Ex-Bayern-Profi Kupferschmidt Der Ghostwriter von Beckenbauer, Müller und Co.

Immer, wenn seine berühmten Teamkollegen nicht wollten oder konnten, sprang er ein: Peter Kupferschmidt. Der ehemalige Spieler des FC Bayern München beantwortete die Autogrammanfragen an Gerd Müller, Franz Beckenbauer oder Sepp Maier. In "11FREUNDE" erinnert er sich.

Ex-Bayern-Profi Kupferschmidt: Der Autogrammschreiber der Münchner Stars
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Ex-Bayern-Profi Kupferschmidt: Der Autogrammschreiber der Münchner Stars


Es begann in der Saison 1964/1965, als wir endlich in die Bundesliga aufstiegen. Wir waren wahnsinnig oft zusammen im Trainingslager, weil Zlatko "Cik" Cajkovski, unser Coach, anscheinend gerne von zu Hause weg war und uns mitunter schon zwei Tage vor einem Punktspiel in der Sportschule München-Grünwald einquartierte.

Erst später, als nach dem Bundesliga-Aufstieg die ersten großen Erfolge kamen, logierten wir in einem ungleich nobleren Hotel am Tegernsee. In Grünwald jedoch konnte es furchtbar langweilig werden, denn außer Trainieren und Schafkopfspielen gab es dort kaum etwas zu tun. Die wenigen Autogrammanfragen, die Spieler wie ich bekamen, waren im Handumdrehen erledigt.

Nur unsere Stars Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller waren schon damals bei den Sammlern äußerst begehrt. Gerd, mit dem ich mir ein Zimmer teilte, war allerdings einer, der nicht gerne Autogramme schrieb. Er spielte lieber die ganze Zeit Schafkopf, und sei es die tausendste Partie am Tag. Also schlug er mir irgendwann im Spaß vor, ich könne doch seine Fanpost mit erledigen, wenn mir so langweilig sei. Mir war das nur recht, also probierte ich es gleich mal aus. Und tatsächlich: Es fiel es mir nicht sonderlich schwer, sein Autogramm nachzuahmen.

Am einfachsten war die Unterschrift des Trainers

Wir hatten früher noch das Fach Schönschreiben in der Schule gehabt, wo wir alle die gleiche Schrift gelernt hatten. Ich war darin offenbar ziemlich begabt, auf jeden Fall brachte ich immer einen Einser mit nach Hause. Meine Buchstaben waren zwar runder als die unseres Torjägers, aber das war überhaupt kein Problem, seine Signatur lief nämlich in wilden Strichen aus, die leicht zu kopieren waren. Also erledigte ich fortan einfach einen Teil von Gerds Fanpost.

Außerdem gab es auch Bögen, auf denen die ganze Mannschaft unterschreiben sollte. Weil immer einer verletzt war und deshalb nicht unterschrieb, konnte es ewig dauern, bis ein Satz komplett war. Ich war schon damals ein sehr ordentlicher Mensch, mich hat das immer gestört, wenn die unvollständigen Bögen wochenlang in der Geschäftsstelle herumlagen. Also habe ich irgendwann angefangen, die fehlenden Autogramme zu ergänzen.

Am einfachsten war der Trainer, er unterschrieb nur mit den drei Buchstaben seines Spitznamens "Cik", ein Hakerl übers "C", fertig. Die Signaturen meiner Mannschaftskameraden Werner Olk, Dieter Brenninger und Franz Beckenbauer fielen mir auch recht leicht, weil sie eine ähnlich geschwungene Schrift hatten wie ich.

"Irgendwie fühlt man sich doch wie ein Fälscher"

"Franzi" musste ich sogar eine ganze Weile vertreten, als er sich die Hand gebrochen hatte und kaum den Suppenlöffel halten konnte. Am schwierigsten war Sepp Maier, das Autogramm der "Katze von Anzing" war eine einzige wilde Aneinanderreihung von Schnörkeln.

Für die schweren Fälle gab es aber auch ein paar Tricks: Einen groben Filzstift zu nehmen ist zum Beispiel besser, als mit dem Kugelschreiber zu unterzeichnen - je dicker, desto besser. Und ich wechselte regelmäßig die Farbe. Ganz wohl war mir bei der Sache nie, irgendwie fühlt man sich ja doch wie ein Fälscher. Aber ich schwöre: Ich habe nie etwas anderes signiert als unsere Autogrammkarten!

Die Ausländer, die später in unsere Mannschaft kamen, konnte ich übrigens nie nachmachen, die schrieben ganz anders, als ich das im Schönschreiben in der Schule gelernt hatte. Schon das Autogramm von Cajkovskis Nachfolger Branko Zebec war absolut unmöglich für mich.

Genauso schwer würde ich mich bei den Unterschriften der Spieler von heute tun. Schauen Sie sich nur mal die Signatur von Arjen Robben an! Das ist ja eher eine Zeichnung als ein Autogramm. So ändern sich die Zeiten.

Protokoll: Fabian Jonas

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
papayu 04.07.2011
1. Faelscher?
Ich weiss nicht recht, aber es muss sich da ja um eine Urkunde handeln, denn der Fan oder Sammler wird ja betrogen. Eine Portraitpostkarte ist immerhin ein Dokument. Aber keine Sorge, das ist verjaehrt, denke ich mal und ein grosser Schaden ist nicht entstanden. Meine Unterschriften fallen auch nie g l e i c h aus. Hatte mal eine Marylin Monroe Karten mit Unterschrift. Ob die echt war?? Die von Heinz Ehrhardt oder Curd Juergens, die waren echt und auch einige Andere. Die hatte ich mir persoenlich abgeholt!! Im Kino.
Gani, 04.07.2011
2. Echt oder Imitat?
Da werden sich nun bestimmt einige stolze Sammler mit frühen Autogrammen ihrer Stars fragen ob sie nun ein Original oder nur einen Kupferschmidt besitzen. :)
allereber 04.07.2011
3. Gutten Bayern
Zitat von papayuIch weiss nicht recht, aber es muss sich da ja um eine Urkunde handeln, denn der Fan oder Sammler wird ja betrogen. Eine Portraitpostkarte ist immerhin ein Dokument. Aber keine Sorge, das ist verjaehrt, denke ich mal und ein grosser Schaden ist nicht entstanden. Meine Unterschriften fallen auch nie g l e i c h aus. Hatte mal eine Marylin Monroe Karten mit Unterschrift. Ob die echt war?? Die von Heinz Ehrhardt oder Curd Juergens, die waren echt und auch einige Andere. Die hatte ich mir persoenlich abgeholt!! Im Kino.
Abkupfern ist im katholischen Bayern ganz normal. Kostet nur eine Minute im Beichtstuhl, und ein paar Euro im Klingelbeutel.
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