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Europa League Dortmund siegt trotz schlimmer Abwehrfehler

Gegentor nach einer Minute, krasse Defensivpatzer und schlechte Chancenverwertung: Der BVB hat unter Trainer Thomas Tuchel einen Rückfall in vergessen geglaubte Zeiten erlebt. Immerhin: Die Gruppenphase der Europa League ist trotzdem zum Greifen nah.

Unter Trainer Thomas Tuchel schien Borussia Dortmund auf dem Weg zu alter Stärke. Eine Schwäche hat der 41-Jährige seiner neuen Mannschaft allerdings noch nicht austreiben können: Gegentore in der ersten Minute. Nach vier Vorfällen in der vergangenen Saison lag der BVB auch im Playoff-Hinspiel zur Europa League gegen den norwegischen Klub Odds BK nach 14 Sekunden 0:1 zurück.

Am Ende sprang ein 4:3 (1:3)-Auswärtssieg heraus, der den BVB vor dem Rückspiel am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schon fast sicher in die Gruppenphase der Europa League bringt. Tuchel wird allerdings nicht nur über die Unkonzentriertheit in den ersten Sekunden sprechen müssen, denn auch den Gegentoren von Fredrik Nordkvelle (19. Minute) und Espen Ruud (22.) gingen grobe Abwehrfehler voraus. Offensiv sah das Dortmunder Spiel deutlich besser aus, wie die Tore von Pierre-Emerick Aubameyang (34./76.) Shinji Kagawa (47.) und Henrich Mchitarjan (84.) zeigten.

"Am Anfang war es wie in einem schlechten Film", sagte Kapitän Mats Hummels, "aber wichtig war es, dass man sich aus solch einem Katastrophenstart noch herauskämpft." Tuchel hob ebenfalls das Positive hervor: "Das wollten wir so nicht haben. Es war nach dem 0:3 ein langer Weg zurück. Aber wir haben Moral bewiesen."

Der Coach veränderte seine Startelf gegenüber dem 4:0-Erfolg gegen Mönchengladbach auf fünf Positionen. Marco Reus und Lukasz Piszczek waren nicht mit nach Norwegen gereist, Sokratis und Julian Weigl rotierten auf die Bank. Dafür spielten Kevin Kampl, Gonzalo Castro, Matthias Ginter und Sven Bender. Zudem bekam Roman Weidenfeller, wie von Tuchel angekündigt, statt Roman Bürki eine Chance.

Castro begann für den angeschlagenen Piszczek als Rechtsverteidiger - in Leverkusen hatte er sich zuletzt gegen eine Versetzung auf diese Position gewehrt. Castros erster Zweikampf sah aus wie eine Fortsetzung dieser Abwehrhaltung und nicht wie eine Abwehraktion. Der 17-jährige Rafik Zekhnini konnte unbehelligt flanken, Ginter und Mats Hummels ließen Samuelsen aus den Augen und so köpfte der Mittelfeldspieler unbedrängt ein.

Dortmunds Viererkette versagt kollektiv

Shinji Kagawa hätte den Fehlstart schnell egalisieren können, sein Schuss aus der Drehung prallte von der Latte aber zurück ins Feld (2.). Der BVB war in der Folge feldüberlegen, erarbeitete sich aber keine weiteren Torchancen. Stattdessen machte der Bundesligist in der Defensive weitere haarsträubende Fehler und schenkte dem Außenseiter zwei weitere Tore.

Enttäuschte BVB-Profis: 0:3 nach 22 Minuten

Enttäuschte BVB-Profis: 0:3 nach 22 Minuten

Foto: Defodi Cathrin Mueller/ dpa

Nach einer Ablage des ehemaligen Kaiserslauterer Stürmers Olivier Occéan marschierte Nordkvelle einfach an den passiven Hummels, Ginter und Castro vorbei und schob freistehend ins Tor. Die Neuen in Dortmunds Startelf drängten sich nicht für weitere Einsätze auf, da reihte sich auch der Torhüter ein. Der Freistoß von Ruud aus 30 Metern hatte zwar eine schwierige Flugbahn, aber den dritten Treffer hätte Weidenfeller halten müssen.

0:3 nach 22 Minuten - nach den bisher gezeigten Leistungen in den ersten vier Pflichtspielen der Saison eine Sensation. Die beste Nachricht für den BVB war die verbleibende Spielzeit. Erster Hoffnungsschimmer war der Pfostentreffer von Mchitarjan (29.), fünf Minuten später fiel der Anschlusstreffer: Aubameyang scheiterte zunächst noch im direkten Duell an Torhüter Sondre Rossbach. Der zweite Ball landete über Kagawa und Kampl bei Ilkay Gündogan, der von der Strafraumgrenze abzog. Rossbach konnte den Ball nicht festhalten - Aubameyang staubte aus kurzer Distanz ab.

Umstellungen von Tuchel fruchten

Tuchel hätte mehrfach wechseln können, er entschied sich zu Beginn des zweiten Durchgangs für einen neuen Rechtsverteidiger. Castro blieb in der Kabine, Sokratis rückte in die Innenverteidigung neben Hummels und Ginter spielte auf Außen. Das machte sich schnell bezahlt. Eine Flanke von Marcel Schmelzer köpfte Ginter am langen Pfosten zurück in die Mitte, wo Kagawa mit einem Drehschuss den Anschlusstreffer erzielte.

Der Fünftplatzierte der norwegischen Liga beschränkte sich nach der Pause auf die Defensive, trotzdem hatten die Gäste beste Torchancen zum Ausgleich. Gündogan schoss Zentimeter am linken Pfosten vorbei (53.), Rossbach lenkte einen Fernschuss von Aubameyang an den Pfosten (67.) und der Stürmer aus Gabun verstolperte einen Querpass einen Meter vor dem Tor der Norweger (69.).

Auch die Chancenverwertung war in der vergangenen Saison ein Baustein für den zwischenzeitlichen Absturz auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Nur Aubameyang traf zuverlässig, und so war es auch diesmal der Angreifer, der sich von seinen vergebenen Möglichkeiten nicht beirren ließ. Nach toller Vorarbeit von Schmelzer schoss Aubameyang aus zwölf Metern flach ein. Dem Siegtreffer per Kopf von Mchitarjan ging noch eine weiterer Lattentreffer von Gündogan voraus. Bei allen defensiven Schwächen: Es hätte sogar ein höherer Erfolg werden können.

Odds BK Skien - Borussia Dortmund 3:4 (3:1)
1:0 Samuelsen (1.)
2:0 Nordkvelle (19.)
3:0 Ruud (22.)
3:1 Aubameyang (34.)
3:2 Kagawa (47.)
3:3 Aubameyang (76.)
3:4 Mchitarjan (84.)
Skien: Rossbach - Grögaard, Hagen, Bergan, Ruud - Jensen, Samuelsen (57. Berg), Nordkvelle - Occean (77. Flo), Zekhnini, Bentley (65. Halvorsen).
Dortmund: Weidenfeller - Castro (46. Sokratis), Ginter, Hummels, Schmelzer - Sven Bender (68. Weigl), Gündogan - Kampl (63. Ramos), Kagawa, Mchitarjan - Aubameyang.
Schiedsrichter: De Sousa (Portugal)
Zuschauer: 12.436
Gelbe Karten: Jensen -