Europa-League-Finale Porto holt den Pott

Im rein portugiesischen Finale der Europa League siegte der FC Porto gegen Außenseiter Sporting Braga. Torschützenkönig Falcao zeigte, dass er zu Recht als einer der besten Stürmer Europas gilt - er blieb aber der einzige Lichtblick an diesem Abend.

Getty Images

Von Jan Reschke


Hamburg - Das goldene Lametta rieselte reichlich. Die Musik dröhnte aus den Boxen und beschallte das Stadion in Dublin. Auf dem Platz präsentierten die Spieler des FC Porto jubelnd den Siegerpokal der Europa League. Immer wieder reckten sie die Trophäe den mitgereisten Fans entgegen. Viele der Profis hatten sich die Fahnen ihres Heimatlandes um das Trikot gelegt. Stürmer Falcao, Siegtorschütze beim 1:0 (1:0) gegen Sporting Braga, hatte die kolumbianische Flagge umgebunden.

Das Finale vor 45.391 Zuschauern war hingegen zum ersten Mal überhaupt in einem internationalen Wettbewerb eine rein portugiesische Angelegenheit. Porto und Braga liegen gerade einmal rund 50 Kilometer auseinander. Wie groß der Unterschied zwischen beiden Teams dennoch ist, zeigte sich zuletzt in der nationalen Meisterschaft. Dort hatte der FC Porto seinen 25. Titel gefeiert. Sporting Braga, immerhin Vierter, hatte satte 38 Punkte Rückstand. Schon Bragas Sieg im Halbfinale gegen Benfica Lissabon war eine große Überraschung. Die Rollen waren also klar verteilt: David Braga gegen Goliath Porto.

Zumindest in der vierten Minute war davon noch nichts zu sehen. Bragas Custodio kam an der Strafraumgrenze frei zum Schuss, doch der Ball landete knapp neben dem Tor. Porto hatte fortan deutlich mehr Spielanteile und ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen. Die erste gute Gelegenheit bot sich Stürmer Hulk, der den Ball aber nicht im Tor unterbringen konnte (7. Minute).

Porto bestimmte weiterhin das Geschehen, ohne sonderlich viel Gefahr zu entwickeln. Braga zog sich weit in die eigene Hälfte zurück und lauerte auf schnelle Gegenangriffe. Das Resultat: große Langeweile. Portos Passversuche in die Spitze liefen meist ins Leere, bei Braga kam es meist erst gar nicht so weit.

Die ersten Fans hatten sich bereits zu den Getränkeständen aufgemacht

In der 28. Minute ertönten erste Pfiffe, als Portos Hulk den Ball nach einem Freistoß mehrere Meter über das Tor drosch. Zwei Minuten später hatte Bragas Silvio Glück, dass er nur die Gelbe Karte sah. Sein Foul an Hulk hätte durchaus härter bestraft werden können. Es blieb einer der wenigen Aufreger in der ersten Häfte.

Auf dem Feld passierte nämlich: nichts. In der 36. Minute vertrieb sich der deutsche TV-Kommentator bereits die Zeit damit, auf bessere Zeiten zu hoffen und wies schon mal auf kommende "Fußball-Highlights" hin: Champions-League-Finale, DFB-Pokal-Endspiel, Bundesliga-Relegation. Er hatte die Hoffnung auf Besserung im Spiel anscheinend schon aufgegeben. Bald darauf hatten sich die ersten Zuschauer bereits zu den Getränkeständen aufgemacht.

Die Verbliebenen schreckten in der 44. Minute auf. Eine Flanke von Freddy Guarin landete bei Falcao, der per Kopf zur 1:0-Führung traf. Kurze Zeit später konnte dann auch der Rest der Zuschauer zu den Versorgungsständen, es war Halbzeit.

"Wir haben von diesem Titel geträumt"

In der zweiten Hälfte kam etwas mehr Tempo in die Partie, Braga suchte verstärkt die Offensive. Doch Chancen konnte sich die Mannschaft von Trainer José Paciencia Oliveira Domingos zunächst nicht erspielen. Die aussichtsreichste Szene war noch ein Ausflug von Porto-Keeper Elton, der vor seinem Strafraum ein Dribbling wagte. Ohne Folgen.

Braga erhöhte den Druck, wurde aber nur bei Standardsituationen gefährlich. Porto investierte viel zu wenig in das Spiel nach vorne und kam überhaupt nicht mehr gefährlich vor das Tor. In der 76. Minute übersah Bragas Albert Meyong seinen besser postierten Mitspieler Silvio. Das hätte der Ausgleich sein können.

Porto war nur noch bemüht, das Ergebnis irgendwie zu halten. In die gegnerische Hälfte wagte sich das Team kaum noch. Und hatte Glück, dass Braga in der Nachspielzeit durch Meyong nicht noch der Ausgleich gelang.

"Wir haben von diesem Titel geträumt und nun ist der Traum wahr geworden. Ich freue mich über meinen Torrekord, aber das spielt heute nur eine Nebenrolle, wichtig ist der Titel. Das Erfolgsrezept dieser Mannschaft ist die Einheit", sagte Matchwinner und Europa-League-Torschützenkönig Falcao nach seinem 17. Treffer im 14. Spiel.

Im nationalen Pokal-Endspiel am Wochenende gegen Vitoria Guimaraes kann der FC Porto nun sogar das Triple perfekt machen. Dessen Trainer André Villas-Boas, ehemals Co-Trainer von José Mourinho, ist nun mit 33 Jahren der jüngste Coach mit einem europäischen Titel.

FC Porto - Sporting Braga 1:0 (1:0)
1:0 Falcao (44.)

Porto: Helton - Sapunaru, Rolando, Otamendi, Alvaro Pereira - Fernando - Guarin (73. Belluschi), Joao Moutinho - Hulk, Falcao, Varela (79. James Rodriguez)
Braga: Artur - Miguel Garcia, Paulao, Alberto Rodriguez (46. Kaka), Silvio - Custodio, Vandinho - Hugo Viana (46. Mossoro) - Alan, Lima (66. Meyong), Paulo Cesar
Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
Zuschauer: 45.391
Gelbe Karten: Sapunaru (3), Helton (2), Rolando - Hugo Viana (2), Silvio (2), Miguel Garcia (3), Mossoro, Kaka (4)

Mit Material von dpa

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Seite 1
haltetdendieb 18.05.2011
1. Nun ja, so schlecht war das Spiel auch nicht......
Porto hatte eine Chance und die haben sie reingesemmelt. Braga hatte zwei Chancen und die haben sie versemmelt. So ist Fußball eben. Ein gutes, aber für nicht beteiligte Zuschauer wenig spannendes Spiel. Wäre ich Port oder Braga Fan sähe es wahrscheinlich anders aus. Aber die Stimmung, die die Fans von Anfang an aufgemacht haben, war schon enorm. Morgen können Mönchengladbach und Bochum nachlegen.
w00sh, 19.05.2011
2. Es war...
kein gutes Spiel, aber Porto hat den Pott verdient gewonnen. Da wurde eine gute Truppe zusammengestellt, die nächstes Jahr in der Champions League was reißen kann wenn sie nicht wieder ihre besten Spieler abgeben müssen. Außerdem gönne ich es den Portugiesen, weil sie zurzeit genug durchmachen müssen.
SmarterAlsDu 19.05.2011
3. letiT
Zitat von sysopIm rein portugiesischen Finale der Europa League siegte der FC Porto gegen Außenseiter Sporting Braga.*Stürmer Falcao zeigte, dass er zurecht als einer der besten Stürmer Europas gilt - blieb*aber der einzige Lichtblick an diesem Abend. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,763466,00.html
Ich kann jetzt verstehen, warum Ribery und Robben absolut keine Lust auf Europa-League haben, denn dieses Spiel war extrem langweilig und sicherlich keine gute Werbung für den Fussball.
derlabbecker 19.05.2011
4. boah...
... war das ein Grottenkick. Da ist ja jedes mittelmässige BL Spiel besser.
albertocaeiro 19.05.2011
5. labbecker
Klar, vor allem die mittelmäßigen BL-Spiele, in denen es um den Gewinn eines Europapokals geht. Diese Vergleiche sind einfach köstlich... War nicht das große Spiel, aber das hätte sich jeder denken können, der Braga bisher hat spielen sehen. Durch sichere Defensive sind die ins Finale gekommen, viel mehr gab es auch vor dem Finale nicht. Porto war teilweise zu nervös, die hätten den Sack zumachen müssen. Oder aber Braga das Ding zu Beginn der 2. Hälfte machen, dann wäre da mehr Tempo reingekommen. Insgesamt kann man aber sagen, dass Porto einfach in die Champions League gehört. Punkt.
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