Sevilla-Star Éver Banega Fußballgott mit Aussetzern

Éver Banega ist ein Kumpel von Superstar Lionel Messi - und ebenfalls ein exzellenter Kicker. Wilde Eskapaden warfen ihn immer wieder zurück. Jetzt kämpft er bei Gladbachs Europa-League-Gegner Sevilla um seine letzte Chance.

AFP

Éver Banega kann traumhaften Fußball spielen. Zauberpässe, Dribblings, selbst für Abwehrarbeit ist sich der Argentinier nicht zu schade. Das will der 26-Jährige auch gegen Borussia Mönchengladbach in der Europa League zeigen (21.05 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE). Statistisch gesehen gehört er zu den besten Mittelfeldakteuren der Welt.

Über 80 Prozent seiner Pässe finden den Mitspieler. Banega kreiert pro Partie durchschnittlich eine Großchance. In der Saison 2011/2012 hatten seine Defensivaktionen eine Erfolgsquote von 69 Prozent. Im Vergleich: Barcelonas Sergio Busquets kommt auf 72 Prozent.

Doch Banega ist ein schlampiges Genie, hat es noch nicht zu einem von Europas Top-Klubs geschafft. Dabei kann er im Zentrum alle Positionen spielen: als Sechser, etwas höher auf der Acht, oder auf der Zehn als klassischer Spielmacher. Selbst Bayern-Trainer Josep Guardiola schwärmte vor einem Match gegen den FC Valencia von ihm: "Banega ist ein fantastischer Spieler, du musst ihm den Platz nehmen, damit er ineffektiv bleibt."

In Deutschland kennen den Mittelfeldspieler trotz seiner Klasse aber nur Experten.

Wer ist Banega?

Der Argentinier ging früh nach Europa. 2007 gewann er mit Argentiniens U20 die Weltmeisterschaft. Mit dabei waren Sergio Agüero und Ángel Di María - beide sind heute Superstars in England, verdienen zweistellige Millionenbeträge. Agüero wurde bei dem Turnier damals zum besten Spieler gewählt, in Erinnerung blieb aber vor allem ein Tor aus dem Finale damals, das Banega einzigartig eingeleitet hatte:

Im Mittelfeld umdribbelte er zunächst einen Gegenspieler, gewann dann einen Zweikampf, um anschließend einen gefühlvollen Pass über die Abwehr in den Lauf von Di María zu schlagen. Der heutige Manchester-Star vollendete in den Winkel. Es war ein perfektes Tor, dazu gegen den Nachbar Chile.

Banega war danach ein gefragter Spieler, wechselte mit 19 Jahren für 18 Millionen Euro im Winter zum FC Valencia und sollte die Nachfolge des geschassten Publikumslieblings und Eigengewächses David Albelda antreten.

Er war der Wunschspieler von Neu-Trainer Ronald Koeman, musste aber nach nur einer Halbserie gemeinsam mit dem niederländischen Trainer wieder gehen. Die Champions-League-Qualifikation wurde verpasst, Banega an Konkurrent Atlético Madrid ausgeliehen. Erst nach seiner Rückkehr erkämpfte er sich einen Stammplatz bei den "Fledermäusen", konnte aber nur in wenigen Partien sein Ausnahmekönnen zeigen.

Probleme mit Autos und Alkohol

Der Mittelfeldspieler scheiterte an den hohen Erwartungen in Valencia, das an alte Zeiten mit zwei Champions-League-Finalen 2000 und 2001 anknüpfen wollte, und an sich selbst. Einmal kam er zu spät und angetrunken zum Training. 2012 fiel Banega zunächst lange verletzt aus, weil ihm sein eigener Wagen über den Fuß rollte. Der Knöchel war zetrümmert, dazu noch das Schien- und Wadenbein gebrochen: sechs Monate Pause. Anschließend brannte sein Ferrari aus ungeklärten Gründen komplett aus. Banega blieb unverletzt, löste aber einen Waldbrand aus. Angeblich stellte ihm Valencia daraufhin einen Bodyguard zur Seite.

Das brachte Banega aber sportlich nicht voran, im Gegenteil: Valencia sortierte den Argentinier im vergangenen Jahr erneut aus, verlieh ihn in die argentinische Heimat zu den Newell's Old Boys. Den Klub, den Banega als Kind anfeuerte, und den er nun ins Halbfinale der Copa Libertadores führte.

Der 26-Jährige machte sich Hoffnungen auf die WM im Nachbarland Brasilien, wurde aber im Trainingslager vor dem Turnier von Trainer Alejandro Sabella noch aus dem Kader geworfen. Sein Zimmernachbar und bester Freund Lionel Messi war verwundert, als Banega abreisen musste. Das gleiche Schicksal hatte ihn schon bei der Weltmeisterschaft in Südafrika vier Jahre zuvor ereilt.

Nächste und letzte Chance FC Sevilla

Nun ist Banega zurück in Spanien. Transfers nach England und auch zum BVB scheiterten angeblich wegen seines exzentrischen Lebensstils. Der ehemalige Valencia-Trainer Unai Emery lotste ihn zum FC Sevilla.

Banega soll die Nachfolge von Ivan Rakitic antreten, der den andalusischen Klub vergangene Saison zum Europa-League-Titel schoss und mittlerweile beim FC Barcelona spielt.

Es sind wieder hohe Erwartungen, die in ihn gesteckt werden. Es ist wohl auch seine letzte Chance auf den internationalen Durchbruch. Der Argentinier will endlich sein volles Potenzial abrufen und sagt selbstbewusst: "Wir wollen ins Finale."

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