Mainz' Europapokal-Aus Ein Problem weniger

Vor dem Rückspiel gegen Asteras Tripolis war Kasper Hjulmand begeistert von seinem Team - danach sagte der neue Mainzer Trainer, er sei "ein bisschen schockiert". Doch das bittere Aus in der Qualifikation zur Europa League hat auch Vorteile.

Mainz-Trainer Hjulmand: "Ich bin ein bisschen schockiert"
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Mainz-Trainer Hjulmand: "Ich bin ein bisschen schockiert"

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Hamburg - Kasper Hjulmand ist eigentlich als Optimist bekannt. Selbst aus schlechten Spielen und hohen Niederlagen kann der Däne oft noch Positives ziehen. Doch nach dem 1:3 bei Asteras Tripolis und dem Aus in der Qualifikation zur Europa League war der neue Trainer von Mainz 05 bedient. "Ich bin sehr enttäuscht und auch ein bisschen schockiert", sagte Hjulmand.

Nach einem 1:0-Sieg im Hinspiel hätte dem Bundesligisten eine 1:2-Niederlage zum Weiterkommen gereicht. Aber selbst das gelang nicht gegen den - zugegeben mutig spielenden - griechischen Außenseiter. "In den letzten 20 Minuten haben wir völlig die Kontrolle verloren, waren zu nervös, haben schlecht verteidigt und schlechte Pässe nach vorne gespielt", lautete die Schnellanalyse des Trainers, der die Leistung in der ersten Halbzeit noch als "okay" bezeichnete.

Da war Asteras Tripolis durch ein "Glückstor" (Hjulmand), eine verunglückte Flanke, die im langen Eck landete, in Führung gegangen (30. Minute). Dennoch zeigte Mainz auch danach gute Kombinationen, etwa vor dem Ausgleich durch Ja-Cheol Koo (39.).

Das Aus kann auch ein Vorteil sein

Die Spieler selbst sprachen von einer "deutlich besseren" (Julian Baumgartlinger) Leistung als im Hinspiel, als die Griechen mehr Chancen hatten. Diesmal kam Mainz zu vielen Gelegenheiten, traf dann aber oft die falschen Entscheidungen.

"Vielleicht sind wir noch nicht so weit, wie wir gedacht haben", sagte Baumgartlinger. "Wir" schließt den Trainer mit ein, der noch vor dem Spiel von der guten Vorbereitung geschwärmt hatte: "Wir haben uns optimal vorbereiten können, die Woche war bislang sehr gut - so gut, dass es schade ist, dass wir einige Spieler zu Hause lassen mussten, denn alle waren hochmotiviert und haben richtig gut trainiert."

Das erneute Aus in der Qualifikation zur Europa League, wie schon 2011 gegen den rumänischen Club Gaz Metan Media, ist eine bittere Enttäuschung, ein Rückschlag. Aber es kann auch auf längere Sicht gesehen ein Vorteil sein, denn das Problem der Doppelbelastung ist damit unfreiwillig vermieden worden.

Ähnlich wie der SC Freiburg steht Mainz 05 Saison für Saison vor der Aufgabe, den Abgang der besten Spieler - und in dieser Saison auch den des Trainers Thomas Tuchel - auffangen zu müssen. In diesem Sommer waren das Außenverteidiger Zdenek Pospech, der aus familiären Gründen in seine tschechische Heimat zurückkehrte, der zu Schalke gewechselte Maxim Choupo-Moting und zuletzt Nicolai Müller, der künftig für den HSV spielt. Drei Spieler, die außer den Spitzenklubs kein Verein ohne Weiteres ersetzen könnte.

Nun geht es im DFB-Pokal gegen Chemnitz

Freiburg wird dafür bewundert, wie es fast jedes Jahr trotz wichtiger Abgänge die Klasse hält. Doch in der vergangenen Saison stand der Klub im Winter im Tabellenkeller. Eine furiose Spielzeit 2012/2013 hatte das Team von Christian Streich eine Teilnahme an der Europa League beschert. Die Doppelbelastung zehrte an den Kräften. "Wir haben in der Europa League viel gelernt aber auch viel Lehrgeld gezahlt", hatte Streich damals nach dem Aus in der EL-Gruppenphase Mitte Dezember 2013 gesagt.

Er denke nicht, dass der Europapokal ein Fluch gewesen sei, so Streich, aber nun habe sein Team die Möglichkeit, in der Liga "90 Minuten voll marschieren" zu können. So kam es: Zu den 14 Punkten aus der Hinrunde kamen 22 Punkte in der Rückrunde hinzu, der Klassenerhalt gelang.

So enttäuscht die Spieler und vor allem die Fans nach der Niederlage auf der Peloponnes waren: Wenn sich die Trauer gelegt hat, könnte die Erleichterung überwiegen, eine wahrscheinlich ohnehin nicht ganz einfache Saison mit einem neuen Kader und einem neuen Trainer nicht auch noch durch Reisestrapazen in Europa zusätzlich erschweren zu müssen.

Asteras Tripolis - Mainz 05 3:1 (1:1)
1:0 de Blasis (30.)
1:1 Koo (39.)
2:1 Mazza (68.)
3:1 Mazza (86.)
Tripolis: Theodoropoulos - Lluy, Goian, Zisopoulos, Panteliadis (83. Sankare) - Munafo (58. Bakasetas), Kourbelis - Badibanga (29. Usero), Rolle, Mazza - De Blasis
Mainz: Karius - Brosinski, Bell, Noveski, Park (74. Junior Diaz) - Baumgartlinger, Geis - Moritz, Malli (85. Soto), Koo (69. Jara) - Okazaki
Schiedsrichter: Gumienny (Belgien)
Zuschauer: 5.000
Gelbe Karten: Panteliadis, Mazza, Lluy - Baumgartilinger, Noveski, Moritz



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Foul Breitner 08.08.2014
1. Wirklich sehr
Zitat von sysopDPAVor dem Rückspiel gegen Asteras Tripolis war Kasper Hjulmand begeistert von seinem Team - danach sagte der neue Mainzer Trainer, er sei "ein bisschen schockiert". Doch das bittere Aus in der Qualifikation zur Europa League hat auch Vorteile. http://www.spiegel.de/sport/fussball/europa-league-mainzer-aus-koennte-vorteil-fuer-klub-sein-a-985101.html
schade für Mainz - war aber auch ein schlechtes Spiel
literatenonkel 08.08.2014
2. Euro League ist Schandfleck für deutschen Fussball
Nach den Erfolgen der A-Nationalmannschaft und in der Champions League ist und bleibt die Euro League der Schandfleck, das große Problemkind im deutschen Fussball. Sie spiegelt das starke Leistungsgefälle in der Bundesliga wieder. Die Bundesliga ist keineswegs eine Topliga und wird - ganzheitlich betrachtet - maßlos überschätzt.
DerUnvorstellbare 08.08.2014
3.
Oh mein Gott, absurder geht es ja wohl nicht. Sie haben sich blamiert, haben die Bundsliga blamiert, aber sofort versuchen das Gute darin zu sehen. So dämlich. Solche Mannschaften sollten den Platz einer anderen Mannschaft übergeben, wenn sie keien Lust darauf haben. Andere wollen da nämlich spielen. Und für die 5-jahres-wertung ist das auch ganz mies. Mit solchen Dummheiten fällt man dann eben zurück und verliert einen Platz. Und dann beschweren sich ausgerechnet solche Loser-Mannschaften dass sie nicht genug Geld hätten für neue Spieler.
Boesor 08.08.2014
4.
Das Problem liegt sicher auch darin, dass gut funktionierende Mannschaften der Vorsaison aufgrund mangelnder Finanzkraft ihr Topspieler nicht halten können. Oder auch den Toptrainer.
astor131 08.08.2014
5. @literatenonkel
wenn es so wäre wie sie sagen, warum stehen wir dann in der 5-Jahreswertung so gut da? Die Schwäche und das Leistungsgefälle der Bindesliga spiegelt sich dort keinesfalls wieder, der Unterschied zu England ist nicht groß und Italien ist weit hinter uns. Die Punkte für die Wertung werden ja nicht nur von den Bayern geholt, sonst müssten wir ja deutlicher hinter den anderen Ligen stehen, die Ihrer Logik nach keine solchen Leistungsgefälle haben (was eindeutig nicht stimmt,siehe Barcelona und Madrid im Schnitt der letzten 5 Jahre).
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