Europäisches Urteil zu TV-Rechten DFL drohen Millionenverluste

Verhandlung verschoben: Der Europäische Gerichtshof entscheidet erst im kommenden Jahr über die Zulässigkeit, TV-Rechte einzeln in andere Ländern zu verkaufen. Rechteinhaber wie Sky dürften bei einer Änderung der Praxis die Bundesliga künftig in alle EU-Mitgliedstaaten ausstrahlen - ohne Aufpreis.

TV-Kamera: Auswirkungen auf die Auslandsvermarktung in Europa
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TV-Kamera: Auswirkungen auf die Auslandsvermarktung in Europa


Hamburg - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) blickt mit Spannung Richtung Luxemburg. Dort sollte ursprünglich am Dienstag vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) unter der Fallnummer C403/08 die Klage der englischen Premier League gegen "QC Leisure" verhandelt werden. In dem Verfahren sollen die Richter klären, ob der derzeit praktizierte Verkauf von Fernsehrechten nach Ländern mit dem EU-Recht überhaupt noch vereinbar ist. Nun wurde bekannt, dass es erst 2010 zu einer Verhandlung kommen wird. Ein genauer Termin steht derzeit noch nicht fest.

Die EU-Kommission mit der Medienkommissarin Viviane Reding an der Spitze will die aktuelle Vergabesituation ändern und diesen Markt liberalisieren. Das hätte erhebliche Folgen, vor allem für die großen Fußball-Ligen wie in England, Deutschland, Spanien und Italien.

Es geht um Millionen Euro. Sollte es zu einer Öffnung bei der Vermarktung der TV-Rechte kommen, würde das große Auswirkungen auf die Auslandsvermarktung in Europa haben. Die DFL müsste mit einem Verlust im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich rechnen. Denn die Käufer der Bundesliga-Live-Rechte, die aktuell Bezahlsender Sky hat, dürften die Spiele dann nicht nur in Deutschland, sondern in allen 27 EU-Mitgliedstaaten ausstrahlen. Andere Verträge der DFL wie derzeit mit Eurosport, das die Bundesliga in den europäischen Nachbarländern zeigt, könnten künftig nicht mehr abgeschlossen werden.

Britische Pub-Besitzerin hat die Angelegenheit ins Rollen gebracht

Nachteil Vermarkter: Ihnen, die derzeit ihre Produkte in jedem EU-Land einzeln anbieten können, würden Millioneneinnahmen entgehen. Vorteil Fernsehzuschauer: Sie könnten sich bislang urheberrechtlich geschützte Sendungen ausländischer Fernsehanbieter im eigenen Land ansehen und das meist auch noch für weniger Geld.

Die Angelegenheit ins Rollen gebracht hat die britische Pub-Besitzerin Karen Murphy. Sie hatte in ihrer Kneipe in Portsmouth mit einer von "QC Leisure" vertriebenen griechischen Decoder-Karte die englischen Ligaspiele gezeigt. Und das war wesentlich billiger: Anstatt gut 6000 Pfund (6672 Euro) Gebühr an den englischen Pay-TV-Sender BSkyB zu zahlen, verlangt der griechische Bezahlsender Nova nur rund 800 Pfund (890 Euro) pro Jahr. Die Verantwortlichen der Premier League bekamen das im vergangenen Jahr mit und klagten. Der Londoner High Court verwies den Fall an den EuGH.

Nach Ansicht von EU-Kommissarin Reding, die sich bereits auf vielen anderen Gebieten für Wettbewerbserleichterungen in der EU starkgemacht hat, müssten in Europa auch auf dem Gebiet der Medieninhalte einheitliche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Es dürfe keine territorialen Grenzen bei der Vermarktung von TV-Rechten geben. Fraglich ist aber, ob der von ihr angestrebte "digitale Binnenmarkt" mit dem Urheberrecht vereinbar ist.

Die derzeitige Rechtslage geht auf ein EuGH-Urteil von 1980, das sogenannte Coditel-Urteil, zurück. Demnach sind Film und Fernsehen vom Freizügigkeitsrecht ausgenommen. So können das Urheberrecht geschützt und Übertragungs- und Aufführungsrechte länderweise vermarktet werden.

jar/dpa



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