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Leere Stadien in der Europa League: So trist!

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Europa League Wollt ihr das wirklich?

Viele Klubs träumen von der Europa League - warum eigentlich? Die Gegner sind selten namhaft, es gibt kaum Geld. Und kleinen Vereinen droht durch die Doppelbelastung oft der Bundesliga-Abstieg.

Peter Neururer tanzte vor Freude, und die Fans im Bochumer Ruhrstadion konnten ihr Glück kaum fassen: Der VfL hatte sich am letzten Spieltag der Saison 2003/2004 für den Uefa-Cup - den Vorgänger der Europa League - qualifiziert. Mit einem Punkt vor Borussia Dortmund und sechs Punkten vor Schalke. In Bochum träumten sie von neuen Machtverhältnissen.

Aber Neururer, der damalige Trainer des VfL, tanzte danach nie wieder so ausgelassen. Bochums Reise durch Europa endete nicht weit entfernt vom Ruhrpott gegen Standard Lüttich: Aus in Runde eins. In der Bundesliga stieg der VfL als 16. ab. Heute ist Bochum, lange Jahre die graue Maus der Bundesliga, nur noch Mittelmaß im Unterhaus.

Dass der Europapokaltraum mit dem Bundesligaabstieg zum Albtraum wurde, passierte nach Bochum auch dem 1. FC Nürnberg (2008) und Hertha BSC (2010). Ist die Europa League und die zusätzliche Belastung für kleinere Klubs eine Nummer zu groß? Sollten der SC Freiburg, Werder Bremen oder Köln, aktuelle Europapokal-Anwärter, besser Achter werden, um in Ruhe ihren Kader weiterentwickeln zu können? Dafür gibt es gute Argumente.

Seit Neururers Tanzeinlage 2004 gab es 16 von insgesamt 54 deutschen Europa-League-Teilnehmern, die eher kleinere Klubs waren. Im Vergleich zu Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen sind sie unerfahrener und haben weniger Mittel zur Verfügung. Dazu gehören neben dem VfL Bochum auch Mainz 05 (vier Teilnahmen), Hertha BSC (fünf), Eintracht Frankfurt (zwei), Nürnberg (eine), Hannover 96 (zwei), Freiburg (eine) und der FC Augsburg (eine). Alemannia Aachen fehlt als früherer Zweitligist (2004) in dieser Auflistung. Wir haben das Bundesliga-Abschneiden der acht betroffenen Klubs im Jahr der Doppelbelastung überprüft. Das ist die Übersicht:

Im Schnitt erreichten die Vereine während ihres Europapokaljahrs den elften Bundesliga-Platz und holten dabei 40,64 Punkte - für eine erneute Teilnahme am internationalen Wettbewerb ist das viel zu wenig. Stattdessen herrschte bei den meisten Klubs Abstiegskampf.

Es ist nicht verwunderlich, wenn Freiburgs Trainer Christian Streich vor dem letzten Spieltag sagt: "Europa war wunderbar, aber ich habe noch keinen gefunden, der mir garantieren kann, dass wir dann trotzdem den Klassenerhalt schaffen." Freiburg hatte während seiner Europatour 2013 nur 14 Punkte nach der Bundesliga-Hinrunde. Erst als der Klub in der Gruppenphase der Europa League ausgeschieden war, kam das Team ins Rollen: Mit 21 Punkten in der Rückrunde rettete sich Freiburg damals als 14. knapp vor dem Abstieg. Kein Einzelfall: In 9 von 16 Fällen standen die Teams zur Winterpause knapp vor oder auf einem Abstiegsrang.

Auch die sportliche Attraktivität der Europa League ist für Fans und Verein zumindest fraglich. Mainz erwischte mit FK Qäbälä aus Aserbaidschan, dem belgischen Vertreter RSC Anderlecht und dem Ligue-1-Klub AS Saint-Étienne sogar noch eine bessere Gruppe. Dennoch kamen zu den Heimspielen der Gruppenphase des FSV gerade einmal 18.150 Zuschauer im Schnitt, möglich wären 27.000 gewesen - das ist enttäuschend für alle Beteiligten. Die wenigen Top-Klubs warten meist erst in der Zwischenrunde, aber so weit kommen die kleineren Bundesliga-Klubs oft gar nicht.

Für 5 der 16 teilnehmenden Mannschaften war bereits in der Qualifikation Schluss, bzw. in Runde eins, die zur Saison 2009/2010 abgeschafft wurde. Die Hoffnung aufs Geld ist dann futsch. In der Europa League ist im Vergleich zur Champions League (garantiertes Antrittsgeld für die Gruppenphase 12,7 Millionen Euro) ohnehin nicht besonders viel zu verdienen: Ab der Gruppenphase haben die Klubs 2,6 Millionen Euro durch die Startprämie der Uefa sicher, danach gibt es nur noch leistungsbezogene Prämien. Das klingt nicht besonders lukrativ.

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Leere Stadien in der Europa League: So trist!

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Wollt ihr da mitmachen, ihr Freiburger? Dem Sportclub wird neben der Zusatzbelastung auch ein personeller Umbruch drohen. Auf die Qualität der Offensivspieler Maximilian Philipp, Vincenzo Grifo und Florian Niederlechner sind auch andere Vereine aufmerksam geworden. Solche Klubs, die in der kommenden Saison wieder vor Freiburg stehen wollen: Bayer Leverkusen, Schalke 04 oder Borussia Mönchengladbach.

Bremen oder Köln sind im Vergleich gefestigter. Werder allein schon wegen seiner jahrelangen internationalen Erfahrung. Und bis auf Florian Grillitsch (wechselt nach Hoffenheim) und wahrscheinlich Serge Gnabry wird Bremen seine Leistungsträger halten können. Beim FC hat sich das Team um Torwart Timo Horn oder Nationalspieler Jonas Hector seit dem Aufstieg 2014 Jahr für Jahr gesteigert: Nach den Endplatzierungen zwölf, neun und zuletzt sieben wäre die Europa League die Belohnung für kontinuierliche Entwicklung unter Trainer Peter Stöger und Manager Jörg Schmadtke.

Am Samstag (15.30 Uhr, alle Spiele im High-Liveticker von SPIEGEL ONLINE) entscheidet sich der Kampf um die Europa League. Es wird spannend, vor allem wie sich die Teilnehmer im kommenden Bundesliga-Jahr schlagen werden.

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