Europa League Stuttgart scheitert an Benfica, Bayer kommt locker weiter
Hamburg - Der VfB Stuttgart ist nicht mehr in der vertreten. Im Rückspiel der Zwischenrunde verlor der Bundesligist 0:2 (0:1) gegen Benfica Lissabon und hat damit nach der 1:2-Hinspiel-Pleite das Achtelfinale verpasst. Dort ist Bayer Leverkusen der letzte deutsche Teilnehmer. Bayer setzte sich gegen Metalist Charkow 2:0 (0:0) durch.
Um gegen Lissabon noch die Wende zu schaffen, hatte Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia vor dem Spiel eine brisante Personalentscheidung getroffen. Marc Ziegler sollte den bisherigen Stammtorhüter Sven Ulreich ersetzen und der Defensive mehr Stabilität verleihen. Und die neue Nummer eins stand gleich im Mittelpunkt.
Nicolas Gaitan, mit dem VfB-Verteidiger Khlaid Boulahrouz auf der rechten Seite viele Probleme hatte, lupfte vom linken Strafraumeck auf den rechten Winkel. Mit Mühe lenkte Ziegler den Ball über die Latte. Der erst zweite Pflichtspieleinsatz des ehemaligen Dortmunders nach dem Gruppenspiel bei den Young Boys Bern (2:4) geriet arbeitsreicher als es dem 34-Jährigen lieb sein konnte.
Stuttgart, das in der Bundesliga zuletzt 2:4 bei Bayer Leverkusen verloren hatte, leistete sich in der ersten Hälfte viele Fehler im Spielaufbau. Ziegler musste in der 18. Minute in höchster Not gegen Fabio Coentrao klären, nachdem Matthieu Delpierre dem Portugiesen den Ball direkt in die Füße gespielt hatte. Die Stuttgarter Defensive, in der Georg Niedermeier den verletzten Serdar Tasci ersetzte, agierte unkonzentriert, die Offensive uninspiriert. Eine Volleyabnahme von Sven Schipplock, der für den angeschlagenen Cacau spielte, parierte Benfica-Keeper Roberto (17.).
Nur selten gelangte der VfB gefährlich vor das gegnerische Tor. Christian Träsch profitierte in der 22. Minute von einem Fehlpass der Portugiesen im Mittelfeld und bediente Martin Harnik. Der Stürmer traf aber nur das Außennetz (22.). In der 31. Minute zerstörte Benficas Eduardo Salvio Stuttgarts Hoffnungen auf das Achtelfinale. Nach einer Ecke köpfte Harnik den Ball direkt vor die Füße des portugiesischen Mittelfeldspielers. Dessen Schuss schlug in der linken unteren Ecke ein, Ziegler war machtlos. "In dieser Partie hat das Tor gefehlt. Da kann man so ein Spiel auch mal drehen", sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic.
Ziegler muss nach Zusammenprall ausgewechselt werden
Stuttgart fiel gegen die clever agierenden Portugiesen bis zur Pause nichts mehr ein. Selbst aussichtsreiche Standardsituationen wurden leichtfertig vergeben. Symptomatisch die Szene aus der 45. Minute, in der Tamas Hajnal bei einer Freistoß-Variante den Ball zu Zdravko Kuzmanovic schob. Der Serbe traf den Ball nicht richtig und jagte das Leder weit über das Tor.
Die zweite Hälfte begann für die etwa 26.000 Zuschauer mit einem Schock. Einen Schuss von Gaitan konnte Ziegler nicht festhalten. Bei dem Versuch, den Ball zu fassen, prallte der Torwart mit dem Mittelfeldakteur zusammen. Dessen Knie traf Ziegler mit voller Wucht am Kopf (52.). Für den Keeper war die Partie beendet, er wurde mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert. Ulreich kehrte ins Tor zurück. "Es ist verrückt, dass so etwas bei uns gerade vorkommt. Wir müssen jetzt aber nach vorne schauen", sagte Bobic.
Gegen den Schlussmann hätte Luisao nach einer Stunde für die Gäste erhöhen können. Aus vier Metern kam der Kapitän zum Abschluss, zielte aber viel zu hoch. Labbadia reagierte und wechselte: Timo Gebhart kam für Boulahrouz. Die Chance auf das nächste Tor hatte aber wieder Benfica: Einen Schuss von Oscar Cardozo aus zehn Metern parierte Ulreich glänzend (71.).
In der Folge hatte der VfB zwei gute Chancen, doch das Tor machte Lissabon: Nachdem Shinji Okazaki erst knapp am Tor vorbei schoss (73.) und dann an Roberto scheiterte (75.), versenkte Cardozo einen Freistoß unhaltbar im Stuttgarter Gehäuse. Vom Pfosten prallte der Ball hinter dem chancenlosen Ulreich ins Netz (78.). Zu allem Überfluss sah Kuzmanovic nach einem rüden Foul gegen Carlos Martins in der siebten Minute der Nachspielzeit die Rote Karte.
VfB Stuttgart - Benfica Lissabon 0:2 (0:1)
0:1 Salvio (31.)
0:2 Cardozo (78.)
Stuttgart: Ziegler (52. Ulreich) - Boulahrouz (61. Gebhart), Niedermeier, Delpierre, Molinaro - Träsch, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal (78. Elson), Okazaki - Schipplock Benfica: Roberto - Pereira, Luisao, Sidnei, Coentrao - Aimar (73. Martins), Airton - Salvio, Gaitan - Jara (90.+2 Alan Kardec), Cardozo (89. Menezes)
Schiedsrichter: Michael Dean (England)
Zuschauer: 25.800
Gelbe Karten: Delpierre (2), Okazaki, Gebhart (2), Molinaro - Sidnei, Martins
Rote Karte: Kuzmanovic (Stuttgart, 90.+7) wegen groben Foulspiels
Leverkusen kommt mühelos ins Achtelfinale
Michael Ballacks Einsatz von Beginn an war bei Bayers 2:0 (0:0)-Sieg über Metalist Charkow im Zwischenrunden-Rückspiel der der Höhepunkt einer weitgehend schwachen Partie. Den 4:0-Erfolg der Vorwoche verteidigte die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes mühelos und steht nun im Achtelfinale. Simon Rolfes (47. Minute) und Ballack (70.) trafen für den Gastgeber.
Durch Leverkusens Sieg hat die Bundesliga zudem den vierten Startplatz für die Champions League ab der Spielzeit 2012/13 sicher. In der Uefa-Fünfjahreswertung ist Deutschland nicht mehr vom entscheidenden dritten Platz zu verdrängen.
"Grundsätzlich haben wir das souverän gemacht und nichts anbrennen lassen gegen keine schlechte Mannschaft. Das ist schon ein Zeichen von Qualität", sagte Rolfes nach der Partie. Bayer hatte sich vor dem Anpfiff an die Gepflogenheiten im Fußballgeschäft gehalten. Trotz des Sieges im Hinspiel verkündete Torwart René Adler, wie stark der Gegner aus der Ukraine einzuschätzen sei. Doch das Rückspiel war gerade einmal fünf Minuten alt, da fehlte dieser Aussage jede Grundlage.
Rolfes kam nach einem Steilpass aus zwölf Metern frei vor Metalists Vladimir Disljenkovic zum Abschluss, scheiterte an Charkows Torhüter jedoch ebenso wie Lars Bender eine Minute später. Die Doppelchance zu Beginn zerstreute etwaige Sorgen der etwa 16.000 Leverkusener Fans, ihr Club könne Charkow unterschätzen. Doch die Ukrainer waren ohnehin zu schwach, um den Bundesligisten zu gefährden.
Rückkehrer Ballack hatte in der 17. Minute seine einzige starke Aktion in der ersten Hälfte. Der 34-Jährige bediente Gonzalo Castro, dessen Hereingabe Stefan Kießling aber verpasste. Leverkusen hatte zu diesem Zeitpunkt längst wieder das Tempo herausgenommen. Neben Ballack brachte Heynckes in Domagoj Vida, Manuel Friedrich, Lars Bender und Nicolai Jörgensen noch vier weitere Spieler von Beginn an, die beim Bundesligaspiel am vergangenen Sonntag gegen den VfB Stuttgart (4:2) nicht dabei waren.
Von den neuen Akteuren konnte vor der Pause aber nur Jörgensen auf sich aufmerksam machen. Der dänische Stürmer dribbelte von der linken Seite in die Mitte und zog von der Strafraumkante ab. Disljenkovic klärte zur Ecke (41.).
Ballack dreht auf und trifft
Eher unfreiwillig leitete Ballack in der zweiten Hälfte die Führung für Bayer ein. Sein abgeblockter Schuss fiel Renato Augusto vor die Füße, der Rolfes bediente. Aus halbrechter Position legte der Nationalspieler den Ball an Disljenkovic vorbei ins Netz: 1:0 für Leverkusen (47.). Während Charkow im Anschluss seine Offensive austauschte, wurde Ballack in seinem 94. Europacup-Spiel immer stärker. Seine Pässe auf Rolfes (52./59.) führten zwar nicht zu Chancen, waren aber der Auftakt für die beste Phase der Partie.
Nach einem Doppelpass Ballacks mit Vidal schlenzte Jörgensen den Ball aus 13 Metern über das Tor (63.). Sechs Minuten später setzte der eingewechselte Kevin Kampl den aufgerückten Verteidiger Vida ein, doch dessen Abschluss segelte weit am gegnerischen Tor vorbei. Charkow fing sich trotzdem den nächsten Gegentreffer. Bayers Europa-League-Debütant Danny da Costa passte von der Grundlinie zurück in den Fünfmeterraum und Ballack drosch den Ball unhaltbar unter die Latte (70.).
Fast hätte da Costa sogar selbst getroffen. Der 17-Jährige vergab aber die Möglichkeit auf seinen ersten Treffer bei den Profis: Erst parierte Disljenkovic, dann schoss Costa den Abpraller neben das Tor (82). Charkow war am Ende mit nur zwei Gegentoren gut bedient, Leverkusen konnte es sich leisten, in der 87. Minute eine weitere Großchance liegen zu lassen: Kampl schoss aus fünf Metern über das leere Tor.
Nach der Partie zeigte sich Heynckes zufrieden mit Ballacks Einsatz. "90 Minuten in diesem Wettbewerb bringen ihn weiter", sagte er. Ob Ballack künftig auch in der Liga von Anfang an ran darf, ließ er offen. "Wenn man heute gut spielt, ist das auch sehr gut für das Bremer Spiel", sagte der Coach mit Blick auf den Bundesliga-Auftritt bei Werder am Sonntag.
Am 10. März findet dann das Achtelfinale in der Europa League statt. Dort bekommt es Bayer mit einem anderen Kaliber als Charkow zu tun. Das Team trifft auf den FC Villarreal.
Bayer Leverkusen - Metalist Charkow 2:0 (0:0)
1:0 Rolfes (47.)
2:0 Ballack (70.)
Leverkusen: Adler - Vida, Schwaab, M. Friedrich, Castro - Ballack, Lars Bender (46. Vidal) - Renato Augusto (64. da Costa), Rolfes (64. Kampl), Jörgensen - Kießling
Charkow: Disljenkovic - Romanchuk, Obradovic, Gueye, Fininho - Cleiton Xavier (76. Vorobey), Shelayev - Blanco - Devic (58. Cristaldo), Taison (58. Valyayev)
Schiedsrichter: William Collum (Schottland)
Zuschauer: 16.212
Gelbe Karten: Jörgensen - Shelayev