Europa-League-Qualifikation Stuttgart zittert sich in die nächste Runde

Blamage gerade noch abgewendet: Dank eines glücklichen Unentschiedens im Rückspiel gegen Molde FK hat sich der VfB Stuttgart für die Playoff-Runde der Europa League qualifiziert. Dabei war der Bundesligist gegen die zweitklassigen Gäste aus Norwegen zwischenzeitlich schon ausgeschieden.

VfB-Torschütze Pogrebnyak (r.): Schwache Vorstellung gegen zweitklassige Gäste
dpa

VfB-Torschütze Pogrebnyak (r.): Schwache Vorstellung gegen zweitklassige Gäste


Hamburg - Was für eine schwache Vorstellung: Mit viel Glück kam der VfB Stuttgart im Drittrunden-Rückspiel der Europa-League-Qualifikation nach 0:2-Rückstand daheim noch zu einem 2:2 (0:1) gegen Molde FK und zitterte sich damit in die Playoffs. Das Hinspiel beim norwegischen Vizemeister hatte der Bundesligist ebenfalls glücklich 3:2 gewonnen.

Die international bestenfalls zweitklassigen Gäste hatten durch Tore von Emil Johannsson (41. Minute) und Knut Olav Rindarøy (49.) 2:0 geführt. Das hätte bereits nach zwei Spielen das Europapokal-Aus für den VfB bedeutet. Dann aber retteten Pawel Progrebnyak (54.) und Timo Gebhardt (90.+3) die maßlos enttäuschenden Stuttgarter.

"Das war heute nicht gut, aber es hat Gründe. Es ist uns nicht gelungen, den Rhythmus zu wechseln. Ich erwarte mehr. Vor allem auf Außen haben wir die falschen Lösungen gesucht. Toll war, dass wir moralisch und mental zurückgekommen sind", sagte Stuttgarts Trainer Christian Gross.

Vor 11.500 Zuschauern in der heimschen Arena ließ der VfB von Beginn an jegliche Aggressivität vermissen. So entwickelte sich ein schwaches Spiel, in dem sich die Gastgeber nur wenige Chancen erspielten. Auf der anderen Seite waren die sehr defensiv eingestellten Norweger mit Kontern stets gefährlich. Nachdem es Johansson nicht gelungen war, per Kopf ins leere Tor zu treffen (27.), machte es der Mittelfeldspieler kurz vor der Pause besser: Aus kurzer Distanz schoss er Molde in Führung.

VfB-Defensive ungeordnet, Torhüter Ulreich unsicher

Nur vier Minuten nach Wiederbeginn standen die Stuttgarter Fans endgültig unter Schock: Rindarøy traf aus 22 Metern unhaltbar für VfB-Torwart Sven Ulreich zum 0:2 ins lange Eck. Damit wären die Gastgeber draußen gewesen - und versuchten fortan wenigstens einen Hauch von Dominanz und spielerischer Überlegenheit zu demonstrieren. Pogrebnyak gelang nach Gebhart-Freistoß der wichtige Anschlusstreffer, der das Weiterkommen bedeutete.

Danach bestimmten die Stuttgarter weitgehend das Geschehen, mussten aber trotzdem noch die eine oder andere brenzlige Szene überstehen. Die Defensive des VfB war während des gesamten Spiels ungeordnet, insbesondere Torhüter Ulreich wirkte häufig unsicher. So ging das Zittern bis in die Nachspielzeit, schließlich hätte ein weiterer Treffer Moldes Stuttgarts Aus bedeutet. Aber Gebhardt erlöste seinen Club schließlich.

Um sich für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren, muss das Gross-Team nun noch die Playoffs am 19. und 26. August überstehen. Die Auslosung für diese Runde, die ebenfalls in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird und in der auch Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen ins Geschehen eingreifen, findet am Freitagmittag in Nyon statt.

Liverpool und Juventus sicher in den Playoffs

Neben dem VfB setzten sich auch die anderen namhaften Teams in der dritten Runde durch. Der FC Liverpool besiegte Rabotnicki Skopje durch Tore von David Ngog (22.) und Steven Gerrard (40., Elfmeter) 2:0. Mit demselben Ergebnis hatten die "Reds" auch das Hinspiel gewonnen. Alt-Star Alessandro del Piero (74.) schoss Italiens Rekordmeister Juventus Turin zu einem 1:0-Heimsieg über die Shamrock Rovers. Im Hinspiel in Irland hatte "Juve" 2:0 gesiegt.

Galatasaray Istanbul kam zu einem 5:1 (2:1)-Sieg bei OFK Belgrad. Das Hinspiel hatte 2:2 geendet. Mustafa Sarp (12.) und Harry Kewell (23.) brachten die Türken in Führung, Danilo Nikolic (24.) verkürzte für Belgrad. Wiederum Kewell per Elfmeter (57.), Arda Turan (71.) und Mehmet Batdal (80.) sorgten aber für einen deutlich Erfolg von "Gala", dessen Stadtrivale Besiktas ebenfalls ein ungefährdeter Sieg gelang. Nach dem 1:1 im Hinspiel bei Viktoria Pilsen gewann Istanbul daheim 3:0 (1:0). Ricardo Quaresma (39.), Matias Delgado (57.) und Filip Holosko (70.) erzielten die Treffer für Besiktas und schossen den Club in die Playoffs.

Degen-Wechsel offenbar perfekt, Ayew-Transfer geplatzt

In der nächsten Europa-League-Runde will Stuttgart dann mit neuem Personal antreten und dafür in Kürze seinen vierten Zugang präsentieren. Nach Christian Gentner (VfL Wolfsburg), Martin Harnik (Fortuna Düsseldorf) und Ersatztorwart Marc Ziegler (Borussia Dortmund) soll Philipp Degen vom FC Liverpool zu den Schwaben wechseln - und der Transfer ist offenbar perfekt. "Ich gehe davon aus, dass es klappt", sagte VfB-Sportdirektor Jochen Schneider vor dem Spiel gegen Molde. Der 27 Jahre alte Degen wird zunächst für ein Jahr von den "Reds" ausgeliehen. "Er ist sehr schnell und technisch sehr gut. Er wird seine Akzente setzen. Ich erhoffe mir von ihm auf der rechten Seite die Kreativität und Dynamik, die Cristiano Molinaro auf der linken Seite ausübt", sagte VfB-Coach Gross über den Spieler, den er einst beim FC Basel trainierte.

Zusätzlich zu Degen sollen noch zwei Außenspieler nach Stuttgart kommen - allerdings muss Gross Andrew Ayew von seiner Wunschliste streichen. Der 20-Jährige Ghanaer, mit dem sich der VfB nach eigenen Aussagen bereits einig war (Gross: "Wir wollen Andre und er will zu uns"), wird seinen Vertrag bei Olympique Marseille vorzeitig um drei Jahre bis 2014 verlängern. Das vermelden die Franzosen auf ihrer Homepage. "Diesen Kampf haben wir verloren. Aber wir haben Ersatz in der Hinterhand", sagte Sportdirektor Fredi Bobic im ZDF.

VfB Stuttgart - Molde FK 2:2 (0:1)
0:1 Johansson (41.)
0:2 Rindarøy (49.)
1:2 Pogrebnjak (54.)
2:2 Gebhart (90.+3)
VfB Stuttgart: Ulreich - Träsch, Niedermeier, Gentner, Molinaro - Rudy (71. Didavi), Funk (61. Boulahrouz), Kuzmanovic, Gebhart - Marica (85. Harnik), Pogrebnjak
Molde FK: Lillebakk - Simonsen, Andreasson, Forren, Rindarøy - Hestad - Moström (89. Skjølsvik), Thioune (79. Holm), Hoseth, Johansson (86. Diouf) - Fall
Schiedsrichter: Bergonzi (Italien)
Zuschauer: 11.500
Gelbe Karten: Kuzmanovic / -

ham/sid/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
derlabbecker 06.08.2010
1. boah,
was ein Grottenkick. Sie sollten übrigens nochmal auf dem Transfermarkt aktiv werden: Torhüter! Der irrte da im Strafraum rum wie einige der Leuchten bei der WM :-)
dongiovanni25 06.08.2010
2. Ulreich hat wohl keine starke Lobby, oder?
An die VfB-Fans hier, kann es sein, dass der, in meinen Augen gute, ja, starke, Keeper Ulreich keine Lobby unter den Journalisten hat...oder dass jede Leistung mit "unsicher" betitelt wird? Ich finde ihn gar nicht sooo unsicher. Er ist jung, ich finde, ein Keeper kann manchmal nur so glänzen wie seine Vorderleute. Früher, unter Hitzfeld, spielte die Borussia mit Klos, der war jung, bekam das Vertrauen, und die Vorderleute wussten, mann, wir müssen noch konzentrierter zur Sache gehen, falls der Junge mal patzt... und Klos patzte manchmal auch... Ulreich gehört die Zukunft!!
stefan strauch 06.08.2010
3. Ulreich
Ums genau zu sagen: Gestern waren für mich Ulreich, Funk und vor allem Träsch die Spieler, die das gezeigt haben, was man von ihnen erwarten konnte. Der Rest war schlecht bis übel. An den Toren konnte er wenig machen, eher noch am zweiten. Und der Rest hat er doch recht sicher pariert. Den ein oder anderen Wackler im Spiel hat jeder Torhüter, selbst Neuer, z.B. beim Gegentor und dem nicht gegebenen Tor im Englandspiel während der WM.
saul7 06.08.2010
4. ++
Zitat von sysopBlamage gerade noch abgewendet: Dank eines glücklichen Unentschiedens im Rückspiel gegen Molde FK hat sich der VfB Stuttgart für die Playoff-Runde der Europa League qualifiziert. Dabei war der Bundesligist gegen die zweitklassigen Gäste aus Norwegen zwischenzeitlich schon ausgeschieden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,710419,00.html
Eine schwache Leistung der Stuttgarter reichte fürs Weiterkommen. Blamabel....
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