zitat von MadMadSo langsam hat man das Gefühl, das das Geld den Fußball bestimmt.... Jetzt mal ehrlich, ist das was die anderen Herrschaften wie Hr. Hopp, Hr. Abramowitsch etc tun etwas anderes? Letztlich ist der Profifußball ein Kampf verschiedener Wirtschaftsunternehmen um die Marktführerschaft garniert mit etwas Sport auf herrlich grünem Rasen. Und trotzdem strömen jedes Wochenende Millionen in die Stadien um live dabei zu sein, oder vielleicht gerade deswegen? Ob direkt oder indirekt, das Geld scheint den Fußball für alle attraktiver gemacht zu haben, wenn es sich auch komisch anhört.
"Millionen" gehen auch zu Rockkonzerten, Kinofilmen und anderen Veranstaltungen, bei denen nur einer oder wenige Abermillionen bekommen für ihre Präsenz. Profifußball ist nur eine andere Form der Show. Was ist schlimm daran? Wer seinen blutgrätschenden Heimatverein beklatschen will, kann doch den TUS Kleinkleckersdorf besuchen. Das macht auch richtig Spass und ist billiger. Steht doch jedem frei.
Hovac 24.08.2011
3. So
ist das nunmal mit den Superreichen. Sie sind halt so reich das sie Systeme verändern in denen nur arme Millionäre spielen. Scheint ja so gewollt zu sein das dem Geld so viel Macht gegeben wird, also nicht beschweren, wir können ja wählen.
Seraphan 24.08.2011
4. Bleiben wir doch mal realistisch
Zitat von MadMadSo langsam hat man das Gefühl, das das Geld den Fußball bestimmt.... Jetzt mal ehrlich, ist das was die anderen Herrschaften wie Hr. Hopp, Hr. Abramowitsch etc tun etwas anderes? Letztlich ist der Profifußball ein Kampf verschiedener Wirtschaftsunternehmen um die Marktführerschaft garniert mit etwas Sport auf herrlich grünem Rasen. Und trotzdem strömen jedes Wochenende Millionen in die Stadien um live dabei zu sein, oder vielleicht gerade deswegen? Ob direkt oder indirekt, das Geld scheint den Fußball für alle attraktiver gemacht zu haben, wenn es sich auch komisch anhört.
Nur weil jetzt noch ein Russe sein Geld einem Provinzverein hinterherwirft, müssen wir nicht das Ende der Abendwelt ausrufen. Das Geld bestimmt schon seit Jahrzehnten den Fußball. Was ist jetzt so neu daran, dass wirtschaftlich erfolgreiche Menschen Ihr Geld Vereinen hinterherwerfen? Profifußball war nie, ist nicht und wird nie ein Kampf von Unternehmen werden, denn Verein und Unternehmen haben Zielgruppen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Selbstverständlich kann sich ein Verein, der einen Sponsor findet, der irrsinnig viel mehr als der Ligadurchschnitt bezahlt, auch Spieler leisten, die eben besser als der Ligadurchschnitt sind. Das gibt es in der Bundes- wie in der Kreisliga, wo die Beträge kleiner und die Namen der Sponsoren, zumindest für Nicht-Ortsansässige, kleiner sind.
sumanguru 24.08.2011
5. Eto'o in Rente
Die bisherigen vier Beiträge triefen nur so von ausgemachter Dummheit und Unkenntnis. Keiner der "Schreiberlinge" - Autoren möchte man sie nicht nennen - scheint zu wissen wo Dagestan liegt und, wichtiger, was Dagestan bedeutet. Den Gauner Kerimov mit Herrn Hopp zu vergleichen ist nicht nur falsch, es ist maßlos und vulgär (als "Fan" von Bayer Leverkusen stehe ich sicher nicht im Ruf das (gute) "System Hoffenheim" aus Lokalpatriotismus zu verteidigen). Dagestan ist muslimisch geprägtes Kriegsgebiet. Die Menschen dort benötigen Nahrung, Kleidung und vor allem die Bildung, die auch den deutschen Fußballfans - wie in diesem Blog erneut sichtbar - aus Tradition abgeht. Solange eine Kriegerwitwe im gebeutelten Dagestan ihr karges Leben mit 80 Euro/Monat bestreiten muss, sollte es diesen Kerimovs und Abramovichs NICHT erlaubt sein, einem Fußballspieler 60 Millionen Euro für die Ausübung seines Hobbies zu bezahlen. Warum investiert "Suleimann" (!) das Geld nicht lieber in die Jugend seines darbenden Landes? Warum verbrennt er stattdessen lieber hunderte Millionen in "schwarze und weisse Beine", die sich in nur drei Sommern verbraucht haben und dann an den Stränden dieser Welt "hoch gelegt" werden können? Arroganz und Eitelkeit sowie der Verlust jedweden Realitätsinns sind die einzigen Argumente die einfallen wollen. Der schlimme Autounfall den Kerimov vor Jahren in Südfrankreich knapp überlebte hat offenbar nicht zu Läuterung geführt. Ein Mann der 30% seiner Haut verbrannt hat, darf doch wohl auch 300 Millionen in Papiergeld verbrennen - wird sich der Oligarch sagen. Man kann Kerimov nur Hals- und Eto'o Beinbruch wünschen! Sumanguru
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