Europa League Deutsche Clubs kämpfen sich auf Viertelfinal-Kurs

Guter Start im Achtelfinale der Europa League: Der Hamburger SV hat im Hinspiel den RSC Anderlecht besiegt. Wolfsburg gelang bei Rubin Kasan ein wichtiger Auswärtstreffer - am Ende reichte es zum Unentschieden, genau wie für Bremen in einer turbulenten Partie in Valencia.

AP

Hamburg - Die deutschen Mannschaften haben in ihren Achtelfinal-Hinspielen in der Europa League überzeugende Leistungen geboten: Werder Bremen erkämpfte beim FC Valencia ein 1:1 (0:1). Torsten Frings brachte Bremen per Foulelfmeter in Führung (24. Minute), Juan Manuel Mata sorgte in der zweiten Halbzeit für den Ausgleich der Spanier (57.). Der Hamburger SV feierte gegen den RSC Anderlecht aus Belgien einen 3:1 (2:1)-Erfolg. Innenverteidiger Joris Mathijsen brachte die Hamburger in Führung (23.), Angreifer Ruud van Nistelrooy erhöhte auf 2:0 (40.). Nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Jonathan Legear (45.) stellte Mittelfeldmann David Jarolim den Zwei-Tore-Abstand wieder her (76.). Bei Rubin Kasan kam der VfL Wolfsburg zu einem 1:1 (1:0). Dabei glich Zvjezdan Misimovic (67.) die Führung des russischen Meisters durch Christian Noboa (29.) aus.

Die Partie der Bremer in Valencia bot von Beginn an Spannung und Klasse: Schon nach fünf Minuten hätte Mesut Özil die Bremer in Führung bringen können, doch der von Claudio Pizarro in Szene gesetzte Nationalspieler zielte knapp über das Tor. Werder machte weiter Druck, profitierte beim Führungstor aber auch von einem wohlgesinnten Schiedsrichter. Nach einem Körperkontakt zwischen Ever Banega und Pizarro deutete der englische Referee Martin Atkinson zur Überraschung aller auf den Elfmeterpunkt. Frings ließ sich die Chance zum wichtigen Auswärtstor nicht entgehen.

Doch die Führung verlieh dem Spiel seiner Mannschaft keine Sicherheit, denn plötzlich drehte der Tabellen-Dritte der Primera División auf und stand gleich mehrfach dicht vor dem Ausgleich. Doch Werder-Torhüter Tim Wiese machte zahlreiche Chancen zunichte. Seine größte Tat vollbrachte der Schlussmann, als er einen 16-Meter-Schuss des Argentiniers Banega (33.) mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte. Aber auch das Team von Trainer Thomas Schaaf setzte weiter offensive Akzente. Marko Marin scheiterte jedoch an Keeper Cesar Sanchez (35.).

Der Offensiv-Schlagabtausch setzte sich im zweiten Durchgang fort. Nach vergebenen Großchancen von Pizarro (49.) und Pablo Hernandez (50.) überschlugen sich die Ereignisse. Banega musste wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Marin vom Platz (56.), dann gelang Mata nach einer der Unsicherheiten in der Bremer Hintermannschaft das 1:1.

"Wenn man vorher gesagt hätte, wir spielen hier unentschieden, wären wir sicher zufrieden gewesen. Aber so wie es jetzt gelaufen ist, hätten wir gewinnen müssen. Wenn man 1:0 führt und gegen zehn Mann spielt, ist es ärgerlich, nicht zu gewinnen. Aber das 1:1 ist sicher eine gute Ausgangsposition", sagte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Trotz Überzahl schafften es die Bremer in der Schlussphase kaum noch, sich vom Druck zu befreien und für Entlastung zu sorgen. In der Schlussminute vergab Pizarro eine Konterchance, der Angreifer schoss aus zehn Metern über das Tor.

Van Nistelrooy trifft beim Startelf-Debüt für den HSV

Beim Startelf-Debüt von Superstar van Nistelrooy hat sich der Hamburger SV mit dem Sieg gegen Anderlecht eine gute Ausgangsposition für das Erreichen des Viertelfinals in der Europa League geschaffen. Im Rückspiel in einer Woche beim Tabellenführer der belgischen Liga kann sich der HSV damit auch eine Niederlage mit einem Tor Differenz leisten. Für das etwas glückliche 1:0 sorgte Abwehrchef Mathijsen: Nach einem Abwehrfehler der Gäste fiel der Ball dem Niederländer im Strafraum vor die Füße, und Mathijsen ließ Torwart Silvio Proto mit einem platzierten Schuss keine Chance. "Bei so einem Tor muss man auch ein bisschen Glück haben", sagte Mathijsen.

Beim nächsten gefährlichen HSV-Vorstoß traf Mladen Petric den Pfosten (35.). Eingeleitet hatte den Angriff van Nistelrooy, der es fünf Minuten später besser machte als sein kroatischer Sturmpartner: Eljero Elia passte im Strafraum auf van Nistelrooy, der den Ball aus spitzem Winkel an Proto vorbei ins Tor lupfte. Dass die Pausen-Führung doch nicht sonderlich beruhigend ausfiel, lag an Legear, der Sekunden vor dem Halbzeitpfiff einen Freistoß aus rund 25 Metern unhaltbar für HSV-Keeper Frank Rost in den Winkel schoss.

In der 56. Minute bugsierte van Nistelrooy den Ball erneut ins gegnerische Tor, der Treffer zählte aber nicht - Abseits. 20 Minuten später erzielte Kapitän Jarolim per Volleyschuss von der Strafraumgrenze das 3:1. In den Schlussminuten mussten die Hamburger noch einige Angriffe der Gäste überstehen. "Ich denke, dass wir mehr als verdient gewonnen haben. Wir hätten sogar das vierte Tor machen müssen", sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia.

Misimovic lässt Wolfsburg jubeln

Im Duell der Champions-League-Absteiger Kasan und Wolfsburg, den beiden Landesmeistern, verschaffte Misimovic dem VfL mit einem Traumtor eine günstige Ausgangsposition für das Rückspiel am 18. März in der heimischen Arena. Der 27-Jährige erhielt in der 66. Minute den Ball an der Strafraumgrenze und traf aus 16 Metern in den Torwinkel. Dabei hatte Misimovic bis dahin nicht wie erhofft Regie führen können. Der Bosnier machte nach 54 Minuten mit einem strammen Schuss erstmals auf sich aufmerksam und fiel ansonsten nur bei Standardsituationen auf.

"Das 1:1 ist verdient. Wir waren am Ende dem 2:1 näher als Rubin Kasan. Die Russen hatten anfangs die bessere Einstellung zum Platz und zur Kälte. Ich hätte mir gewünscht, dass wir da besser dagegen gehalten hätten. In der zweiten Halbzeit haben wir in den Zweikämpfen besser ausgesehen", sagte Lorenz-Günther Köstner. Der VfL-Coach warnte aber auch: "Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachlässig in das Rückspiel gehen. Kasan hat auch auswärts schon sehr gute Spiele gemacht."

Wolfsburg musste bei Rubin Kasan mit Temperaturen von minus zwölf Grad Celsius und widrigen Platzverhältnissen zurechtkommen. Auf dem unebenen Spielfeld kam der VfL durch Edin Dzeko (10.) zur ersten Chance, der aus spitzem Winkel an Sergej Ryschikow im Rubin-Tor scheiterte. Doch dann übernahmen die Russen das Kommando und gingen nach einem Wolfsburger Fehler in Führung. Obafemi Martins, der den verletzten Grafite vertrat, ließ seinen Gegenspieler Cristian Ansaldi ungehindert flanken. Als sich in der Mitte niemand für Noboa zuständig fühlte, traf der Ecuadorianer per Kopf zum 1:0.

Zwei Minuten später bewahrte Torhüter Marwin Hitz den VfL mit einem Reflex gegen Kasans Top-Torjäger Alexander Bucharow vor einem höheren Rückstand. Im zweiten Durchgang wurde der VfL zunehmend stärker und erhöhte das Tempo. Erst scheiterte Dzeko noch an Ryschikows Fußabwehr, dann nahm Misimovic Maß und ließ Wolfsburg jubeln.

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