Europa League Sevilla gewinnt dramatisches Finale gegen Benfica

Sieben Europapokal-Endspiele in Folge hat Benfica Lissabon verloren - nun ist Nummer acht dazugekommen. Die Portugiesen unterlagen im Finale der Europa League dem FC Sevilla nach Elfmeterschießen. Zum Helden des Spiels wurde der Torwart der Spanier.

AFP

Hamburg - Der FC Sevilla hat die Europa League gewonnen. Im Finale in Turin setzten sich die Spanier gegen Benfica Lissabon 4:2 im Elfmeterschießen durch. Kevin Gameiro erzielte den entscheidenden Treffer, mit dem der seit 52 Jahren währende Benfica-Fluch bestehen bleibt. Denn nachdem Lissabons Trainerlegende Belá Guttmann bei seinem Abschied im Streit 1962 prophezeit hatte, der Club werde 100 Jahre lang keinen europäischen Titel mehr gewinnen, verlor Benfica seitdem nun insgesamt acht Europapokal-Endspiele in Folge.

Dass dieser Fluch nicht bloß Folklore ist, bewies die Anfangsphase, in der Benfica zunächst abwartend, zeitweise sogar ängstlich agierte. Aber auch Sevilla schien Angst vor dem ersten großen Fehler zu haben. Im Zweifel wurde der Ball quergespielt, allzu viel riskierten die Mannschaften nicht. Die Folge: Keine Torchancen. Vielmehr waren es Zweikämpfe, die das Spiel prägten. Allein ein Schuss von Moreno sorgte ein wenig für Aufregung (37. Minute). Allerdings nicht, weil der Versuch gefährlich gewesen wäre - sondern weil überhaupt mal ein Ball auf das Tor von Benfica-Keeper Jan Oblak kam, der mit dem Schuss keine Probleme hatte.

Die Stimmung auf den Rängen des mit 39.000 Zuschauer ausverkauften Stadions in Turin war dennoch prächtig. Und als sich alle schon auf den Halbzeitpfiff eingestellt hatten, kam Benfica zu einer Doppelchance. Erst tauchte Maxi Pereira frei vor Beto auf, schoss jedoch Sevillas Torwart aus kurzer Distanz an. Wenige Sekunden später parierte der Keeper einen Schuss von Rodrigo. Und dann hatte Sevilla auch noch Glück, dass der deutsche Schiedsrichter Felix Brych nach einem Zweikampf zwischen Benficas Nicolas Gaitan und Fazio nicht auf Elfmeter für die Portugiesen entschied.

Drei große Benfica-Chancen nach der Halbzeit

Kurz nach dem Seitenwechsel hatte Benfica weitere Großchancen, dieses Mal sogar deren drei. Doch Limas Schuss klärte Nicolas Pareja kurz vor der Linie, anschließend vergaben Rodrigo und erneut Lima. Es war offenbar so etwas wie der endgültige Weckruf für Sevilla, denn plötzlich entdeckten auch die Spanier die Offensive für sich. Doch José Antonio Reyes verzog erst knapp (53.) und scheiterte dann an Oblak (55.). Die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit waren aufregender als der gesamte erste Durchgang.

Und so munter ging es weiter. Auch, weil beide Teams vor lauter Angriffsfreude die Defensivarbeit weitgehend ignorierten. Und so waren es vor allem Konter, die für Gefahr sorgten. Einen davon hätte Reyes beinahe erfolgreich abgeschlossen, doch wieder war Oblak zur Stelle (61.). Nun war Sevilla plötzlich das bessere Team, Benfica kam kaum einmal aus der eigenen Hälfte heraus. Bei einem der wenigen Lissaboner Vorstöße klärte Pareja in höchster Not vor Lima (74.), der zehn Minuten später die beste Chance der Schlussphase hatte. Doch seinen Distanzschuss lenkte Beto über die Latte.

Es gab Verlängerung - und in der dominierte Benfica. Klare Torchancen erspielten sich die Portugiesen aber nicht. Die beste Möglichkeit hatte Sevilla nach einem Konter, doch Carlos Bacca verzog knapp (102.). In der zweiten Halbzeit der Verlängerung traf Sevillas Gameiro nur das Außennetz (110.). Der Franzose war kurz zuvor für den früheren Gladbacher und Bremer Marko Marin gekommen - der selbst erst in der 78. Minute eingewechselt worden war. Ex-HSV-Profi Piotr Trochowski kam bei den Spaniern nicht zum Einsatz.

Beide Teams riskierten am Ende nicht mehr viel, es kam zum Elfmeterschießen - mit dem besseren Ende für Sevilla. Weil Beto zwei Schüsse parierte und alle Schützen der Spanier sicher trafen. "Ich bin sehr stolz, Teil dieses Teams zu sein", sagte Keeper Beto. Für den Club ist es der dritte Sieg in der Europa League/Uefa-Cup nach den Triumphen 2006 und 2007.

FC Sevilla - Benfica Lissabon 4:2 i.E. (0:0, 0:0)
Elfmeterschießen:
0:1 Lima
1:1 Bacca
Cardozo scheitert an Beto
2:1 Mbia
Rodrigo scheitert an Beto
3:1 Coke
3:2 Luisão
4:2 Gameiro
Sevilla: Beto - Coke, Pareja, Fazio, Moreno - Mbia, Daniel Carriço - Reyes (78. Marin - 104. Gameiro), Rakitic, Vitolo (110. Figueiras) - Bacca
Lissabon: Oblak - Maxi Pereira, Luisão, Garay, Siqueira (99. Cardozo) - Ruben Amorim, André Gomes, Gaitán (119. Cavaleiro) - Sulejmani (25. André Almeida), Lima, Rodrigo
Schiedsrichter: Brych (Deutschland)
Zuschauer: 33.120
Gelbe Karten: Coke, Fazio, Moreno / André Almeida, Siqueira

ham



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Seite 1
alfistone 14.05.2014
1. Der Schiedsrichter...
... hat das Finale mitentschieden und Benfica klar benachteiligt. Benfica hätte mindestens zwei Elfmeter schon während des Spiels bekommen müssen und der Beto war bei Cardozos Elfmeter regelwidrig mindestens zwei Meter vor der Linie. Aber natürlich muss man einfach seine Chancen nutzen.
alfistone 14.05.2014
2. Der Schiedsrichter...
... hat das Finale mitentschieden und Benfica klar benachteiligt. Benfica hätte mindestens zwei Elfmeter schon während des Spiels bekommen müssen und der Beto war bei Cardozos Elfmeter regelwidrig mindestens zwei Meter vor der Linie. Aber natürlich muss man einfach seine Chancen nutzen.
Freidenker10 14.05.2014
3. optional
Spannendes Spiel! Spielerisch kein Leckerbissen aber ein guter Kampf! Ist mir lieber als dieser sterile Tikitaka-Ballett-Mist! Und wann hat man bei Fussballspielern zuletzt mal Wadenkrämpfe gesehen? Sicheres Zeichen für ein Laufstarkes und Kampfbetontes Spiel! Hat Spass gemacht! Und Quälix hat seinem Namen als Co-Moderator auch wieder alle Ehre gemacht... Wie kam Kabel1 nur auf diese Idee?
SirWolfALot 15.05.2014
4.
Schade, dass nicht gesagt wird, das Marin ein und wieder ausgewechselt wurde. Würde mich interessieren warum?
lariusz 15.05.2014
5. Herr Brych
Eigentlich bin ich der Meinung, dass auch der spanische Torwart beim Elfmeter auf der Linie stehen muss und nicht drei Meter davor - womit er sich, zumindest beim ersten Gehaltenen, einen entscheidenden Vorteil verschafft hat.
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