Euro-Vip-Tipp Campino betet für die Engländer

Campino, Frontmann der Toten Hosen, wird am Samstag den Engländern die Daumen drücken. Den Deutschen empfiehlt er, sich mit Matthäus abzufinden und mit der Heulerei nach Effenberg aufzuhören.


Campino
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Sie haben einen Tag vor dem Match gegen England die deutsche Nationalmannschaft in Vaals besucht. Warum?

Campino:

Ich wollte mir noch einmal das Mannschaftsquartier ansehen, denn lange hat man dazu ja keine Gelegenheit mehr. Zudem wollte ich ergründen, warum die Deutschen gegen die Rumänen so schwach waren. Nachdem ich den Kaffee getrunken hatte, wusste ich, warum unsere Jungs so schläfrig waren.

Was erwarten Sie vom Klassiker gegen England?

Campino: Beide Mannschaften stehen mit dem Rücken zur Wand. Wer verliert, bekommt in der Heimat richtig was auf die Mütze. Das wird ein richtiges Knockout-Spiel mit richtig Salz in der Suppe. Ich bin total gespannt, denn ich bin halb Engländer, halb Deutscher.

Wem drücken Sie die Daumen?

Campino: Keine Frage, den Engländern. Ich hoffe aus diesem Grund auch, dass Deutschland nach der Vorrunde ausscheidet. Dass hat aber nichts mit Deutschland, sondern nur mit meiner Liebe zu den Engländern zu tun.

Wenn Sie Teammanager der Engländer wären, welche Tipps würden Sie Shearer und Co. geben?

Campino: Ich würde nicht viel sagen, den Jungs aber die Videokassetten der letzten Duelle zeigen, damit sie sehen, dass sie nie schlechter waren. Und dann noch: Wenn ihr das Ding wieder versiebt, müsst ihr nach Hause schwimmen.

Hätten Sie selbst gerne mal in der deutschen Nationalmannschaft gespielt?

Campino: Klar, denn ich bin sicher, dass das immer noch für jeden Spieler ein großer Reiz und eine große Ehre ist. Ich habe mich auch bei der Nationalmannschaft angeboten, aber leider keine Post von Egidius Braun bekommen. Dabei habe ich doch als Fußballer auf solchen Äckern, wie Egidius sie seinen Spielern anbietet, viel mehr Erfahrung.

Was sagen Sie zu der Diskussion um Lothar Matthäus?

Campino: Wenn Deutschland nichts Besseres hat als Matthäus, warum haut man auf den dann so drauf? Aber daran sieht man, es ist genau die Not am Mann, die dieses Land verdient hat. Dennoch müssen wir mit diesem Personal da durch. Die Heulerei nach Effenberg ist einfach nur schändlich und jämmerlich. Wenn Effe bei der EM wäre, wäre er genauso scheiße wie immer. Nach dem zu rufen, ist absolut schräg.

Was halten Sie eigentlich von Teamchef Erich Ribbeck?

Campino: Der Ribbeck ist ja ganz lustig, aber er hat schon einen komischen Satzaufbau, wenn man genau hinhört. Er steht ja praktisch zwei Tage vor seiner Entlassung. Aber wenn er gegen England gewinnen sollte, hat er auf einmal alles richtig gemacht. Das ist so im Fußball, heute eine Headline ist morgen kalter Kaffee.

Wer sollte Ribbecks Nachfolger werden?

Campino: Ich bin eigentlich der Meinung, dass Günter Netzer der richtige Mann ist, aber der will ja nicht. Man sollte ihn aber fragen, wie es weiter geht. Netzer hat ja auch schon mal gesagt, dass so ein Mann wie der Cruyff kommen soll. Das wäre gut, denn so sehe ich es auch. Cruyff wäre der ideale Ribbeck-Nachfolger. Matthäus sollte man als Assistenten heranziehen, denn als Nationaltrainer benötigt man auch einige Erfahrung.

Das Gespräch führte Jürgen Zelustek.



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