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02. April 2005, 12:30 Uhr

Fan-Krawalle in Aue

Cottbus-Coach erleidet Knalltrauma

Nach den Ausschreitungen deutscher Hooligans beim Länderspiel in Slowenien ist auch die 2. Fußball-Bundesliga wieder von Krawallen erschüttert worden. Cottbus-Trainer Petrik Sander musste nach einer Feuerwerks-Attacke in Aue ins Krankenhaus gebracht werden. Energie hat gegen die Wertung der Partie Protest eingelegt.

Feuer im Fanblock: Kriminalpolizei ermittelt
DPA

Feuer im Fanblock: Kriminalpolizei ermittelt

Cottbus - Sander, 44, verbrachte die Nacht nach dem Punktspiel von Energie Cottbus bei Erzgebirge Aue (0:2) im Krankenhaus. Der Coach des ehemaligen Bundesligisten erlitt ein Knalltrauma, nachdem in der 86. Minute eine Feuerwerksrakete unmittelbar neben seinem Kopf explodiert war. Nach der Behandlung durch den Notarzt konnte Sander das Klinikum Aue in der Nacht zum Samstag erst nach mehreren Stunden wieder verlassen.

Sander leidet an Übelkeit, starken Kopfschmerzen und klagt über ein eingeschränktes Hörvermögen. Er ist bis auf weiteres krankgeschrieben. Das Cottbuser Training wird vorübergehend sein Assistent Thomas Hoßmang leiten.

Verletzter Petrik Sander: Vorwurf der Inszenierung
DPA

Verletzter Petrik Sander: Vorwurf der Inszenierung

In der Angelegenheit hat die Kriminalpolizei Aue die Ermittlungen aufgenommen. Unterdessen kündigte die Energie-Clubleitung rechtliche Schritte gegen Aues Präsident Uwe Leonhardt an. Dieser hatte die Szene vier Minuten vor dem Spielende als "inszeniert" bezeichnet. Aues Mannschaftsarzt Gunter Leichsenring untersuchte Sander sofort nach Spielschluss und konnte angeblich keinerlei Verletzungen feststellen.

Gegen die Wertung des Spiels legten die Cottbuser unmittelbar nach dem Schlusspfiff Protest bei Schiedsrichter Michael Kempter eingelegt. Der Referee vermerkte dies auf dem Spielberichtsbogen. In Abstimmung mit Kempter hatten die Energie-Funktionäre vor Ort entschieden, das Spiel bis zum Abpfiff durchzuführen, um die Stadionsicherheit nicht weiter zu gefährden.

Zu Ausschreitungen kam es auch bei den beiden anderen Freitagsspielen: In Essen wurden nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden (2:1) 20 Randalierer vorläufig festgenommen, in Aachen gab es vor, während und nach der Partie gegen Rot-Weiß Erfurt (5:1) Schlägereien.

Zuletzt war es auch bei den Spielen zwischen Dynamo Dresden und Energie Cottbus sowie zwischen dem Karlsruher SC und Dresden zu Zwischenfällen gekommen.

Schily kündigt Hooligans den Kampf an

Die Krawalle beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Slowenien hatten Bundesinnenminister Otto Schily auf den Plan gerufen. Der SPD-Politiker sagte der "Bild am Sonntag": "Hooligans sind keine Fans. Sie sind Gewalttäter und Kriminelle. Sie sind ein Schandfleck für das fußballbegeisterte Deutschland." Um eine friedliche WM zu garantieren, müssten Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern schon weit vor dem Großereignis konsequent gegen potenzielle Störer vorgehen.

"Um Krawalle zu verhindern, werden Hooligans aus dem Stadion und aus den Innenstädten fern gehalten", kündigte der Minister an. Rund 6000 Randalierer seien den Behörden schon heute bekannt. Wer negativ auffalle oder an Krawallen teilnehme, erhalte Stadionverbot. "Schon früh wird die Polizei bekannten Krawallmachern signalisieren: Wir haben Euch genauestens im Blick", sagte Schily.

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