Fall Hoyzer DFL will Frühwarnsystem einführen

Als Konsequenz aus dem Schiebungs-Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer will sich die Deutsche Fußball-Liga künftig von Wettanbietern auffällige Einsätze melden lassen. Dadurch könne womöglich schneller auf Manipulationsversuche reagiert werden. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen Vorermittlungen gegen Hoyzer aufgenommen.


Pokalspiel Paderborn gegen Hamburger SV: Umstrittene Entscheidungen Hoyzers (r.)
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Pokalspiel Paderborn gegen Hamburger SV: Umstrittene Entscheidungen Hoyzers (r.)

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft, ob gegen Hoyzer ein Anfangsverdacht wegen Betruges oder einer anderen Straftat bestehe und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten sei, sagte heute der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Braunschweig, Joachim Geyer.

Anlass für die Vorermittlungen seien die Medienberichte über die Manipulation von Spielergebnissen durch den Schiedsrichter. Die Manipulationen könnten demnach im Zusammenhang mit Sportwetten stehen. Hoyzer habe seinen Wohnsitz in Salzgitter, für das die Staatsanwaltschaft Braunschweig zuständig sei. Eine Strafanzeige gegen den Schiedsrichter liege nicht vor. Man habe die Vorermittlungen von Amts wegen begonnen.

Die DFL versucht derweil solche Fälle durch eine Kooperation mit den Buchmachern auszuschließen. "Ich habe verschiedene Gespräche mit Wettanbietern geführt, um die Technik und Einbruchstellen eruieren zu können. Wir glauben, dass wir das Thema im Griff haben und werden mit Sicherheit ein Frühwarnsystem einführen", sagte DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub im Premiere-Interview. "Damit können wir bei Quotenreaktionen daraus resultierend Rückschlüsse analysieren und Maßnahmen im laufenden Spielbetrieb ergreifen", fügte Straub hinzu.

"Vorbehaltlos aufklären"

Heute nimmt auch Straub an der außerordentlichen DFB-Präsidiumssitzung teil. Die DFL wird außerdem durch ihren Präsidenten Werner Hackmann und Vize Wolfgang Holzhäuser vertreten. "Wir werden das, was ermittelt worden ist, analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen. Wir von der Liga sind daran interessiert, dass der Fall vorbehaltlos aufgeklärt wird, denn der Profibetrieb verträgt so etwas nicht", erklärte Straub.

Nach Ansicht von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelders sei eine Bestrafung Hoyzers durch den DFB so gut wie ausgeschlossen, weil sich dieser durch den Austritt bei seinem Verein Hertha BSC der Verbandsgerichtsbarkeit entzogen habe. "Wir werden an Grenzen stoßen", mutmaßte Mayer-Vorfelder.

Noch nicht bei Hertha BSC ausgetreten

Entgegen anders lautender Presseberichte ist Hoyzer offenbar aber immer noch Mitglied des Berliner Bundesligisten. "Es ist noch keine Austrittserklärung Hoyzers eingegangen", sagte Hertha-Pressesprecher Hans-Georg Felder SPIEGEL ONLINE, "im vergangenen halben Jahr ist er hier so gut wie nie aufgetaucht." Den Namen des verdächtigten Schiedsrichters hatte Hertha BSC jedoch bereits am Wochenende von seiner Homepage entfernt.

Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, sagte auf Anfrage über den Sportmanagement-Studenten lakonisch. "Robert Hoyzer ist bei uns seit 20. September 2004 eingeschrieben. Aber mehr auch nicht." Zu den Semesterabschlussklausuren habe sich der gelernte Zimmermann nicht angemeldet, so Umbach, der von 1975 bis 1991 selbst Bundesliga-Schiedsrichter war.

"Viele Bekanntschaften und Freundschaften"

Als Schiedsrichterassistent der Partie zwischen Hannover 96 und Bayer Leverkusen hätte der 25-jährige Hoyzer gestern Abend in der Bundesliga eingesetzt werden sollen. Doch nach den Manipulationsvorwürfen und dem 90-minütigen Kreuzverhör vor dem DFB-Schiedsrichterausschuss am Freitag hatte der Berliner seinen Rücktritt als Schiedsrichter bekannt gegeben.

Seit 2003 war Hoyzer in der Zweiten Liga als Unparteiischer eingesetzt worden. "Ich bekam immer die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln, in sportlicher und persönlicher Hinsicht. Hinzu kommen mittlerweile viele Bekanntschaften und Freundschaften in, um und weit entfernt von Berlin, die sich in den Jahren aufgebaut haben und die ich immer noch gerne pflege", beschrieb Hoyzer einmal die angenehmen Seiten seiner Tätigkeit als Schiedsrichter, die er 1994 begonnen hatte.



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