Fall Amerell Zwanziger spürt noch Unterstützung

DFB-Chef Theo Zwanziger hat vor der Präsidiumssitzung des Verbands am Freitag keine Angst um seinen Job. Die Kritik an seiner Amtsführung im Fall Amerell wächst aber weiter. Ex-Schiedsrichter Amerell demonstriert derweil Gelassenheit.
DFB-Boss Zwanziger: Kein Verzicht in Sicht

DFB-Boss Zwanziger: Kein Verzicht in Sicht

Foto: Boris Roessler/ dpa

Hamburg - Der im "Fall Manfred Amerell" stark in die Kritik geratene DFB-Präsident Theo Zwanziger spürt vor der Präsidiumssitzung am Freitag nach eigener Aussage weiter Rückendeckung im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Spekulationen, wonach DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach an einer Ablösung von Zwanziger und einer Inthronisierung von Franz Beckenbauer als Zwanzigers Nachfolger arbeite, wies der Verbandschef vehement zurück. "Niemand wird es schaffen, einen Keil zwischen Wolfgang Niersbach und mich zu treiben. Zwischen uns passt kein Blatt Papier", sagte Zwanziger der "Frankfurter Rundschau".

Niersbach hatte öffentlich bislang zu Zwanziger gestanden. "Die von Herrn Amerell gegen den Verband und unseren Präsidenten Theo Zwanziger erhobenen Vorwürfe sind völlig absurd", hatte Niersbach über eine Presseerklärung des DFB zuletzt verlauten lassen.

Zwanziger steht wegen der Aufarbeitung der Affäre um den zurückgetretenen früheren Schiedsrichterbeobachter Amerell, der von Fifa-Referee Michael Kempter sowie drei anonymen Unparteiischen der sexuellen Belästigung beschuldigt wird, in der Kritik. Zwanziger hatte sich früh auf die Seite von Kempter geschlagen, dessen Glaubwürdigkeit durch Amerell, der einige private E-Mails und SMS Kempters an ihn veröffentlicht hat, inzwischen fraglich ist. Zudem warf Amerell Zwanziger vor, dass er die Angelegenheit nicht verbandsintern geregelt und stattdessen "Menschen auf dem Altar seines Amtes geopfert" habe.

Kritik hat sich der DFB-Boss auch aus der Liga und aus der Politik eingehandelt. Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs richtete deutliche Worte an den Verband: "Der DFB hat sich in dieser Angelegenheit überschätzt. Ich finde, man ist da zu sehr vorgeprescht. Man hätte grundsätzlich klären müssen, ob Amerell sein Amt tatsächlich missbraucht hat", sagte Allofs. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, sagte: "Ich glaube, dass es dem Fußball nicht guttut, wie die ganze Diskussion geführt wird."

Amerell kündigt weitere Beweise an

Amerell selbst sieht möglichen Strafanzeigen durch Kempter und drei weiteren anonymen Unparteiischen scheinbar gelassen entgegen. "Auch bezüglich dieser Herren liegt ausreichend Beweismaterial vor, die die erhobenen Anschuldigungen ad absurdum führen", teilte Amerell über eine Presseerklärung seines Anwalts Jürgen Langer mit. Amerell wird von Kempter und den bislang anonymen Referees der sexuellen Belästigung beschuldigt.

Im Gegenzug geht der 63-Jährige gegen die vier Personen wegen Verleumdung strafrechtlich vor. Zudem erhob Amerell erneut Vorwürfe gegen DFB-Boss Theo Zwanziger. "Es bestätigt sich der Verdacht, dass dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gerade nicht an einer internen Klärung der Angelegenheit gelegen war", sagte Amerell. Als vermeintlichen Beweis für seine Behauptung veröffentlichte Amerell eine weitere SMS von Kempter an ihm, aus der hervorgeht, dass Kempter an einer internen Klärung der Vorgänge gelegen war. Diese SMS wurde am 1. Februar, also drei Tage vor der Präsidiumssitzung, in der die Vorwürfe erstmals in einer größeren Runde diskutiert wurden, verschickt.

Regionalkommission untersucht den Fall

Der Süddeutsche Fußball-Verband (SFV) will einen Untersuchungsausschuss mit Juristen einrichten, um nach dem Fall Amerell das Schiedsrichterwesen auf den Prüfstand zu stellen. "Diese Vereinbarung haben wir mit DFB-Präsident Theo Zwanziger getroffen", sagte Rolf Hocke, Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV), am Dienstag. Das Gremium habe jedoch nichts mit der zivilrechtlichen Aufarbeitung des Falles durch die Staatsanwaltschaft Augsburg zu tun, sagte Hocke.

"Für uns stellt sich die Frage: Hat es bei Schiedsrichter-Ansetzungen, bei Auf- und Abstieg von Schiedsrichtern und bei Beobachtungen Dinge gegeben, die nicht satzungskonform waren?", so der regionale Verbandschef. Hocke sieht den SFV besonders in der Pflicht, da Amerell bis zur Niederlegung seiner Ämter Schiedsrichter-Obmann bei dem Regionalverband war. Der Ausschuss soll am kommenden Montag in Stuttgart erstmals tagen.

aha/sid/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.