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Feier der Europameister: Party in Helsinki, Pokal in Frankfurt am Main

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Europameister-Empfang "Unsere Frauen sind die Besten"

Jubelstimmung vor dem Frankfurter "Römer": Mehrere tausend Fans haben Deutschlands Fußballerinnen nach dem Gewinn des siebten EM-Titels gefeiert. Den Spielerinnen war die lange Party-Nacht noch anzumerken, dennoch präsentierten sie sich bei der "offiziellen Nationalhymne" äußerst textsicher.

Deutschlandfahnen werden hochgerissen, La-Ola-Wellen rollen über den Platz zwischen den Fachwerkhäuschen, der Sender HR3 hat für die Show extra aufblasbare, knallrote Gummi-Riesenhände im Publikum verteilt. "So sehen Sieger aus", grölt die Menschenmenge vor dem Frankfurter Rathaus "Römer" - und feiert den siebten Europameistertitel von Deutschlands Fußballerinnen. Die Sonne strahlt.

Angreiferin Inka Grings hat bis in die Morgenstunden gefeiert, die Schützin des 4:2 und des 5:2 ist reichlich blass um die Nase, trägt Sonnenbrille. Doch sie ist noch lange nicht müde, lässt sich von den begeisterten Fans mitreißen. "Gebt mir ein H! Gebt mir ein U! Gebt mir ein M!", schreit sie mit heiserer Stimme vom Balkon des Rathauses in die Menge. "Humba, Humba, Humba Täterääää!", schallt es wenig später über den Platz.

Auch die anderen Spielerinnen klatschen und hüpfen, zeigen der Menge den silbernen Pokal, den sie nach dem 6:2-Erfolg über England am Vorabend in Helsinki überreicht bekamen. Jede Akteurin wird einzeln begrüßt. "Die Rekordnationalspielerin Birgit Prinz", wie Moderator Gunnar Töpfer ins Mikro brüllt. "Das Küken, Kim Kulig". Auch Kerstin Stegemann, die an diesem Tag zum letzten Mal dabei ist, weil sie nach 191 Länderspielen ihre internationale Karriere beendet. Dem Knie gehe es schon besser, erklärt die verletzte Abwehrspielerin Ariane Hingst. Ihre Stimme dagegen ist noch angeschlagener als die von Team-Kollegin Grings.

Die Nacht war kurz. Erst wurde im Club "the tiger" in Helsinki kräftig gefeiert, anschließend ging es im Team-Hotel weiter. Nach wenigen Stunden Schlaf stieg die Mannschaft am Frankfurter Flughafen gegen 13 Uhr aus der Chartermaschine "LH 5021" - und machte sich auf den Weg zum "Römer".

Gänzlich undamenhaft hüpfen sie auf dem Balkon auf und ab

Sie haben sich "schick" gemacht, hatte der Moderator vom HR3 vor dem Auftritt gewitzelt. Die Fußballtrikots haben sie gegen die "kleinen grauen Kostümchen" ausgetauscht. Es ist ein Scherz, mit dem die Frauen gut leben können. Gänzlich undamenhaft hüpfen sie auf dem steinernen Balkon auf und ab, die im Haus empfangenen Blumensträuße schmeißen viele gleich zu Beginn ins Publikum.

Alle Spielerinnen und Bundestrainerin Silvia Neid haben sich zuvor ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt am Main eingetragen. Beim Empfang im Kaisersaal, dem auch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) beiwohnte, würdigte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, die Europameisterinnen: "Unsere Frauen sind gut, sie sind die Besten."

Mehr als 5000 Anhänger bejubeln die Spielerinnen vor Ort. In allen Einzelheiten wird noch einmal das Spiel diskutiert. "Das war schon beeindruckend", sagt Markus Keller, eingefleischter Fußballfan und selbst Vorsitzender des Fußballvereins Waldbrunn-Ellar. Bis zum 3:2 habe er noch gezittert, sagt ein anderer Fan im weißen Fan-T-Shirt. Danach wurde nur noch gefeiert. Und vor allem über das 2:0 von Melanie Behringer wird viel geredet. "Aus 35 oder 40 Metern kam der - direkt ins Tor! Das war das Tor des Jahres", sagt ein Student. So etwas habe er im Männer-Fußball lange nicht mehr gesehen. "Den Frauen geht es noch um Fußball", fügt sein Begleiter hinzu. "Die laufen mehr - für viel weniger Geld."

"Attraktiv, schnell, technisch brillant"

Ähnliche Kommentare hört man immer wieder: "Attraktiv, schnell, technisch brillant", sagt einer. "Das ganze Spiel war spannend", ein anderer. Und eine 61-jährige Rentnerin, die mit ihrem Mann zur Feier gekommen ist, erklärt auf die Frage nach den Höhepunkten schlicht: "Die Tore natürlich." Eine 39-jährige Archivarin, die ihre Mittagspause auf dem Platz verbringt, erzählt, wie sie das Spiel mit den Kindern im Radio verfolgte. "Immer wenn ein Tor kam, haben wir den Fernseher dann doch angemacht." Es war ziemlich oft - bei acht Treffern. Angelika Luckas verbindet mit der Feier sogar einen pädagogischen Zweck. Sie ist mit ihrem Mann und ihrer 16-jährigen Tochter da. "Das ist Frauenpower, ich dachte, da gehen wir mal hin", sagt die Limburgerin.

"Wie war das Gefühl in der 20. Minute, Birgit Prinz?", fragt Moderator Gunnar Töpfer die Mannschaftsführerin irgendwann, die sich bis dahin ziemlich im Hintergrund gehalten hat. Auf die Antwort muss er einen Augenblick warten, die Fans begrüßen die 31-Jährige erst einmal mit lautem Gebrüll. "Irgendwie weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll", sagt Prinz dann. Und fügt dann schlicht hinzu: "Ich wurde viel kritisiert. Von daher war das einfach cool." Dann wirft die Angreiferin des 1. FFC Frankfurt einen Blick in die Zukunft. "Die WM vor eigenem Publikum ist mein Ziel", sagte sie. Das Turnier in Deutschland findet in zwei Jahren statt. In Finnland gewann Prinz ihren fünften EM-Titel, insgesamt bestritt sie bislang 198 Partien für die DFB-Auswahl und erzielte dabei 125 Tore.

Gern singen Fans und Spielerinnen noch einmal die "offizielle deutsche Nationalhymne", wie sie Moderator Töpfer nennt: "So sehen Sieger aus, schallalalala." Die Europameisterinnen lassen sich feiern. "Ich hoffe, wir sehen uns noch ganz oft hier", sagt Bundestrainerin Silvia Neid. "2011 - Wiedersehen macht Freude", steht auf einem Banner an einer Häuserwand.

mit Material von dpa