Fall Daum Staatsanwaltschaft schaltet sich ein

Der Drogenskandal um Fußballtrainer Christoph Daum soll nun auch eine Sache ordentlicher Gerichte werden. Zudem gerät DFB-Vizepräsident Mayer-Vorfelder in die Schusslinie der Kritik.


Christoph Daum: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz?
DPA

Christoph Daum: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz?

Leverkusen - Fußballtrainer Christoph Daum drohen nach dem positiven Drogenbefund jetzt auch strafrechtliche Ermittlungen. Nach einer positiven Haarprobe will die Kölner Staatsanwaltschaft in den kommenden Tagen entscheiden, ob gegen Daum ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet wird. Eine Behörden-Sprecherin sagte am Sonntag, darüber müsse erst die zuständige Fachabteilung der Staatsanwaltschaft beraten. Daum war am Samstag überraschend als Vereinstrainer entlassen worden, nachdem eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Haaranalyse auf Drogenkonsum positiv ausgefallen war.

Die Task Force des deutschen Fußballs wird nach Angaben von DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach voraussichtlich schon am kommenden Dienstag zusammen mit Rudi Völler die offene Bundestrainer-Frage beraten. Daum hätte zum 1. Juli 2001 Nationaltrainer werden sollen. In der Diskussion um die weitere Verwendung des neuen Hoffnungsträgers Völler, der zunächst bis Jahresende Bayer Leverkusen und die Nationalmannschaft in Doppelfunktion führen wird, zeichnet sich ein Tauziehen ab. Der Forderung von Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge, Völler müsse gemeinsam mit Assistenztrainer Michael Skibbe jetzt langfristig an die Nationalmannschaft gebunden werden, erteilte Bayer-Manager Calmund kategorisch eine Absage.

"Ich denke, dass weder der DFB noch Bayer Leverkusen den Fehler machen sollte, über den Kopf von Rudi Völler hinweg Pflöcke einzuschlagen. Wir wollen überhaupt keinen Konflikt, keine Konfrontation mit Bayer Leverkusen. Bayer hat dem DFB im Sommer geholfen, jetzt müssen wir den Dialog suchen", erklärte Niersbach.

Unterdessen hat der nordrhein-westfälische Sportminister Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) den designierten DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder zum Verzicht auf das Spitzenamt aufgefordert. In der Montagausgabe der Kölner Boulevardzeitung "Express" kritisiert der stellvertretende NRW-Ministerpräsident das Verhalten des Stuttgarters in der Drogenaffäre: "Der DFB und insbesondere Mayer-Vorfelder haben auf ganzer Linie versagt. Er scheint mir als künftiger DFB-Präsident nicht mehr tragbar. Er sollte auf das Amt verzichten."



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