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18. März 2010, 21:03 Uhr

Europa League

Werder scheitert, HSV und Wolfsburg zittern sich ins Viertelfinale

Torfestival in der Europa League: In drei Achtelfinal-Rückspielen mit deutscher Beteiligung fielen insgesamt 18 Treffer. Dabei traf Werder Bremen gegen Valencia viermal - und schied dennoch aus. Der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg zitterten sich hingegen ins Viertelfinale.

Hamburg - Sie fieberten, sie bangten, sie hofften - und gingen am Ende enttäuscht nach Hause. 24.200 Zuschauer im Weserstadion sahen ein packendes, spannendes und teilweise dramatisches Spiel mit insgesamt acht Toren. Doch das 4:4 (1:3)-Unentschieden gegen den FC Valencia reichte nach dem 1:1 im Hinspiel für Bremen nicht. Werder schied wegen der weniger erzielten Auswärtstore aus. Grund war eine desaströse Abwehrleistung der Gastgeber.

"Wir müssen hinten gut stehen und keinen Treffer zulassen", hatte Werders Manager Klaus Allofs vor Spielbeginn noch gefordert. Doch nach nur 117 Sekunden war Bremens gute Ausgangslage nach dem Remis in Spanien schon dahin und die Werder-Taktik über den Haufen geworfen.

Eine unglückliche Kopfballabwehr von Werder-Abwehrspieler Naldo landete bei David Silva, der seinen Nationalmannschaftskollegen David Villa bediente. Valencias Kapitän markierte aus halblinker Position die Führung der Gäste. Anschließend hatten Aaron Hunt (8.) und Claudio Pizarro (10.) für Bremen gute Möglichkeiten zum Ausgleich - stattdessen fiel das Tor erneut auf der anderen Seite. Mata traf nach gutem Pass von Silva (15.).

Schon nach einer Viertelstunde mussten die Gastgeber alles auf eine Karte setzen, hatten durch Mesut Özil (19. und 23.), Hunt und den bereits in der 22. Minute eingewechselten Hugo Almeida (36.) weitere hochkarätige Chancen. Mehr als Almeidas Anschlusstreffer (26.) sprang jedoch nicht heraus, im Gegenteil: Kurz vor dem Halbzeitpfiff erhöhte erneut Villa auf 3:1 für Valencia. "Wir sind nebenher gelaufen, haben nicht attackiert. Da haben wir alle schlecht ausgesehen", kommentierte Bremens Trainer Thomas Schaaf die Gegentreffer in Halbzeit eins.

Allofs: "So kann man nicht verteidigen"

Werders Hintermannschaft offenbarte in den ersten 45 Minute große Lücken. Ohne Übersicht, behäbig und viel zu ängstlich traten Naldo, Per Mertesacker und Co. gegen die wirbelnden Spanier auf. "So kann man nicht verteidigen, das ist viel zu naiv", kritisierte Allofs in der Pause beim TV-Sender "Sky". "Ich weiß nicht, was in die Mannschaft gefahren ist". Allerdings präsentierte sich auch Valencias Hintermannschaft mehrmals nicht europacupreif.

Nach dem Seitenwechsel setzten beide Teams ihr Offensivspektakel fort - und die Bremer Fans schöpften wieder Hoffnung. Scheiterten Naldo (47.) und Almeida (49.) noch an Valencias Torhüter Cesar Sanchez, glich Werder anschließend durch Tore von Torsten Frings per Elfmeter (57.) und Marko Marin (62.) aus. Die Gastgeber hatten noch eine halbe Stunde Zeit, den entscheidenden Treffer zum Weiterkommen zu erzielen - doch das Tor fiel erneut auf der anderen Seite. Der überragende Villa, der an diesem Abend zu Werders Alptraum wurde, erzielte mit seinem dritten Tor das 4:3 für Valencia (66.).

Am Ende versuchte Werder alles, hatte weitere Möglichkeiten, doch mehr als der Ausgleich durch Pizarro (84.) gelang nicht mehr. Ein weiteres Wunder von der Weser blieb aus. "Wenn du vier Tore zu Hause schießt, dann müsste das eigentlich reichen. Wir haben die Gegentore zu leicht kassiert", sagte Bremens Routinier Frings.

"Das Ausscheiden war unnötig. Wir haben unsere zahlreichen Chancen einfach nicht genutzt und uns in der Defensive als Mannschaft schlecht angestellt", so Schaaf. Sein Gegenüber Unai Emery lobte die Bremer, betonte aber gleichzeitig: "Ich denke, der Bessere hat sich durchgesetzt."

HSV verliert, Wolfsburg gewinnt - beide kommen eine Runde weiter

Besser als Werder machte es der HSV, auch wenn die Hamburger beim RSC Anderlecht lange um den Viertelfinal-Einzug zittern mussten. Nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel unterlag der Bundesligist in Belgien 3:4 (1:2) und qualifizierte sich trotz der Niederlage und einer katastrophalen Defensivleistung für die nächste Runde.

Dabei hätte es für den HSV und seine Anhänger ein ruhiger Abend werden können. Nachdem Ruud van Nistelrooy (15.) und Mladen Petric (17.) noch gute Möglichkeiten vergaben, brachte Jérôme Boateng seinen Club in der 42. Minute in Führung. Der Nationalspieler traf mit einer herrlichen Bogenlampe aus 16 Metern.

Doch noch vor der Halbzeitpause drehte der belgische Rekordmeister die Partie und ging durch Tore von Romelu Lukaku (44.) und Matias Suarez, der einen von Boateng an ihm verursachten Foulelfmeter selbst verwandelte (45.+3), in Führung. Anderlecht fehlte damit nur ein Tor für die Verlängerung.

Traum vom Endspiel im eigenen Stadion geht weiter

Nach dem Wechsel erlebten die Hamburger das gleiche Wechselbad der Gefühle erneut. Zunächst sorgte Marcell Jansen für den Ausgleich (54.), doch Lucas Biglia (59.) und Mbark Boussoufa (66.) trafen zum 4:2 für die Gastgeber, die bei einem fünften Treffer ins Viertelfinale eingezogen wären. "Wir haben uns unnötigerweise die Butter vom Brot nehmen lassen", sagte Hamburgs Vorstandvorsitzender Bernd Hoffmann. Petric beruhigte mit seinem Treffer zum 3:4 (75.) schließlich die Nerven der Gäste, der HSV zog letztlich ins Viertelfinale ein.

"Es ist Wahnsinn. Ich bin froh, dass wir nicht ganz eingebrochen sind und uns gewehrt haben", sagte Jansen, der gemeinsam mit seinen Team-Kollegen und den HSV-Fans weiter vom Finale im eigenen Stadion träumen darf. Das Endspiel der Europa League findet am 12. Mai in der Arena in Hamburg statt.

Wolfsburgs Siegtreffer in der 119. Minute

Wie die Hamburger hat auch der VfL Wolfsburg das Viertelfinale erreicht, benötigte dafür aber die Verlängerung. Der Deutsche Meister besiegte dank des Treffers von Christian Gentner in der 119. Minute den russischen Titelträger Rubin Kasan 2:1 (1:1, 0:1) und feierte damit nach dem 1:1 im Hinspiel den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte.

Obafemi Martins hatte vor der enttäuschenden Kulisse von nur 15.412 Zuschauern in der 58. Minute den russischen Führungstreffer von Alan Kasajew (21.) ausgeglichen und somit den VfL in der Verlängerung geschossen, die allerdings gar nicht hätte angepfiffen werden müssen. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit hatte Edin Dzeko den Treffer zum 2:1 für Wolfsburg erzielt, Schiedsrichter Jonas Eriksson entschied aber fälschlicherweise auf Abseits. Ein Fehler, der am Ende jedoch nicht entscheidend war.

Nach dem 120-minütigen Kraftakt gegen am Ende zehn Russen (Cesar Navas sah in der 109. Minute die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels) verdiente sich der VfL den Einzug in die Runde der besten acht Teams dank einer kämpferisch überzeugenden Vorstellung.

"Die Mannschaft hat das klasse gemacht und die nötige Geduld gezeigt. Der Elf und dem Trainerteam gebührt ein großes Kompliment", sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß. Sein Wunsch mit Blick auf die am Freitag im schweizerischen Nyon stattfindende Auslosung: "Es wäre gut, wenn wir nicht Hamburg bekommen würden." Sieg-Torschütze Gentner dachte da schon zwei Runden weiter: "Am liebsten wäre mir Liverpool im Finale."

Juve scheitert am FC Fulham

In den übrigen Achtelfinal-Rückspielen gab es die größte Überraschung in London, wo Juventus Turin am FC Fulham scheiterte. Nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel unterlag der italienische Rekordmeister beim englischen Premier-League-Club 1:4 (1:2) und verpasste den Einzug in die Runde der letzten acht Teams.

Dabei gelang Juventus mit den ehemaligen Bundesliga-Profis Diego und Hasan Salihamidzic in der Startformation ein guter Auftakt. Schon in der 2. Minute erzielte Kapitän David Trezeguet die Führung. Die Gastgeber glichen aber bereits sieben Minuten später durch Bobby Zamora (9.) aus. Danach kam es für die Italiener ganz dick: Erst sah Abwehrchef Fabio Cannavaro die Rote Karte (27.), dann traf Zoltan Gera (39.) für die Gastgeber zum 2:1-Pausenstand.

Kurz nach dem Wiederanpfiff schlug Gera zum zweiten Mal zu. Nach einem Handspiel von Diego verwandelte der Ungar den fälligen Strafstoß zum 3:1 (49.) und egalisierte das Ergebnis aus dem Hinspiel. Für den entscheidenden Treffer sorgte der eingewechselte Clint Dempsey (87.) von der Strafraumgrenze, mit dem er Fulham ins Viertelfinale und Turin aus dem Wettbewerb schoss.

Liverpool siegt souverän

Im Gegensatz zu Turin hat sich ein anderer Traditionsclub souverän für die nächste Runde qualifiziert. Der FC Liverpool bezwang daheim an der Anfield Road OSC Lille 3:0 (1:0) und revanchierte sich damit für die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel. Für die "Reds" trafen Steven Gerrard (9., Elfmeter) und zweimal Fernando Torres (49. und 89.).

Ebenfalls im Viertelfinale steht Benfica Lissabon nach einem 2:1-Auswärtssieg bei Olympique Marseille. Das Hinspiel endete 1:1. Standard Lüttich sicherte sich nach dem 3:1-Hinspielsieg bei Panathinaikos Athen das Weiterkommen durch ein 1:0 im Rückspiel vor eigenem Publikum. Atletico Madrid reichte nach dem 0:0 im Hinspiel ein 2:2 bei Sporting Lissabon, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren.

ham/sid/dpa

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