Russische Hooligans Nur nicht die WM gefährden

Wenn russische Teams international antreten wie jetzt Zenit in Leipzig, ist mit gewaltbereiten Hooligans zu rechnen. Dass sie bei der WM negative Schlagzeilen machen, wird Staatschef Putin zu verhindern wissen.
Russische Anhänger bei der EM 2016

Russische Anhänger bei der EM 2016

Foto: Alex Livesey/ Getty Images

Pyrotechnik, aufeinander einschlagende Chaoten und ein Polizist, der während seines Einsatzes einem Herzinfarkt erlag. Es waren diese Bilder und Nachrichten, die vor zwei Wochen nicht nur das Europa-League-Spiel zwischen Athletic Bilbao und Spartak Moskau überschatteten, sondern erneut die Furcht vor der im Sommer in Russland stattfindenden Fußball-WM wachsen ließen. Und dies, obwohl in diesem Fall die Gewalt auch von den baskischen Anhängern ausging.

Am Donnerstagabend empfängt RB Leipzig in der Europa League mit Zenit St. Petersburg (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) jenen Verein, dessen Umfeld bei den heftigen Ausschreitungen während der EM 2016 eine Rolle gespielt haben soll. Damals machten russische Hooligans nicht nur im Hafenviertel von Marseille Jagd auf englische Fans, sondern stürmten direkt nach dem Abpfiff des EM-Gruppenspiels Russland gegen England auch deren Block im Stade Vélodrome.

Szenekundige Journalisten der Kreml-kritischen Zeitung "Novaja Gazeta" werteten in ihren Recherchen Bilder von Hooligans aus, die in sozialen Netzwerken mit von ihnen in Frankreich erbeuteten Trophäen prahlten. Unter den insgesamt 18 "Firms", wie Hooligan-Gruppen sich nennen, kamen mit "Veselje Rebjata", was auf Deutsch "Fröhliche Jungs" bedeutet, "Koalicija" sowie "Music Hall" drei Gruppen aus dem Umfeld von Zenit. Zudem war mit "The Aliens" eine weitere Gruppe aus Petersburg an den Ausschreitungen beteiligt, die jedoch eher zu den Sympathisanten des russischen Traditionsvereins Spartak Moskau gehört.

Randale bei der EM 2016 beim Spiel England gegen Russland

Randale bei der EM 2016 beim Spiel England gegen Russland

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Dass die WM in Russland ein "Festival der Gewalt" werden wird, wie ein russischer Hooligan in der im Februar 2017 von der BBC ausgestrahlten Doku "Russian Hooligan Army" ankündigte, ist jedoch zweifelhaft. Aus einem einfachen Grund: Das im Sommer stattfindende Turnier ist für den Kreml zu wichtig. Bei allen Problemen mit den Stadien oder nicht fertiggestellten Infrastrukturprojekten - von Hooligans wollen sich Putin und seine Entourage die WM am wenigsten kaputtmachen lassen.

Was dazu führte, dass der russische Staat zu dementsprechenden Maßnahmen griff.

Bereits im April vergangenen Jahres wurde rechtzeitig vor dem Confed Cup ein seit 2014 existierendes "Fangesetz" verschärft, das nicht nur Pyrotechnik, Trunkenheit, extremistische Propaganda oder die Beleidigung gegnerischer Fans durch Banner oder Sprechchöre verbietet. Es sieht für Wiederholungstäter auch eine Geldstrafe von 15.000 Rubel, rund 200 Euro, und ein Stadionverbot von bis zu sieben Jahren vor.

Stadionverbote und hohe Geldstrafen

Seit 2017 drohen für Verstöße nun 50.000 Rubel sowie Stadionverbote für Ersttäter, falls diese sich schwerwiegende Regelverstöße haben zukommen lassen. Zudem wurde sowohl für den Confed Cup als auch für die Weltmeisterschaft die sogenannte Fan-ID eingeführt, ein Identifikationsdokument für WM-Ticketinhaber.

Hooligan-Krawalle beim Spiel Atletic Bilbao gegen Spartak Moskau

Hooligan-Krawalle beim Spiel Atletic Bilbao gegen Spartak Moskau

Foto: ANDER GILLENEA/ AFP

Neben den Gesetzesregelungen sind es vor allem aber die Maßnahmen der russischen Sicherheitsbehörden, welche die Hooliganszene disziplinieren sollen. So mehrten sich in den vergangenen zwei Jahren Berichte über russische Hooligans, die Hausbesuche von uniformierten Beamten des Innenministeriums bekamen sowie Briefe und Anrufe von Sicherheitsbeamten erhielten. Nicht wenige von ihnen glauben auch, dass sie abgehört werden.

Die Botschaft ist klar: Wir haben euch unter Beobachtung und scheuen uns nicht, auch zuzuschlagen. Dass dies nicht nur leere Worte sind, bewies die russische Polizei bereits im Frühling 2016, als mehrere bekannte Moskauer Hooligans nach einem Kampf verhaftet und zu Hausarrest verurteilt wurden. Ein bis dahin nicht gekannter Fall.

Hooligans fühlen sich von der Politik schikaniert

Zum Symbol dieser Warnungen wurde Aleksander Schprygin. Im Herbst 2016 wurde der Chef des Allrussischen Verbands der Fußballfans (VOB), der als Drahtzieher der Ausschreitungen von Marseille gilt, während eines Kongresses des russischen Fußballverbandes RFS vor laufenden Kameras auf der Toilette festgenommen. Kurz darauf wurde Schprygin von unbekannten Tätern das Auto abgefackelt. Nicht wenige russische Experten vermuten hinter der Tat Sicherheitskreise.

Heute hat Schprygin, dessen VOB über Jahre mit dem RFS zusammengearbeitet hat und der selber gute Kontakte in die Politik verfügt, für die Spiele der WM ein Stadionverbot. So wie rund 400 weitere Hooligans.

Es sind Maßnahmen, die nicht nur gewaltbereite Anhänger treffen. In einschlägigen Fanportalen finden sich regelmäßig Berichte, in denen Fans und Ultras über Schikanen bei Auswärtsfahrten berichten, die von verwehrten Toilettengängen bis zu mutwilligen Verhaftungen reichen. Was nicht verwunderlich ist.

Während im Sommer 2016 einige russische Politiker die Hooligans noch lobten, versuchen sich heute einige in ihrer Härte zu überbieten. So wie Anatolij Artmanow. Als "asozial" schimpfte der Gouverneur der Oblast Kaluga die Fußballfans Mitte Januar in einem Interview, für die es seiner Meinung nur eine Lösung geben könne: "Wenn es nach mir ginge, würde ich diese ganzen Fanbewegungen verbieten."

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