Debatte um Belastung von Nationalspielern "Die Grenze ist erreicht"

In der Diskussion um die mögliche Überbelastung von Fußballern hat sich der ehemalige Physiotherapeut des DFB zu Wort gemeldet. Laut Oliver Schmidtlein ist eine "Grenze erreicht". Verbesserungsbedarf sieht er bei der täglichen Arbeit der Vereine.

Ehemaliger DFB-Physio Schmidtlein (rotes Hemd): Einige Spieler mit 70 Einsätzen
AFP

Ehemaliger DFB-Physio Schmidtlein (rotes Hemd): Einige Spieler mit 70 Einsätzen


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Bundesliga, Champions League, Weltmeisterschaft: Ist die Belastung für Fußball-Nationalspieler zu hoch? Ja, sagt Josep Guardiola; Ja, sagt auch Jürgen Klopp. Nein, sagt Oliver Bierhoff, der zumindest die Nationalelf-Einsätze der Bayern- und BVB-Profis nicht als ausschlaggebend sehen will.

Und was sagt jemand, der sich tagtäglich mit der Gesundheit der Spieler beschäftigt? Im "Kicker" betrachtet der frühere Physiotherapeut der Nationalmannschaft, Oliver Schmidtlein, die Problematik differenziert.

Er spricht davon, dass "die Grenze erreicht ist". Auf knapp 70 Einsätze pro Saison bringen es manche Spieler. Entscheidend ist für Schmidtlein, wie die Trainings- und Regenerationsarbeit an die Belastungen der Athleten angepasst wird. "Sind es wirklich zu viele Spiele oder wird insgesamt mit dem Spieler nicht perfekt umgegangen? Die Möglichkeiten, die es gibt, sind noch nicht ausgeschöpft. In der Rundumbetreuung gibt es viel Luft nach oben", sagt der 49-Jährige.

Bierhoff regt sich über die Diskussion auf

Zuletzt hatte Bayern-Trainer Guardiola die schon lange schwelende Debatte mit diesen Aussagen neu entfacht: "Wir verlangen zu viel von den Spielern. Wir killen sie. Die großen Vereine verlieren Punkte, sie sind müde, brauchen Zeit." Wie Guardiola hat auch BVB-Coach Klopp viele Verletzte zu beklagen. "Die WM hat alle Spieler viel Substanz gekostet", sagte Klopp, der zudem die Urlaubszeit für zu kurz erachtet.

DFB-Manager Bierhoff regte sich anschließend über die "oberflächliche und undifferenzierte Diskussion" auf. Die Aussage, dass die Spieler durch die Nationalmannschaft so hoch belastet sind, "kann ich überhaupt nicht akzeptieren", sagte Bierhoff.

Schmidtlein, der früher auch als Physiotherapeut der Münchner Profi-Vereine TSV 1860 und FC Bayern gearbeitet hatte, verweist auf "Messinstrumente, die teilweise nicht genutzt werden. Damit kann man sehen, wie die Trainingsbelastung vom Körper aufgenommen wird. Denn nicht nur die Spiele stressen die Spieler, sondern vor allem das Training".

Er sieht insbesondere die Klubs in der Pflicht: "Dort muss man noch individueller arbeiten, jeder Spieler braucht andere Reize. Dazu muss man physiologische Daten sammeln." Aus seiner Sicht ist allerdings "fraglich", ob bei den Vereinen derartige Arbeit kontinuierlich stattfindet.

luk/sid/dpa



insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
neuronenuser 13.10.2014
1. Kann es sein....
das zwischen mehr Training und mehr Spielen ein Zusammenhang besteht? Vielleicht könnte man bei 70 Spielen pro Saison einfach nur bis zum 40gsten trainieren und dann die letzten 30 ohne Trainungsvorbereitung machen - sozusagen direkt von der Couch bei Pommes rot-weiss auf's Feld. Ist das schon mal empirisch erforscht worden? Eine Unverschämtheit ist der Kommentar von Bierhoff. Oder steht der so oft auf dem Trainingsplatz, dass er es doch (wie üblich) wieder am besten wissen muss? Wer sind schon Pep Guardiola und Jürgen Klopp.....
simplythebeast 13.10.2014
2. Bierhoff...
Natürlich glaubt der "Manager" der Nationalmannschaft diese und deren Spielbetrieb gegen jedwede Kritik verteidigen zu müssen. Fakt ist jedoch, dass viele ältere Spieler Prioritäten setzen und aus den Nationalmannschaften zurücktreten. Und mir würden die Großturniere alle 2 Jahre völlig ausreichen, um meinen Schlandhunger zu stillen. Ich schaue an Wochenden jedenfalls deutlich lieber der Bundesliga zu, als der Nationalmannschaft!
karl puttnik 13.10.2014
3. Da sich ...
Zitat von simplythebeastNatürlich glaubt der "Manager" der Nationalmannschaft diese und deren Spielbetrieb gegen jedwede Kritik verteidigen zu müssen. Fakt ist jedoch, dass viele ältere Spieler Prioritäten setzen und aus den Nationalmannschaften zurücktreten. Und mir würden die Großturniere alle 2 Jahre völlig ausreichen, um meinen Schlandhunger zu stillen. Ich schaue an Wochenden jedenfalls deutlich lieber der Bundesliga zu, als der Nationalmannschaft!
... in dieser Branche wie in den meisten anderen Branchen auch alles um Knatte dreht, wäre den Vereinen eine N11, wenn es diese schon unbedingt geben muss, ohne Training und Testspiele viel genehmer. In diesem Fall dürften Sie sich aber sicher sein, dass Ihr Schlandhunger nicht annähernd positiv gestillt würde alle 2 Jahre. Zumal Fifa/Uefa-Statuten, wonach keine Nationalmannschaft dieser Welt jedwede Vorbereitung zu betreiben habe, kaum durchsetzbar sein dürften. Ergo wären wir jetzt auch nicht Weltballfußmeister, sondern Fußballnation auf Augenhöhe mit Luxemburg, Liechtenstein, Gibraltar und den Faröer Inseln ...
axelmueller1976 13.10.2014
4. Hallo Nr.1 Oliver Schmidtlein sagt ganz klar :
Zitat von neuronenuserdas zwischen mehr Training und mehr Spielen ein Zusammenhang besteht? Vielleicht könnte man bei 70 Spielen pro Saison einfach nur bis zum 40gsten trainieren und dann die letzten 30 ohne Trainungsvorbereitung machen - sozusagen direkt von der Couch bei Pommes rot-weiss auf's Feld. Ist das schon mal empirisch erforscht worden? Eine Unverschämtheit ist der Kommentar von Bierhoff. Oder steht der so oft auf dem Trainingsplatz, dass er es doch (wie üblich) wieder am besten wissen muss? Wer sind schon Pep Guardiola und Jürgen Klopp.....
Nicht nur die Spiele stressen, sondern vor allem das Training. Nur die Fans des BVB wollen das einfach nicht glauben. Wegen dieser Aussage wurde ich im Forum von den Dortmund-Fans schon öfter angegriffen. Aber jetzt wird meine Meinung ja von einem Experten bestätigt. Mal abwarten was die BVB-Fans so schreiben.
gegenpressing 13.10.2014
5.
Zitat von axelmueller1976Nicht nur die Spiele stressen, sondern vor allem das Training. Nur die Fans des BVB wollen das einfach nicht glauben. Wegen dieser Aussage wurde ich im Forum von den Dortmund-Fans schon öfter angegriffen. Aber jetzt wird meine Meinung ja von einem Experten bestätigt. Mal abwarten was die BVB-Fans so schreiben.
Bin zwar kein BVB Fan, aber könnten Sie mir mal die Passage zeigen, in der Schmidtlein ganz klar sagt, dass VOR ALLEM das Training stresst?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.