Europapokal-Sperre für Forlán Diego und die Transfer-Deppen

Diego Forlán sollte Inter Mailand zum Champions-League-Titel schießen. Doch daraus wird nichts: Forlán spielte in dieser Saison bereits für seinen alten Club europäisch und ist deshalb gesperrt. Mit einer solchen Transferpanne ist Inter nicht alleine - auch Real Madrid patzte einst.

Inter-Profi Forlán: "Erwartungen erfüllen"
dapd

Inter-Profi Forlán: "Erwartungen erfüllen"

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Hamburg - Diego Forlán war sichtlich erfreut: "Du bekommst nicht oft die Chance, mit 32 Jahren zu Inter zu gehen", sagte der Stürmer nach seiner Verpflichtung vor sechs Tagen. Beim Champions-League-Sieger von 2010 sollte Forlán den nach Dagestan abgewanderten Samuel Eto'o ersetzen und vor allem in der Königsklasse die Gegner mit seiner Torgefahr vor unlösbare Aufgaben stellen. "Ich hoffe, ich kann die Erwartungen erfüllen", sagte er den Journalisten.

Doch daraus wird erstmal nichts. Denn Inter hat mit dem Transfer von Forlán für die größte Panne der diesjährigen Wechselperiode in Europa gesorgt. Weil sein alter Club Atlético Madrid den Uruguayer in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation gegen den norwegischen Vertreter Stromsgodset einsetzte, ist Forlán bis zur K.o.-Phase der diesjährigen Saison in der Königsklasse gesperrt. Wechselnde Spieler dürfen nur dann für ihren neuen Verein im Europacup spielen, wenn sich der alte Club nicht qualifiziert. Doch Atlético hat den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase geschafft.

Inters Clubpräsident Massimo Moratti soll toben, schreibt zumindest die italienischen Sporttageszeitung "Gazetta dello Sport". Was Wunder! Für die Manager, denen der Fehler erst bei der Mannschaftsmeldung für die Champions League aufgefallen war, soll er interne Strafen planen. Die Zeitung hat ihr Urteil ebenfalls bereits gefällt: "Inter hat einen großen Imageverlust erlitten. Der finanzielle Schaden ist enorm." Ungläubig wundert sich die "Gazetta": "Normalerweise unterlaufen einem Weltklasseclub nicht derartige Leichtsinnigkeiten."

Auch Real Madrid patzte schon bei Transfers

Doch hier irrt die Zeitung. Denn Inter ist nicht der erste Verein in der Fußball-Historie, der einen solchen Transfer-Bock geschossen hat. Vor knapp drei Jahren sorgte der spanische Rekordmeister Real Madrid für die "Lachnummer in der Champions League". Der Club hatte den heutigen Schalke-Profi Klaas-Jan Huntelaar und den Franzosen Lassana Diarra verplichtet. Das Problem: Beide hatten bereits in der laufenden Saison für ihre bisherigen Vereine im Uefa Cup gespielt - laut Regelwerk durfte Real deshalb nur einen der beiden Zugänge für die Champions League melden. "Das ist kein Aprilscherz, sondern die Realität eines Pfuschwerks", spottete damals die spanische Zeitung "Marca". Real entschied sich letztlich für Diarra, der verantwortliche Sportdirektor Predrag Mijatovic musste - unter anderem wegen dieser Transferpanne - den Verein ein halbes Jahr später verlassen.

Wohin Verstöße gegen Transferverbote führen können, bekam kürzlich der Schweizer Club FC Sion spüren. Der Verein hatte trotz einer von der Uefa verfügten Wechselsperre fünf Spieler verpflichtet und eingesetzt. In der letzten K.o.-Runde zur Europa League gewann Sion dann gegen Celtic Glasgow. Doch der schottische Club klagte - und bekam von der Uefa Recht. Glasgow darf nun anstelle von Sion europäisch spielen. Die Schweizer kündigten einen Einspruch an.

Auch in der Bundesliga sorgte eine kuriose Transferpanne für Aufsehen. Im Januar dieses Jahres wollte der damals für den Hamburger SV aktive Angreifer Maxim Choupo-Moting zum 1. FC Köln wechseln. Doch ein streikendes Faxgerät verhinderte das: Aufgrund eines Staus im Gerät kamen die benötigten Unterlagen erst nach der Wechselfrist um 18 Uhr bei den Kölnern an, die sie dann an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) weiterleiteten. Doch zu spät: Die DFL blieb hart und untersagte den Wechsel.

Forlán muss sich bei Inter nun vorerst mit der italienischen Serie A begnügen. Doch Hoffnung auf einen Champions-League-Einsatz kann er sich dennoch machen: Bei Gegnern in der Gruppe B wie ZSKA Moskau, OSC Lille und Trabzonspor sind die Chancen auf einen Einzug in die K.o.-Phase für die Mailänder hoch. Und da dürfte dann auch Forlán wieder auflaufen.

Mit Material von sid und dpa

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