Eintracht Frankfurt in der Europa League West Ham United verurteilt Angriff auf ARD-Reporter – Uefa bleibt zurückhaltend

Die Attacke auf zwei Rundfunkreporter während des Europa-League-Halbfinales von Eintracht Frankfurt bei West Ham United hat viele Menschen empört. Der Klub hat mutmaßliche Täter identifiziert – die Uefa will kein Disziplinarverfahren eröffnen.
Szene des Halbfinals zwischen West Ham und Eintracht Frankfurt (Symbolbild)

Szene des Halbfinals zwischen West Ham und Eintracht Frankfurt (Symbolbild)

Foto: IMAGO/Revierfoto

Nach der Attacke auf zwei Rundfunkreporter der ARD beim Europa-League-Halbfinale von Eintracht Frankfurt bei West Ham United (2:1) hat der Hessische Rundfunk heftige Kritik am englischen Klub geübt und den tätlichen Angriff scharf verurteilt. »Ein Fußballstadion ist kein rechtsfreier Raum«, sagte Programmdirektorin Gabriele Holzner in einer Mitteilung des Senders.

Man erwarte »vom veranstaltenden Verein, dass er Bedingungen auch für Reporter der Gastmannschaft schafft, so dass diese ihren Job ohne Angst vor Übergriffen machen können«, fügte Holzner an. Schläge und körperliche Gewalt seien in keinem Fall tolerierbar.

Uefa leitet keine Ermittlungen ein

Die Europäische Fußball-Union reagierte zunächst zurückhaltend auf den Vorfall. Man warte derzeit noch auf die verschiedenen offiziellen Berichte von dem Spiel, teilte die Uefa mit. Später hieß es, der Verband werde wegen des Vorfalls kein Disziplinarverfahren eröffnen. »Der Klub hat schnell reagiert und wird den Vorfall nun untersuchen, um die Schuldigen zu ermitteln und zu sperren«, hieß es von der Uefa. Die ARD sei mit dem Vorgehen einverstanden und hatte demnach keine weiteren Beschwerden.

Den betroffenen Rundfunkreportern Tim Brockmeier und Philipp Hofmeister geht es nach eigenen Angaben gut. Ihren Schilderungen zufolge bekamen sie am Donnerstagabend während des Halbfinal-Hinspiels im Londoner Olympiastadion »mehrfach Faustschläge an den Hinterkopf, in den Nacken, in den Rücken«. Das sei nicht »die feine englische Art«, schrieb Brockmeier bei Twitter. Er bedankte sich bei den Medienmitarbeitern des hessischen Bundesligisten, aber auch des gastgebenden Premier-League-Klubs, »die uns in der Pause regelrecht in Sicherheit gebracht haben, bringen mussten«.

West Ham United verurteilte das Geschehen ebenfalls – und verkündete am Abend, dass man zwei mutmaßliche Angreifer identifiziert habe. Die Daten der Personen seien auch an die Polizei übergeben worden, die nun ermitteln wird. »Wenn die Täter für schuldig befunden werden, erhalten sie ein Stadionverbot im London Stadium und dürfen nicht mehr mit dem Klub reisen«, hieß es in der Mitteilung: »Ein Verhalten dieser Art ist inakzeptabel und wird bei West Ham United nicht toleriert.«

Zu den Angriffen war es kurz nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von West Ham in der 21. Minute gekommen. »Wir werden hier attackiert«, berichtete Hofmeister während der Liveübertragung. In den Sekunden davor waren Tumulte hörbar gewesen. »So etwas habe ich noch nicht erlebt«, sagte Brockmeier, dem das Headset vom Kopf gerissen worden war: »Wir sind geschockt.«

In der Pause wechselten die beiden Reporter des Hessischen Rundfunks die Plätze und kommentierten von dort weiter. »Mental war das danach schwierig«, sagte Hofmeister.

ara/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.