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15. März 2019, 01:08 Uhr

Sieg bei Inter Mailand

Eintracht Europa

Von Jonas Hüster

Zum ersten Mal seit 24 Jahren hat Eintracht Frankfurt das Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs erreicht. 15.000 mitgereiste Fans feierten den 1:0-Sieg in Mailand. Doch es könnte ein Nachspiel geben.

Szene des Spiels: Wenn sich Luka Jovic irgendwo bedanken will, dann beim linken Innenpfosten im Giuseppe-Meazza-Stadion. Als er den Siegtreffer über Inter-Torwart Samir Handanovic löffelte, sprang der Ball erst ans Aluminium und dann über die Linie. Durch das wichtige Auswärtstor war die Partie schon in der fünften Minute vorentschieden.

Das Ergebnis: Eintracht Frankfurt gewann 1:0 gegen Inter Mailand (hier geht es zum Spielbericht) und steht im Viertelfinale der Europa League.

Frankfurt oder nix: Wer hätte vor wenigen Jahren noch gedacht, dass Eintracht Frankfurt die letzte deutsche Hoffnung im internationalen Wettbewerb sein wird? Nach dem Ausscheiden von Bayern, Schalke und Dortmund aus der Champions League ist kein weiterer Bundesligist in Europa vertreten. Zuletzt stand die Eintracht vor 24 Jahren im Viertelfinale des damaligen Uefa-Pokals, 1980 gewannen die Hessen den Wettbewerb sogar. "Wenn sie das Spiel in Mailand überstehen, kommen sie ins Finale. Davon bin ich fest überzeugt", sagte Uli Stein, langjähriger Eintracht-Torwart, im Vorfeld der Partie. Doch bevor die Anhänger übermütig werden - es kommen noch: Viertelfinale, Halbfinale und dann erst das Finale.

Die erste Hälfte: Die Eintracht begann furios. Nach drei Minuten traf Sébastien Haller die Latte, nachdem Handanovic einen Schuss von Filip Kostic nach vorne abgewehrt hatte. Mehr Glück mit dem Aluminium hatte Jovic bei seinem Lupfer (5. Minute). Viel mehr passierte bis zur Pause nicht.

Bobics Hinterkopf: Eintracht-Trainer Adi Hütter musste heute leiden. Der Österreicher verbrachte die ganze Partie auf der Tribüne, mit perfekter Sicht auf den Hinterkopf von Fredi Bobic. Der Grund: Im Hinspiel hatte er eine Flasche weggetreten. Sein Co-Trainer Christian Peintinger übernahm an der Seitenlinie. Eine Beschwerde gegen die Sperre hatte die Uefa abgelehnt. Nach Abpfiff kam Hütter noch auf den Platz, um sich bei den Fans zu bedanken. Interviews gab er nicht.

Besser als der HSV: Als sei der Viertelfinaleinzug nicht schon Ehre genug, ist die Eintracht auch am Hamburger SV vorbeigezogen. Zwischen 2006 und 2008 waren die Hamburger der bislang letzte deutsche Verein, der in 13 Europapokalspielen in Folge ungeschlagen blieb. Die Eintracht hatte bis zum Spiel in San Siro neunmal gewonnen und viermal remis gespielt. Mit dem Sieg gegen Inter sind sie nun in 14 Spielen ungeschlagen und stellen mit acht Siegen in einer Europa-League-Saison einen neuen deutschen Rekord.

Die zweite Hälfte: Viele Chancen, aber keine Tore. Dass Inter nicht gefährlich wurde, lag an der starken Frankfurter Defensive. Sowohl Evan Ndicka als auch Martin Hinteregger gewannen alle ihre Zweikämpfe. Dass die Eintracht keine weiteren Treffer erzielte, war allein die Schuld der Frankfurter Stürmer.

Konter: Manchmal hilft die einfachste Mathematik nicht. Frankfurt spielte zahlreiche Überzahlsituationen nicht vernünftig zu Ende. Wie bei einem 4-gegen-2-Konter (77.), als Kostic den Ball verlor. Oder bei einem Jovic-Kopfball in der Nachspielzeit, der so zentral aufs Tor kam, dass Handanovic nicht mehr ausweichen konnte. Insgesamt elf Schüsse gaben die Gäste nach der Pause ab, nur fünf davon gingen aufs Tor.

Piazza del Frankfurt: Ein hessisches Dorf pilgerte am Donnerstag durch Mailand. Gut 15.000 Eintracht-Fans begleiteten ihre Mannschaft nach Mailand und feierten in den Straßen der Stadt. Die 13.500 Gästekarten für das Spiel waren innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Die Glücklosen ohne Ticket müssen sich mit dem Sieg trösten, die Stadionbesucher dürfen mit einem neuen Auswärts-Fanrekord prahlen. Dabei überboten die Frankfurter Anhänger eine eigene Bestmarke: 2013 gegen Girondins Bordeaux waren etwa 12.000 Fans mit auf die Reise gekommen.

Spiel mit dem Feuer: Ob es im Viertelfinale die Chance auf einen erneuten Rekord gibt, hängt auch von der Uefa ab. Weil im Gästeblock kurz vor Schluss Pyrotechnik abgefeuert wurde, könnte es zu empfindlichen Strafen gegen die Eintracht kommen. Fan-Ausschlüsse wären denkbar und für die vielen Frankfurter Anhänger besonders bitter.

Inter Mailand - Eintracht Frankfurt 0:1 (0:1)
0:1 Jovic (5.)
Inter: Handanovic - d'Ambrosio, de Vrij, Skiniar, Cedric (62. Ranocchia) - Vecino, Borja Valero (73. Esposito) - Candreva, Politano (80. Merola), Perisic - Baldé
Eintracht: Trapp - Hinteregger, Hasebe, Ndicka - Rode (89. Paciência) - da Costa, Gavinovic (59. de Guzman), Willems (72. Stendera), Kostic - Haller, Jovic
Zuschauer: 45.000
Schiedsrichter: Ovidiu Alin Hategan (Rumänien)
Gelbe Karten: d'Ambrosio, Valero, Skriniar / Rode, Haller, Paciência

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