Frankfurts Europacup-Niederlage gegen Arsenal Nach dem Rausch

Das Sturmtrio Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller schoss die Eintracht im Vorjahr in der Europa League von Sieg zu Sieg. Wie groß die Lücke im Angriff nach ihrem Abgang ist, konnte man gegen Arsenal sehen.

Steht die Eintracht vor einem ausgedehnten Kater?
Armando Babani / epa

Steht die Eintracht vor einem ausgedehnten Kater?

Aus Frankfurt berichtet


Lange standen die Eintracht-Profis nach dem Abpfiff gemeinsam im Mittelkreis und besprachen sich. Nur zögerlich schritten sie anschließend in Richtung ihrer treuesten Fans in der Westkurve. So behutsam, wie man nach einem 0:3 (0:1) zum Auftakt der Europa League vielleicht auf die eigenen Fans zugehen sollte.

Doch statt Pfiffen erwartete die Spieler ausgedehnter Beifall und Gesänge. Die Profis standen minutenlang nebeneinander und erwiderten die Liebesbekundungen mit dankbarem Klatschen. Die Szene erinnerte an den Mai dieses Jahres. Nach dem Unentschieden im Europacup-Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea hatten die Eintracht-Anhänger ihr Team mit überbordendem Support zum Rückspiel nach London geschickt, wo Frankfurt sich bis ins Elfmeterschießen kämpfte und erst dort am späteren Titelträger scheiterte.

Probleme im Angriff

Die Eintracht spielte mutigen Offensivfußball, schoss 24 Mal in Richtung des gegnerischen Tores. Allein ein Treffer wollte dabei nicht herausspringen. Eintracht-Coach Adi Hütter sprach nach Abpfiff den Elefanten im Raum an: "Wir haben wichtige Spieler verloren." Er nannte sie nicht namentlich, doch der Österreicher meinte Jovic, Rebic und Haller. Das Offensivtrio hatte Frankfurt bis ins Europacup-Halbfinale und im Jahr davor zum Sieg im DFB-Pokal geschossen. Nun sind sie weg und andere müssen ihren Job machen.

Dafür verpflichtet wurde unter anderem Bas Dost. Der passt im Grunde hervorragend auf die Stellenbeschreibung: 93 Tore in 127 Spielen hatte der Niederländer in den vergangenen drei Spielzeiten für Sporting erzielt. Gegen Arsenal ließ er seinen Torriecher vermissen. "Wir hätten sicherlich ein Tor schießen müssen. Die Chancen waren da", sagte der 30-Jährige nach Abpfiff im Interview mit DAZN und verwies auch auf seine verpassten Gelegenheiten. "Ich bin noch nicht ganz da, wo ich sein muss."

Das sah auch sein Trainer Hütter so, stellte sich jedoch auch vor Dost und seinen Sturmpartner André Silva. Beide seien spät in der Transferphase gekommen, bräuchten ihre Zeit. Es sind aber nicht allein die Offensivspieler, bei denen es noch hakt.

Alle Mannschaftsteile sind betroffen

Djibril Sow, im Sommer von den Young Boys Bern gekommen, leistete sich im zentralen Mittelfeld diverse leichtfertige Fehler, die seine Hintermannschaft in Bedrängnis brachten. David Abraham wackelte gegen Arsenal gewaltig. Fast alle gefährlichen Angriffe der Londoner liefen über seine Seite. Beim ersten Gegentor überlief Arsenals 18-jähriger Flügelspieler Bukayo Saka den Eintracht-Kapitän mühelos und legte Joe Willock das 1:0 auf (38. Minute).

In der Arsenal-Offensive liefen hinter Pierre-Emerick Aubameyang drei Spieler auf, die sich an der Schnittstelle zwischen Profi- und Jugendteam befinden. Emile Smith Rowe, der Dritte im Bunde, gehört wie Saka eigentlich noch der U23 des Klubs an. Viel zu oft war dieses Quartett zu schnell für die Frankfurter Hintermannschaft, die ihnen den Platz gewährte, ihre Schnelligkeit auszuspielen.

"Wir kannten Frankfurts Offensivqualitäten" sagte Arsenals deutscher Verteidiger Shkodran Mustafi, für den es das erste Saisonspiel war. "Wir wussten aber auch, dass, wenn wir den Ball gewinnen, viel Platz zum Kontern sein wird." Genauso lief es: In der 85. Minute konnte sich Saka vor dem Frankfurter Strafraum unbedrängt drehen und platziert zum 2:0 einschießen. Zwei Minuten später traf der enteilte Aubameyang, nachdem Abraham den Ball leichtfertig in die Füße von Vorbereiter Saka verstolpert hatte.

Die Zeit drängt

Drei Treffer ohne Gegentor - für Arsenal ein wichtiger Erfolg. Trainer Unai Emery war nach zuletzt drei Ligaspielen ohne Sieg stark in die Kritik geraten. Neben einer fehlenden Spielidee bemängelt der Anhang vor allem Probleme in der Abwehr. Gegen Frankfurt wackelte die Hintermannschaft erneut, hielt jedoch stand.

Diese Tatsache sei es, die Eintracht-Coach Hütter an diesem Abend besonders geärgert habe, sagte er. Dass der Gegner Tore schieße, sei in dessen offensiver Spielphilosophie selbstverständlich eingepreist. Man müsse nur eben mehr schießen. Das habe so auch in der vergangenen Spielzeit gut geklappt. "Bitter" an der Niederlage sei für Hütter vor allem, dass Ergebnis und Leistung nicht zusammenpassen.

Das kann gegen ein europäisches Topteam wie Arsenal schon mal vorkommen, passierte aber auch jüngst bei der Niederlage gegen den FC Augsburg in der Bundesliga. Dort heißt der nächste Gegner am Sonntag Borussia Dortmund. Viel Zeit, sich zu finden, bleibt der neuen Eintracht-Offensive nicht.

Eintracht Frankfurt - FC Arsenal 0:3 (0:1)
0:1 Willock (38.)
0:2 Saka (85.)
0:3 Aubameyang (87.)
Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - da Costa (74. Chandler), Kohr, Sow, Kostic - Kamada - Dost (66. Paciência), Silva
Arsenal: Martinez - Chambers, Mustafi, Luiz, Kolasinac (80. Maitland-Niles) - Torreira, Xhaka, Willock (72. Ceballos) - Smith Rowe (60. Pepé), Aubameyang, Saka Schiedsrichter: Massa (Italien)
Gelbe Karten: Hinteregger, Kamada / Willock, Kolasinac, Chambers
Gelb-Rote Karte: Kohr (79.)
Zuschauer: 47.000 (ausverkauft)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Adi Hütter als Schweizer bezeichnet, tatsächlich ist er aber Österreicher. Wir haben den Fehler korrigiert.



insgesamt 15 Beiträge
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Klangstof 20.09.2019
1. Nach dem Rausch ist vor dem Rausch...
...das sagte ja schon der alte Herberger oder war das ich gerade? Also, erstens heißt das Nordwestkurve und zweitens wäre der Tenor anders, wenn das Spiel 2:2 ausgegangen wäre, was ohne Weiteres möglich gewesen wäre bei 24:16 Torschüssen bzw. Torschussversuchen (die Quote der Schüsse direkt aufs Tor ist 7:6). Konjunktive zählen nunmal nichts und schießen keine Tore. Das 0:2 und 0:3 fielen übrigens dann nach der Gelb-Roten Karte für Kohr, die natürlich ein Witz war. Mir gefällt grundsätzlich die veränderte Spielweise, weniger Langholz auf Haller und auf "2. Bälle" gegenpressen , sondern mehr spielerische Note. Die Ballzirkulation ist mit technisch versierten Spielern wir Sow und Kamada extrem verbessert, dennoch gibt es im letzten Drittel (auch schon gegen den FCA) zuviele Ballverluste an der Box bzw. im letzten Drittel, so dass häufig defensiv umgeschaltet werden muss, da ein Gegner wie Arsenal extrem geschickt kontert. Dadurch muss man viel Energie und Sprints aufwenden, die im Laufe des Spiels eben zuviele Körner kosten. Der Auftrag ist klar: Die Passgenauigkeit muss weiter optimiert werden und ich möchte betonen, dass Silva und Dost ja erst seit 3 Wochen im Team sind, Sow aus einer Verletzung gekommen ist etc. Wie in der letzten Saison wird es einige Wochen dauern, bis das Team den "Flow" hat und dann wollen wir später nochmal verifizieren, ob es nicht doch noch einen weiteren Europa-Rausch gibt. Wenn nicht, dann ist das eben so und auch kein Beinbruch!
Nonvaio01 20.09.2019
2. gegen Arsenal kann man verlieren
das ist kein problem, und ein Sieg war auch nicht wirklich einkalkuliert denke ich mal. Man muss auch realistisch bleiben. Die gruppe wird Frankfurt aber ueberstehen.
appenzella 20.09.2019
3. Die Eintracht hatte zu Zeiten
eines Alfred Pfaff und Co eine Klassemannschaft, 3 Tore im Enspiel gegen Real Maddrid sprechen für sich. Aber 7 Gegentore verhinderten den ersten Erfolg einer deutschen Mannschaft im Europapokal. Puskas und Co waren das Salz in der europäischen Fußballsuppe. der appenzella
bumpes 20.09.2019
4. @1 Klangstof
Danke für Ihren Beitrag, er spiegelt genau das wieder was ich schreiben wollte. Es hätte auch..., egal, wer glaubt, gegen Arsenal wäre das fröhliche Toreschießen der letzten Saison mit zwei Granaten weniger aber 100 + X Euro mehr gerade mal so weitergegangen, legt falsche Maßstäbe an. Abwardde, wie man in Frankfurt sagt.
mostly_harmless 20.09.2019
5.
So banal, dass mans eigentlich kaum schreiben muss: Spieler mit der Klasse von Haller, Jovic oder Rebic wachsen nicht auf dem Baum. Ob die Neuen diese Spieler vollständig ersetzen können, und Paciencia da "hineinwachsen" kann, muss sich erstmal zeigen. Nach einer Niederlage gegen Arsenal zu Beginn der Saison darüber zu urteilen, scheint mir aber - gelinde gesagt - etwas verfrüht. Achja: Vor ca einem Jahr, nach dem 5. Spieltag der letzten Saison war die Eintracht 15.
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