Leicester City gewinnt FA-Cup-Finale gegen Chelsea Die Gefühle sind wieder da

Es war fast wie vor der Pandemie: 20.000 Fans sahen dabei zu, wie Leicester City mit einem Traumtor den ersten FA Cup der Klubgeschichte gewann. Thomas Tuchels FC Chelsea bleibt die Hoffnung auf die Champions League.
Ja, dieses Bild wurde am 15. Mai 2021 aufgenommen: Leicester-Fans beim FA-Cup-Finale in Wembley

Ja, dieses Bild wurde am 15. Mai 2021 aufgenommen: Leicester-Fans beim FA-Cup-Finale in Wembley

Foto: KIRSTY WIGGLESWORTH / AFP

Der Strahl des Spiels: Bislang hatten sie mit Torchancen gegeizt, der FC Chelsea auf der einen Seite, Leicester City auf der anderen. Mal schossen die Spieler harmlos aus weiter Ferne, mal köpften sie hereingelöffelte Flanken drucklos aufs Tor. Dann leistete sich Chelseas junger Rechtsverteidiger Reece James einen Abspielfehler, Leicester spielte ein, zwei Pässe – und Youri Tielemans tat das, was in der Fußball-Umgangssprache »sich ein Herz fassen« genannt wird: Der Belgier zog aus gut 25 Metern einfach mal ab. Der Ball zischte in gerader Flugbahn durch die Luft, erst das Tornetz bremste Tielemans' traumhaften Schuss links oben in den Winkel (63. Minute).

Fasste sich ein Herz: Youri Tielemans

Fasste sich ein Herz: Youri Tielemans

Foto: Matthew Childs / POOL / EPA

Das Ergebnis: Es blieb beim 1:0 (0:0) und damit beim ersten Titelgewinn in der FA-Cup-Historie der Foxes. Und das ging in Ordnung. Ausgeglichene Spiele brauchen manchmal geniale Momente, um zu einer Seite zu kippen, und den genialsten hatte eben Tielemans.

Sie sind wieder da: Es wäre ein Leichtes, an dieser Stelle zynisch zu sein: Den 20.000 zugelassenen Zuschauer, die auf den Tribünen von Wembley sangen und feierten, baumelten die Corona-Schutzmasken quer durchs Gesicht. Aber: In Großbritannien sind bereits mehr als 50 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, noch dazu war ein negativer Test Pflicht, um an diesem Testballon für die Rückkehr zur Normalität bei Kultur- und Sportveranstaltungen teilzunehmen. So waren die gefüllten Ränge vor allem eins: einfach schön.

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Die erste Hälfte: Da war das Geschehen auf dem Rasen fast schon zweitrangig. Viel geschah in den ersten 45 Minuten nicht, Innenverteidiger Caglar Söyüncü köpfte zweimal in Richtung Chelsea-Tor (20., 43.), auf der Gegenseite verzogen Mason Mount (23.) und Timo Werner (44.) jeweils Flachschüsse aus der Ferne. Auch bei einem eigenen Kopfballversuch agierte Werner unglücklich und nahm dem besser platzierten Cesar Azpilicueta die Chance weg (29.).

Oh, Jonny: Wäre die Mannschaft von Leicester City ein Gebiss, Jonny Evans wäre ein Backenzahn. Woche für Woche zermalmt der Nordire so zuverlässig wie unauffällig gegnerische Angriffsversuche, organisiert die hochtalentierte Defensive der Foxes mit der Ruhe eines 33 Jahre alten Premier-League-Veteranen. Nach einer guten halben Stunde war für Evans diesmal Schluss: Schon in den Vorwochen hatte der Innenverteidiger mit einer Muskelverletzung pausieren zu müssen, augenscheinlich ähnliche Beschwerden sorgten für einen verfrühten Feierabend.

Raus mit Applaus: Jonny Evans musste verletzt schon in Halbzeit eins weichen

Raus mit Applaus: Jonny Evans musste verletzt schon in Halbzeit eins weichen

Foto: Matthew Childs / POOL / EPA

Die zweite Hälfte: Viel schöner anzusehen war auch der zweite Durchgang nicht, Tielemans' Zauberschuss bildete die Ausnahme von der Regel. Erst in der Schlussviertelstunde nahm Chelsea noch einmal Fahrt auf, Thomas Tuchel hatte unter anderem Ex-Leicester-Verteidiger Ben Chilwell in die Partie gebracht. Der schaltete sich immer wieder offensiv ein, köpfte an den Pfosten (78.), kurz bevor Mount per Dropkick an Kasper Schmeichel scheiterte (87.).

Um Kniescheibenbreite: Die beste Chance auf den Ausgleich hatte Chelsea ganz zum Schluss. Thiago Silva chippte den Ball aus der Tiefe an den Fünfer, dort war schon wieder Chilwell aufgetaucht. Söyüncüs Rettungstat kurz vor der Linie flipperte gegen Leicester-Kapitän Wes Morgan und von dort ins eigene Tor, die Blues feierten – bis der Video-Assistent sich einschaltete: Chilwells Knie befand sich beim Abspiel hauchzart im Abseits. Das sorgte für Erleichterung bei den Foxes – und eine ungewöhnliche Liebeserklärung von Leicester-Legende und Ex-Weltklassestürmer Gary Lineker, der auf Twitter kurzerhand seine VAR-Abneigung über Bord warf.

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Tuchels nächste Endspiele: Für Tuchel und den FC Chelsea gibt es sportlich trotz der verpassten Chance im Pokal noch einiges zu holen bis zum Saisonende. Es geht um die Qualifikation um die Champions League – über die Liga, wo der nächste Gegner am Dienstag ebenfalls Leicester City heißt und der FC Liverpool (60 Punkte, ein offenes Nachholspiel) den Londonern (64 Punkte) gehörig im Nacken sitzt. Alternativ könnte Chelsea auch einfach das Champions-League-Finale am 29. Mai gegen Manchester City gewinnen, als Titelverteidiger wäre die Teilnahme im nächsten Jahr garantiert.