Fanproteste gegen Fußball-Funktionäre "Bei einem alten, weißen Milliardär seid ihr betroffen"

Eine Sondersitzung unter der Woche blieb ohne Ergebnis - und so protestieren Fans in ganz Deutschland weiter. Ihre Kritik reicht von beleidigend über lustig bis politisch: Einige Botschaften in Bildern.
Fanproteste in Mönchengladbach: "Die hässlichen Fratzen des Fußballs"

Fanproteste in Mönchengladbach: "Die hässlichen Fratzen des Fußballs"

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Bernd Thissen/ dpa

Mit neuen Spruchbändern und Bannern haben Fußball-Fans ihre Proteste gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) fortgesetzt. Die Plakate an diesem Spieltag zeigten vor allem deutliche Kritik an Kollektivstrafen, der Umsetzung des sogenannten Drei-Stufen-Plans und verschiedenen Funktionären im deutschen Profifußball - neben vereinzelten Beleidigungen fielen die Plakate und Spruchbänder bisweilen sehr kreativ aus, sie reichten von der Bundesliga bis in die unteren Ligen.

Viele Anhänger machten insbesondere die mutmaßliche Doppelmoral der Beteiligten zum Thema, die die Proteste der Fans am vergangenen Wochenende unter anderen als "hässliche Fratze des Fußballs" (Karl-Heinz Rummenigge) bezeichnet hatten. So waren in mehreren Stadien etwa die Korruption in Fußballverbänden und das offensichtliche Wegschauen bei der Verletzung von Menschenrechten durch den kommenden WM-Gastgeber Katar 2022 durch deutsche Fußballfunktionäre Gegenstand der Kritik.

Im Spiel gegen 1899 Hoffenheim kritisierten Schalker Fans den Umgang ihres Vereins mit den Plakaten, die sich zuletzt gegen Hoffenheims Mäzen und Milliardär Dietmar Hopp gerichtet hatten. So zitierten sie die Aussagen des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies aus dem vergangenen August, in denen dieser sich rassistisch über Afrikaner geäußert hatte - ohne aber, dass es weitreichende Konsequenzen gehabt hätte. Dem stellten sie ein Zitat aus einer Vereinsmitteilung Schalkes zu den Schmähungen gegen Dietmar Hopp gegenüber, in dem es hieß, Schalke dulde keine Bagatellisierung.

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Die Fan-Proteste in Bildern

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Thomas F. Starke/ Bongarts/Getty Images

Hintergrund der Proteste ist die fortdauernde Auseinandersetzung zwischen DFB und Fans, die am vergangenen Bundesligaspieltag einen neuen Höhepunkt erreicht hatte. So kam es bei der Partie in Sinsheim fast zum Abbruch, als Fans des FC Bayern München Dietmar Hopp mit Plakaten beleidigten. Die DFB-Spitze und Klub-Funktionäre hatten das Verhalten der Anhänger scharf verurteilt. Eine Sondersitzung der AG Fankultur mit Vertretern von DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) am Donnerstag brachte kaum Beruhigung. Der Zusammenschluss "Fanszenen in Deutschland" hatte weitere Proteste angekündigt, im schlimmsten Fall sogar Provokationen bis hin zum Spielabbruch. Der DFB hatte angekündigt, nach einem sogenannten Drei-Stufen-Plan künftig Spiele im Falle einer mehrfachen Unterbrechung wegen Beleidigungen durch Zuschauer auch abzubrechen.

Auslöser für die Plakate am vergangenen Spieltag war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter beleidigender Plakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Klubs in Sinsheim ausgeschlossen. Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsident Reinhard Grindel 2017 eigentlich als abgeschafft galten, stoßen in der Fanszene auf heftige Ablehnung.

Jena gegen 1860 fast abgebrochen

Auch bei den Spielen der 2. und 3. Liga gab es deswegen Proteste der Fans. Die Drittligapartie zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und 1860 München stand sogar kurz vor dem Abbruch. Schiedsrichter Florian Exner unterbrach das Spiel zweimal, weil im Block der Heimfans kurz nach dem Anpfiff Schmähplakate gegen den DFB und Dietmar Hopp gezeigt wurden. Nachdem er beide Teams kurzzeitig in die Kabinen beordert hatte und die Banner schließlich eingerollt wurden, setzte der Referee die Begegnung nach knapp 15 Minuten Unterbrechung fort.

Offen blieb, ob die Unterbrechung der Partie in Jena zwingend notwendig war, nachdem der DFB am Freitag erklärt hatte, dass auch beleidigende und grob unsportliche Kritik im Fanblock durchaus möglich sei, ohne dass die Referees einschreiten müssten.

In den Stadien waren aber auch Plakate mit einem gewissen Augenzwinkern zu sehen: "Max Mustermann Du Hurensohn" oder "Sieg oder Hopp-Plakat" war da zu lesen. Die zuvor befürchteten Spielabbrüche blieben am Samstag aus.

ptz/ara/dpa
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