Betreuung von Informanten Fußball-Fanforscher arbeitet für Nachrichtendienst

Als Fanforscher erwarb Martin Thein das Vertrauen von Ultra-Gruppierungen. Offenbar nicht sein einziger Job. Nach SPIEGEL-Informationen ist er seit rund zwei Jahrzehnten für das Bundesamt für Verfassungsschutz tätig und warb dort Informanten an.

Hamburg - Der renommierte Kölner Fanforscher Martin Thein ist seit rund zwei Jahrzehnten und bis heute für das Bundesamt für Verfassungsschutz tätig. Für den Inlands-Nachrichtendienst hat der 48-jährige Politologe auch Informanten angeworben und betreut. Seit 2004 soll Thein beim Verfassungsschutz allerdings nicht mehr operativ, sondern in der Verwaltung tätig sein, berichten Insider.

Der gebürtige Bamberger baute 2011 an der Universität Würzburg das Institut für Fankultur mit auf, mit dem auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammenarbeitete. Thein veröffentlichte mehrere Bücher über Fans, mit seiner Arbeit erwarb er sich das Vertrauen ansonsten verschlossener Ultra-Gruppierungen. Der Wissenschaftler hat auch einige Bundesligavereine beraten, zum Beispiel in Fragen der Gewaltbereitschaft gewisser Fanschichten.

In dem unlängst erschienenen Buch "Heimatschutz" der Autoren Dirk Laabs und Stefan Aust, des früheren SPIEGEL-Chefredakteurs, war Thein bereits als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in den Neunzigerjahren enttarnt worden - allerdings ohne Bezug zu seinen späteren Verbindungen in die Fußballszene. Dort haben die Enthüllungen jedoch Verunsicherung ausgelöst, ob Thein gezielt Fans, Ultras oder Hooligans ausgekundschaftet hat.

SPIEGEL ONLINE hatte im August 2012 berichtet, dass es bei drei Klubs Anwerbungen von V-Leuten bei Ultras gab: in Dresden, Köln und Nürnberg, drei Städten, in denen Thein jahrelang forschte. Ein mit Theins nachrichtendienstlicher Tätigkeit Vertrauter schließt jedoch aus, dass der Wissenschaftler Fußballfans ausspioniert hat. Demnach habe auch der Verfassungsschutz Theins Aktivitäten in der Fanszene "zu keiner Zeit finanziell unterstützt oder anderweitige Informationen daraus verwendet".

Thein war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf eine erste Anfrage antwortete er per Mail, er könne derzeit wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht telefonieren. Die folgenden Mails ließ er unbeantwortet, meldete seine Adresse ab, löschte sein Facebook-Profil, über das er zuvor sehr aktiv gewesen war, und deaktivierte seine Telefonnummer.

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