kicker.tv

Fan-Krawall in Berlin Liga plant Strategie gegen Randale

Die Deutsche Fußball-Liga will die Krawalle in deutschen Stadion nicht mehr lange akzeptieren. Nach den Ausschreitungen im Berliner Olympiastadion droht Hertha BSC eine saftige Geldstrafe. Die Polizei hat ihre Taktik vom Samstag verteidigt.

Hamburg - Die Deutsche Fußball-Liga DFL will Konsequenzen aus der Fan-Randale von Berlin ziehen, vom Deutschen Fußball-Bund droht Hertha BSC eine harte Strafe. "Angesichts der jüngsten Häufung gewalttätiger Vorkommnisse wird sich der Ligavorstand auf seiner nächsten Sitzung mit dem Thema intensiv befassen, um eine ligaweite Strategie zu beraten", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball nach den Ausschreitungen am Rande der Bundesliga-Partie Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg am Samstagabend.

"Nach solchen Vorfällen wird vieles, wenn nicht alles auf den Prüfstand gestellt", erklärte auch der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn am Sonntag. "Wir alle wollen, dass diese Fankurven bleiben - aber das muss ohne Gewalt gehen."

Der Kontrollausschuss des DFB verlangt von Hertha BSC eine Stellungnahme und wird dann entscheiden, ob das Sportgericht tätig wird. "Den Fans muss klar sein: Das geht einfach nicht", sagte Spahn. "Wir haben leider in den Fan-Gruppen und Ultra-Gruppierungen der Vereine jeweils 100 bis 150 Personen, die die Mittel Gewalt und Widerstand benutzen."

Ordner zogen sich zurück

Beim DFB sei man der Meinung, dass man dies mit auch nicht mit noch mehr Restriktionen, Ordnungs- und Polizeikräften nicht in den Griff bekomme. "Deshalb begrüßen wir den offenen Brief der Fanbeauftragten: Denn nur wenn sich die Fans gegen diese Gruppierungen solidarisieren, können sie ausgegrenzt werden", erklärte Spahn.

Nach seinem Kenntnisstand war es in Berlin ein taktisches Abwägen, "ob sich die Ordner an dem Graben, der im Allgemeinen im Olympiastadion eine gute Absicherung ist, auf Prügelszenen mit diesen Fans einlassen. Da aus dem Zuschauerbereich schon Stangen flogen, haben sich die Ordner zurückgezogen, um den Kabineneingang zu schützen."

"Es ist sehr bedenklich, was sich in deutschen Stadien abspielt. Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt", sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking . " Das, was da passiert ist, sind Bilder des Schreckens, die einem Angst einjagen", sagte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Nach Ansicht Heckings sind die Vereine überfordert. "Was soll ein Sportlicher Leiter, ein Präsident denn an einem Spieltag noch unternehmen? Da hast du keine Chance. Das ist Kriminalität pur", sagte Hecking.

Bis zu 150 Fans aus dem Berliner Block hatten nach der Niederlage des Bundesliga-Schlusslicht Hertha den Graben überwunden und waren in den Innenraum des Stadions gestürmt. Die Anhänger zerschlugen Plastik- und Glaswände im Bereich der Trainerbänke und zerstörten zahlreiche Stühle. Der Frust wandte sich aber offenbar nicht nur gegen die eigene Mannschaft: Fans machten in Internet-Foren auch Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer für die Eskalation mitverantwortlich. Schäfer hatte die Hertha-Anhänger durch Gesten provoziert. Am Sonntag trainierten die Profis von Hertha BSC unter dem Schutz zahlreicher Polizisten.

Polizei weist Vorwürfe zurück

"Für uns steht fest: Gewalttäter dürfen keinen Platz im Fußball haben. Der Ligaverband wird daher natürlich die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses nach allen Kräften unterstützen und für harte Strafen eintreten", sagte Rauball. Die Liga werde sich weiter umfassend mit dem DFB abstimmen, "um mit einer einheitlichen Linie den Fußball vor gewalttätigen Chaoten zu schützen".

Die Berliner Polizei hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe bei den Ausschreitungen zu spät eingegriffen. Nachdem rund 150 gewalttätige Zuschauer unmittelbar nach der 1:2-Niederlage von Hertha BSC im Abstiegsduell der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg im Stadion randaliert hatten, ist es in der Nacht zum Sonntag weitgehend ruhig geblieben.

In der Arena hatte die Polizei die Lage erst nach fünf bis acht Minuten in den Griff bekommen. Nach dem Spiel versammelten sich zwar noch einige Fans vor dem Stadion und machten ihrer Wut lautstark Luft, die Polizei löste die Gruppe aber auf, wie eine Sprecherin am Sonntag mitteilte. Nach Angaben der Polizei gab es 25 Festnahmen, vier Polizisten seien leicht verletzt worden.

Der "Tagesspiegel" berichtet, ein Teil der Polizeikräfte sei nach dem 1:0-Zwischenstand für Hertha zum Ostkreuz abkommandiert worden, weil dort frustrierte BFC-Dynamo-Anhänger nach der Auswärtsniederlage bei Energie Cottbus II in der fünften Liga erwartet worden seien. Nach dem Ausgleich der Nürnberger im Olympiastadion seien die Kräfte wieder dorthin zurückbeordert worden. Die Polizeisprecherin konnte dies im Detail bislang nicht bestätigen. Insgesamt sollen etwa 300 Polizisten im Einsatz gewesen sein.

aha/dpa/sid
Mehr lesen über Verwandte Artikel