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Fotostrecke: Der Norden leuchtet

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Qualifikations-Sensation Island Der Vulkan vor dem Ausbruch

Islands Fußballnationalelf steht vor dem größten Erfolg ihrer Geschichte. Das Team von Lars Lagerbäck könnte mit einem Sieg in den Niederlanden die EM-Qualifikation fast perfekt machen - das Resultat konsequenter Talentförderung.
Von Fabian Held

"Island in die Endrunde, Island in die Endrunde", skandierten die sonst eher zurückhaltenden Isländer fast schon euphorisch im Nationalstadion Laugardalsvöllur. Island hatte gerade Tschechien 2:1 bezwungen und war einer kleinen Sensation ein Stück näher gekommen. In der starken EM-Qualifikations-Gruppe A sind die Isländer nach sechs Spieltagen Erste in der Tabelle, noch vor den Niederlanden, der Türkei und eben Tschechien.

Am Donnerstag steht für Island das Rückspiel in Amsterdam an (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ein weiterer Sieg, eine weitere Überraschung, und Island wäre der Einzug in die Endrunde kaum noch zu nehmen. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass sich die isländische Auswahl für die Endrunde eines großen Turniers qualifiziert.

Überrascht ist Eyjolfur Sverrisson, genannt "Jolly", von alledem überhaupt nicht.

Der ehemalige Bundesligaprofi (über 300 Partien für den VfB Stuttgart und Hertha BSC) rechnet fest mit einer erfolgreichen Qualifikation. Derzeit arbeitet Jolly als Islands U21-Coach und macht seinen Optimismus vor allem an der Qualifikation für die U21-EM 2011 fest. "Wir haben die deutsche U21 hier in Island 4:1 geschlagen und in Magdeburg 2:2 gespielt", erinnert er sich. Der isländische Nachwuchs fuhr damals zum Turnier nach Dänemark, die DFB Auswahl nicht. Und das, obwohl damals Größen wie Mats Hummels, Benedikt Höwedes und Kevin Großkreutz auf dem Platz standen, alle drei heute Weltmeister.

Nachwuchsarbeit trägt jetzt Früchte

Eben jene U21-Mannschaft der Isländer von damals stellt jetzt einen großen Teil der erfolgreichen Nationalmannschaft. "Als Lars Lagerbäck hier als Trainer angefangen hat, hat er gemerkt, das sind Riesentalente. Die haben super Ergebnisse geliefert und funktionieren als Team. Da hat er sie direkt als Mannschaft hochgejagt", erzählt Sverrisson und lacht.

Darin sieht auch Rubrik Gislason vom 1. FC Nürnberg, einziger Isländer in einer deutschen Profiliga, den Vorteil der Mannschaft: "Wir spielen seit einer langen Zeit zusammen. Es gab nicht viel Rotation. Wir sind als Team-Kameraden eng befreundet und bereit, für den anderen mitzuarbeiten. Das bringt uns sehr weit". Aus einer homogenen Einheit sticht lediglich der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson hervor, der auch die beiden Tore beim 2:0-Heimsieg gegen die Niederlande schoss.

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Stürmer Sigþórsson: Alkmaar, Ajax, Island

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Island erlebt derzeit nicht nur eine "Goldene Generation", hinter dem Aufschwung im isländischen Fußball steckt auch System. "Wir haben die Trainingsintensität drastisch erhöht. Dann haben wir die Trainerausbildung verbessert. Jeder Jugendtrainer muss jetzt eine Lizenz haben. Es ist ganz wichtig, dass die ganz Jungen gut ausgebildete Trainer haben. Und dann trainieren wir einfach mehr", erklärt Sverrisson.

"Wir haben mit den ganzen Indoor-Hallen eine großartige Infrastruktur", nennt der Nürnberger Gislason einen weiteren Vorteil: "So können wir das ganze Jahr über Fußball spielen". Wegen der rauen Wetterbedingungen war das vor einigen Jahren noch nicht der Fall.

Für das Spiel gegen die Niederlande sehen sich die Isländer gut gerüstet. "Wir können nichts anderes als selbstbewusst sein", betont Gislason. Er will in Amsterdam gewinnen: "Wir sind alle ziemlich egoistisch und wir glauben so sehr an uns, dass wir jedes Spiel auf Sieg spielen". Auf ein Ergebnis möchte er sich aber nicht festlegen: "Wir haben bisher nicht viele Gegentore bekommen, das wird sich hoffentlich fortsetzten".

Ex-Bundesligaprofi Sverrisson tippt auf ein 1:1 und hofft, dass mit Siegen in den beiden verbleibenden Heimspielen gegen Kasachstan und Lettland der Einzug in die Endrunde gelingt.

Die Niederländer haben dagegen die Qualifikation nicht mehr selbst in der Hand und stehen gehörig unter Druck. Fünf Punkte trennen beide Teams derzeit in der Tabelle, bei noch vier ausstehenden Spielen. Die Niederländer haben jetzt die Sorgen, die jahrzehntelang die Isländer hatten. Und umgekehrt.

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