Derby Schalke gegen BVB Angst vor der Revier-Randale
Revierderby (im Oktober 2012): Zahlreiche Auseinandersetzungen, Fans eingekesselt
Foto: Stephan Schütze/ dpaDas Hinspiel hat wohl niemand in Dortmund und Gelsenkirchen vergessen. Den Schalkern ist es, sportlich gesehen, in bester Erinnerung, schließlich gelang Königsblau der erste Derby-Auswärtssieg seit Jahren. Doch es ging nicht nur ums Sportliche. Auch die damaligen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Fangruppen sind nicht vergessen, auch nicht das überaus rüde Vorgehen der Polizei. Und das alles sind keine guten Voraussetzungen dafür, dass das Rückspiel am Samstag auf Schalke (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein ruhiges Derby wird.
Einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Tagen passieren könnte, lieferten sich Anhänger bereits in der Nacht zu Donnerstag am Dortmunder Regionalflughafen Wickede. Gut 30 Mitglieder der Ultras Gelsenkirchen waren angereist, um eine Gruppe mazedonischer Fußballfans zu empfangen. Die Ultras der "Komiti Skopje" verbindet seit vielen Jahren eine Fanfreundschaft mit den Gelsenkirchenern, seitdem Schalke einmal im UI-Cup beim FC Vardar in Mazedonien zu Gast war.
Als die Schalker ihre Freunde vom Balkan abholen wollten, lauerten ihnen mehr als 50 gegnerische Hooligans einer "unbekannten, vermutlich rivalisierenden Fangruppierung" auf, wie es die Dortmunder Polizei zunächst in ungewohnt zurückhaltendem Ton formulierte. Am Mittag sprachen die Ermittler dann von "Dortmunder Problemfans".
Keine wilde Schlägerei, keine Verletzten
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelte es bei den "Problemfans" um Anhänger der teilweise rechtsextremen Hooligan-Gruppe Northside und des offenen rechten und gewaltbereiten Ultra-Bunds der Desperados. Letztere waren es auch, die in der Vergangenheit mit homophoben Plakaten und Übergriffen auf linke Ultra-Gruppen negativ aufgefallen waren. Zwischen den Desperados und der Northside, die sich zum großen Teil aus erfahrenen Streetfightern und Mixed-Martial-Arts-Kämpfern zusammensetzt, herrschen seit Jahren enge Beziehungen. Einer der Desperado-Köpfe, Marc G., ist ein Verbindungsglied zwischen beiden Gruppen.
Als beide verfeindete Gruppen aufeinander trafen, flogen Steine aus dem Dortmunder Pulk. Die Gelsenkirchener Ultras antworteten mit Pfefferspray. Bevor die Situation eskalieren konnte, griff allerdings die Polizei ein. Eine wilde Schlägerei, von der mehrere Medien zunächst berichteten, gab es demnach nicht. Verletzt wurde niemand, lediglich ein Auto wurde beschädigt. Besonders clever aus Hooligan-Sicht dürfte es ohnehin nicht gewesen sein, sich einen Flughafen als Ort für eine Auseinandersetzung auszusuchen - einen der am besten mit Kameras überwachten Plätze überhaupt.
Die Dortmunder Polizei hängte den Vorfall zunächst bewusst niedrig, man sei noch dabei, "unterschiedliche Aussagen auszuwerten", sagte ein Polizeisprecher am Vormittag SPIEGEL ONLINE. Offenbar verfolgen die Sicherheitsbehörden die Strategie, die Atmosphäre im Vorfeld des Derbys möglichst ruhig zu halten.
7000 Dortmunder werden auf Schalke erwartet
Die Stimmung ist seit dem Hinspiel vom Oktober aufgeheizt genug. Bereits vor der Partie war es damals zu zahlreichen Auseinandersetzungen gekommen. Schalker Fans waren von der Polizei eingekesselt worden. Noch während des Spiels hatten Schalker ein entwendetes BVB-Banner entrollt. Aufgebrachte Dortmunder versuchten daraufhin, in den entsprechenden Schalker Block einzudringen, die Polizei musste sie aufhalten.
10.000 Schalker waren zum Hinspiel in die Nachbarschaft nach Dortmund gefahren, am Samstag werden sich 7000 Dortmunder zum Gegenbesuch auf Schalke aufmachen. Dabei sein wird dann auch Hilmar-Roger Schmülling. Er gehört zu einer äußerst seltenen Spezies. Schmülling lebt in Dortmund - er ist aber Schalke-Fan und betreibt sogar einen königsblauen Fanclub in Feindesland: den "blau-weißen Stachel".
Schmülling ist einer, der die gewaltsamen Auseinandersetzungen nicht nachvollziehen kann: Hass im Fußball? Das sei doch "völlig unangebracht".
Nicht alle werden am Samstag so denken.