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Verein der Konzernbosse: Bayern Münchens Aufsichtsrat

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Steueraffäre Bayern-Aufsichtsrat rückt von Hoeneß ab

Am Montag könnte es eng werden für Uli Hoeneß: Dann tagt der Aufsichtsrat des FC Bayern München. Einige der Mitglieder wollen Hoeneß nach SPIEGEL-Informationen nahelegen, seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef zunächst ruhen zu lassen.

Hamburg - Im Steuerfall Uli Hoeneß gerät der Aufsichtsrat der FC Bayern AG zunehmend in den Blickpunkt. Mehrere Vertreter des mit Konzernbossen gespickten Gremiums sind nach SPIEGEL-Informationen inzwischen von dem Bayern-Präsidenten abgerückt. Demnach wollen einige Aufsichtsräte dem 61-Jährigen auf ihrer nächsten Sitzung nahelegen, seine Ämter bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn ruhen zu lassen.

Nach der bisherigen Planung soll sich das neunköpfige Kontrollgremium am kommenden Montag treffen. Hoeneß ist auch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Der deutsche Fußball-Rekordmeister hatte auf Nachfrage allerdings noch am Donnerstag erklärt, es sei bislang kein Treffen des Gremiums am Montag geplant.

Dem Bayern-Aufsichtsrat gehören unter anderem die einflussreichen Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) und der künftige Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges an. Auch "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort ist Mitglied. Der "Focus" hatte die Steueraffäre in der Vorwoche ins Rollen gebracht.

Nach dem Bekanntwerden seiner Selbstanzeige hatte Hoeneß einen Rücktritt von seinen Ämtern ausgeschlossen. "Solange die Sache nicht endgültig geklärt ist, wäre es wichtig und richtig, das Amt ruhen zu lassen", erklärte indes Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Mit Blick auf die Wirkung auf den Fußball im Allgemeinen und Bayern München im Besonderen wäre es allerdings besser, wenn er sein Amt niederlegte." Die Kommission gibt Empfehlungen zu guter Unternehmensführung bei börsennotierten Firmen.

Der Fall Hoeneß hat die Debatte über Steuerhinterziehung in Deutschland angeheizt. Der Bundestag hält trotz der überwiegenden Ablehnung in der Bevölkerung an der Straffreiheit bei Steuer-Selbstanzeigen fest. Union, FDP, SPD und Grüne lehnten am Freitag einen Antrag der Linken ab, den in der Hoeneß-Affäre in die Kritik geratenen Passus sofort zu streichen. Nach einer Umfrage halten es 58 Prozent der Deutschen für falsch, dass reuige Steuerhinterzieher straffrei ausgehen. Fast 70 Prozent beklagten außerdem, dass vom Staat nicht streng genug gegen Steuerhinterziehung vorgegangen werde.

aha/dpa
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