Fall Amerell Chronologie der Schiedsrichter-Affäre

Am 10. Februar wurde die Schiedsrichter-Affäre um Obmann Manfred Amerell und Bundesliga-Referee Michael Kempter öffentlich. Seither gab es ständig neue Entwicklungen. SPIEGEL ONLINE listet sie chronologisch auf.
Schiedsrichter Kempter: Im Mittelpunkt der Affäre

Schiedsrichter Kempter: Im Mittelpunkt der Affäre

Foto: Franz-Peter Tschauner/ dpa

17. Dezember 2009: Bundesliga-Referee Michael Kempter wendet sich an Volker Roth, den Schiedsrichter-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er teilt ihm mit, von Obmann Manfred Amerell sexuell bedrängt worden zu sein.

15. Januar 2010: Roth informiert den Präsidenten des DFB, Theo Zwanziger, über die Vorwürfe Kempters.

4. Februar 2010: Der DFB beruft eine Präsidiumssitzung zur "Causa Amerell" ein. Daraufhin melden sich weitere Schiedsrichter und geben an, von Amerell sexuell belästigt worden zu sein.

10. Februar 2010: Die Vorwürfe gelangen an die Öffentlichkeit, Amerell bestreitet sie. Es sei alles "aus der Luft gegriffen". Der in Schiedsrichter-Angelegenheiten zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch gibt seine Verantwortlichkeiten für diesen Bereich ab. Für ihn sei es "nicht hinnehmbar", von Roth nicht früher informiert worden zu sein.

11./12. Februar 2010: Bei internen Anhörungen konkretisieren weitere Schiedsrichter ihre Vorwürfe gegen Amerell. Die Aussagen bleiben intern und die Namen der Referees anonym. "Unabhängig voneinander haben mehrere Personen in den Anhörungen zu Protokoll gegeben, von Herrn Amerell in der Vergangenheit bedrängt und oder belästigt worden zu sein", heißt es in einer Erklärung des DFB.

12. Februar 2010: Amerell stellt mit sofortiger Wirkung seine Ämter beim DFB und im Süddeutschen Fußball-Verband zur Verfügung. Zugleich weist er die Vorwürfe, einen Bundesliga-Schiedsrichter sexuell belästigt zu haben, erneut zurück. "Wir nehmen den Schritt zur Kenntnis und halten ihn für richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen", teilt der DFB mit.

16. Februar 2010: Der DFB weitet seine Vorwürfe gegen Amerell aus. Dessen Anwalt Jürgen Langer reagiert. "Zur Stunde ist weder meinem Mandanten noch mir der konkrete Inhalt der Beschuldigungen bekannt", sagt er.

17. Februar 2010: Der DFB erklärt den Fall Amerell mit dessen Rücktritt für abgeschlossen. Das Ergebnis der auf Amerells Initiative für den 4. März angesetzten mündlichen Verhandlung "kann uns egal sein", sagt Zwanziger.

19. Februar 2010: Zwanziger erklärt, es gebe noch mehr Betroffene als die bislang vier bekannten, von denen drei nach wie vor anonym bleiben. In Briefen seien weitere Hinweise eingegangen, denen nun nachgegangen werde.

25. Februar 2010: Kempter erklärt, am 25. Spieltag wieder pfeifen zu wollen. Er hofft auf einen Einsatz in der zweiten Bundesliga.

26. Februar 2010: Ein junger Referee meldet sich beim DFB und berichtet von Annäherungsversuchen Kempters am 13. Mai 2009 in einem Düsseldorfer Hotel. Kempter weist die Anschuldigungen zurück.

28. Februar 2010: Drei weitere junge Schiedsrichter geben an, sich von Amerell belästigt gefühlt zu haben. Ein anderer will ähnliche Vorfälle auf einem Lehrgang beobachtet haben. Sie wollen anonym bleiben, unterschreiben aber eidesstattliche Erklärungen. Amerell habe sich "die Lieblinge so geschaffen, wie er wollte", berichtet einer. Als externer Vertrauensmann der Referees schaltet sich der ehemalige Schiedsrichter Franz-Xaver Wack ein. "Es ist ein so komplexes Netzwerk, wo wir selbst noch nicht wissen, ob das schon das Ende ist", sagt er.

4. März 2010: Amerell will vor Gericht erwirken, dass der DFB ihm keine sexuellen Belästigungen mehr nachsagen darf. In München einigen er und der Deutsche Fußball-Bund sich jedoch außergerichtlich. Demnach zieht Amerell seinen Antrag auf eine einstweilige Verfügung zurück. Der DFB darf den Vorwurf der Belästigung weiter öffentlich erheben. Im Gegenzug bekommt Amerell Einsicht in die Eidesstattlichen Versicherungen der Schiedsrichter. Noch am selben Abend kündigt er in der TV-Talkshow "Kerner" an, die ihn belastenden Schiedsrichter wegen Verleumdung zu verklagen und greift DFB-Präsident Zwanziger an. Zudem präsentiert er intime E-Mails von Kempter. In einem dieser Schreiben soll er an Amerell geschrieben haben: "Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen."

5. März 2010: Der FC Bayern lässt die Aussagen Kempters vom DFB prüfen und kündigt zudem an, den Schiedsrichter zu einer Unterredung einladen zu wollen.

6. März 2010: Amerells Anwalt Jürgen Langer erklärt, sein Mandant werde Kempter auf Schadensersatz verklagen.

7. März 2010: Kempter bedauert öffentlich seine Bayern-Mail und kündigt an, sollten diese Zeilen tatsächlich von ihm stammen, werde er sich bei den Verantwortlichen persönlich dafür entschuldigen.

8. März 2010: Wie angekündigt geht Amerell juristisch gegen die ihn beschuldigenden Personen vor. Sein Anwalt Langer bestätigt, sein Mandant wird nicht nur Kempter wegen angeblicher Verleumdung und Rufschädigung zivilrechtlich auf Schadensersatz in unbestimmter Höhe verklagen, sondern gegen alle vier Schiedsrichter, die ihn belasten, Strafanzeige stellen.

10. März 2010: Der DFB kündigt eine Klage gegen Amerell wegen übler Nachrede und Verleumdung an. Der Verband reagiert damit auf Vorwürfe Amerells gegen DFB-Präsident Zwanziger, eine einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal betrieben und einem Unparteiischen aus seinem Heimatverein den Aufstieg in die Bundesliga ermöglicht zu haben.

17. März 2010: Manfred Amerell lässt dem DFB-Boss gerichtlich verbieten, die Schiedsrichter-Affäre mit den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche zu vergleichen. Doch auch Amerell selbst handelte sich eine einstweilige Verfügung ein - von Michael Kempter.

26. Mai 2010: Die Staatsanwaltschaft Augsburg stellt ihr Verfahren gegen Amerell wegen sexueller Nötigung und gegen Kempter wegen Verleumdung ein - "mangels hinreichenden Tatverdachts".

mpl/ham/dpa/sid
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