Fairplay-Wertung Mainz darf vom Uefa-Cup träumen

Mainz 05 erlebt Wunder über Wunder: 2004 in letzter Sekunde aufgestiegen, folgte diese Saison der Klassenerhalt. Mit ein wenig Glück spielen die Mainzer demnächst sogar im Uefa-Cup. Der Club gewann die deutsche Fairplay-Wertung, obwohl ein anderer Verein auf dem Platz noch friedlicher agierte.

Von Clemens Gerlach


Mainzer Fan: Bald internationaler Fußball am Bruchweg?
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Mainzer Fan: Bald internationaler Fußball am Bruchweg?

Mainz - Der FSV siegte in der deutschen Fairplay-Wertung der Saison 2004/2005 und ist deshalb bei der Verlosung von zwei Teilnehmerplätzen an der ersten Qualifikationsrunde zum Uefa-Cup 2005/06 dabei. Dies teilte die Geschäftsführung der DFL dem FSV-Präsidenten Harald Strutz am Samstag am Rande des DFB-Pokalfinales in Berlin mit.

Das Losverfahren basiert auf der Fairplay-Wertung der Uefa für den Zeitraum vom 1. Juni 2004 bis 31. Mai 2005. Gewertet werden Spiele der Clubs und der Nationalmannschaften. An der Verlosung von zwei Startplätzen nehmen nach derzeitigem Stand neben Mainz 05 je ein Team aus Schweden, Dänemark, Estland, Frankreich und England teil. Norwegen erhält als fairste europäische Fußballnation automatisch einen zusätzlichen Startplatz. Die Auslosung erfolgt am 5. Juni während der Frauen-EM in Manchester.

Zur Ermittlung der Fairplay-Rangliste dienen der Uefa nicht nur Statistiken, etwa Verwarnungen und Platzverweise, sondern es fließen auch subjektive Bewertungen ein. So zählen "Respekt vor Gegner und Schiedsrichter" ebenso wie das "Verhalten der Mannschaft, der Offiziellen und der Zuschauer". Für die Fairplay-Wertung zählt auch "positives Spiel".

Hannover geht leer aus

"Diese Kriterien sind uns von der Uefa vorgegeben", sagte heute DFL-Sprecher Christian Pfennig auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Für die Bewertung sind in Deutschland die Schiedsrichterbeobachter des DFB zuständig. Diese schreiben nach jedem Spiel einen Bericht und leiten diese an die DFL weiter. "Wir sammeln dann alle Protokolle und schicken diese an die Uefa", so Pfennig.

Wäre ausschließlich die Anzahl der Verwarnungen und Platzverweise in der abgelaufenen Bundesliga-Saison gewertet worden, hätte Hannover 96 gewonnen. Die Niedersachsen erhielten 39 Gelbe und ein Gelb-Rote Karte. Zweiter ist Bielefeld (48 Verwarnungen). Mainz, das sich insgesamt durchsetzte, ist in punkto Spielstrafen nur Dritter, die FSV-Spieler kassierten 48 gelbe Karten sowie je eine rote und gelb-rote.

Theoretisch könnte also auch ein Bundesliga-Absteiger die Fairplay-Wertung gewinnen und in den Uefa-Cup nachrücken. Die drei Letzten der abgelaufenen Saison landeten bei den Spielstrafen allerdings nicht im Spitzenfeld. Freiburg wurde Siebter und Bochum Elfter. Hansa Rostock war mit 83 gelben Karten sowie je zwei roten und gelb-roten unfairste Bundesliga-Mannschaft.

Bei Mainz 05 löste die Nachricht von der unerwarteten Chance auf den Uefa-Cup große Freude aus. "Das ist eine Riesenchance für uns, mit ein wenig Losglück könnten wir uns international präsentieren", sagte Strutz. "Diese Nominierung im Zuge der Fairplay-Wertung ist eine Auszeichnung für Mainz 05, vor allem aber ein Verdienst aller, von Mannschaft, Verein und Fans." Hannovers Manager Ilja Kaenzig kritisierte den Auswahlmodus: "Es fehlt völlig die Transparenz. Es hat vorab keine ausreichenden Informationen gegeben."



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