Fall Frings Klinsmann trotz Sperre siegessicher

Torsten Frings fällt für das Halbfinale gegen Italien aus. Die Fifa sperrte den Mittelfeldspieler wegen einer Tätlichkeit nach dem Argentinien-Spiel. Dennoch ist Jürgen Klinsmann für die Partie am Dienstag optimistisch. Italiens Coach warnt trotz des Ausfalls von Frings vor der deutschen Elf.

Dortmund - "Wir müssen die Situation jetzt annehmen und sind sicher, dass wir die nächste Hürde nehmen und Italien schlagen", sagte Klinsmann nach der Landung der deutschen Mannschaft in Dortmund. "Das Thema Frings hat keine Unruhe bei uns reingebracht, wir konzentrieren uns nur auf unseren Job. Und der ist, dass wir am Dienstag ein gutes und erfolgreiches Fußballspiel abliefern", so der Bundestrainer.

Auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger fordert im morgigen Spiel (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine Trotzreaktion von den Spielern. "Ich bin ein Stück weit enttäuscht, da ich nach unserer gründlichen Stellungnahme von einem Freispruch ausgegangen bin. Das ist für die deutsche Mannschaft aber ein weiterer Ansporn, die Italiener zu besiegen, damit Torsten Frings im Finale spielen kann", sagte Zwanziger.

Die Fifa hatte den deutschen Mittelfeldspieler nach dem Studium von Fernsehbildern, die der italienische Pay-TV-Sender Sky gestern erstmals ausstrahlte, für ein Spiel gesperrt. Frings soll nach dem Viertelfinal-Spiel gegen Argentinien (4:2 i. E.) eine Tätlichkeit gegen Julio Cruz begangen haben. Auf den Bildern ist eine Faust zu sehen, die das Kinn des Südamerikaners touchiert.

Mit der Bestrafung des DFB-Profis wurde erstmals bei einer WM ein Spieler auf Grund des Video-Beweises gesperrt. Frings, der auch 5000 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, spielt zudem ein halbes Jahr auf Bewährung und müsste bei einer weiteren Verfehlung erneut einmal aussetzen. Für das Finale oder ein mögliches Spiel um den dritten Platz ist der Mittelfeldspieler aber wieder einsetzbar. Die Fifa-Entscheidung ist rechtskräftig und nicht anfechtbar.

Frings hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Selbst der angeblich betroffene Spieler hatte den Deutschen entlastet: "Ich habe keinen Faustschlag bekommen, zumindest habe ich nichts gespürt", hatte Cruz bereits gestern klargestellt.

Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi hat trotz des Ausfalls von Frings vor der DFB-Elf gewarnt. "Natürlich ist Frings ein wichtiger Spieler. Aber der Siegeswille der Deutschen wird das mehr als kompensieren. Eine Mannschaft, die im Halbfinale steht, hat Klasse und System und ist nicht von einzelnen Spielern abhängig", sagte der Lippi in Dortmund.

Zudem beteuerte er erneut, dass der italienische Fußballverband (FIGC) keinen Druck auf die Fifa ausgeübt und keine Ermittlungen gegen Frings gefordert habe. "Von unserem Verband hat niemand auch nur einen Finger gerührt, damit das klar ist", bekräftigte Lippi.

Auf der Frings-Position im defensiven Mittelfeld stehen Klinsmann nun gegen die "Azzurri" Sebastian Kehl oder Tim Borowski als Alternativen bereit. "Es gibt kein Problem, alle stehen Gewehr bei Fuß. Wir sind für alle Situationen vorbereitet und deshalb nach wie vor auch sehr zuversichtlich", erklärte Klinsmann. "Egal, wer reinkommt, die Mannschaft funktioniert. Uns ist überhaupt nicht bange", versicherte auch Kapitän Michael Ballack.

Voraussichtliche Aufstellungen:
Deutschland: 1 Lehmann (36 Jahre/37 Länderspiele) - 3 Friedrich (27/41), 17 Mertesacker(21/28), 21 Metzelder (25/26), 16 Lahm (22/23) - 19 Schneider (32/69), 5 Kehl (26/29) oder Borowski (26/25), 13 Ballack (29/69), 7 Schweinsteiger (21/33) - 11 Klose (28/60), 20 Podolski (21/30).
Italien:1 Buffon (28/65) - 19 Zambrotta (29/56), 23 Materazzi (32/30), 5 Cannavaro (32/98), 3 Grosso (28/21) - 20 Perrotta (28/29), 21 Pirlo (27/29), 8 Gattuso (28/45), 16 Camoranesi (29/24) - 10 Totti (29/56) - 9 Toni (29/22).

pav/sid/dpa

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