Skandalspiel in Düsseldorf Hertha-Mitglieder lehnen Gang vors Schiedsgericht ab

Das Votum war eindeutig: Die Mitglieder von Hertha BSC haben sich gegen einen weiteren Einspruch des Clubs gegen die Wertung des Relegationsrückspiels ausgesprochen. Die Berliner hatten sowohl vor dem Sportgericht als auch dem DFB-Bundesgericht verloren. Werner Gegenbauer bleibt Präsident.

Hertha-Manager Preetz (l.), "Müssen natürlich den Wiederaufstieg schaffen"
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Hertha-Manager Preetz (l.), "Müssen natürlich den Wiederaufstieg schaffen"


Hamburg - Die Fans von Hertha BSC haben genug: Bei der Mitgliederversammlung in Berlin hat eine deutliche Mehrheit der Anwesenden gegen eine Fortsetzung des juristischen Kampfs um den Klassenerhalt gestimmt. Dieses Votum ist allerdings nicht bindend für die Club-Verantwortlichen.

Sollten die Berliner nun auf einen weiteren Einspruch verzichten, stünden sie endgültig als dritter Absteiger aus der Bundesliga fest. Hertha-Sportdirektor Michael Preetz hatte jedoch vor der Abstimmung angekündigt, in dieser Woche erst die schriftliche Urteilsbegründung des DFB-Bundesgerichts abwarten zu wollen und dann zu entscheiden.

Die Berliner hatten nach dem Relegationsrückspiel gegen Fortuna Düsseldorf, bei dem noch vor dem Abpfiff Fortuna-Fans aufs Spielfeld gelaufen waren und so für eine 20-minütige Unterbrechung gesorgt hatten, protestiert und ein Wiederholungsspiel gefordert. Doch sowohl das Sportgericht als auch das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatten das abgelehnt. Dem Club stünde jedoch als dritte Instanz noch das Ständig Neutrale Schiedsgericht des DFB zur Verfügung. Theoretisch ist auch noch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne möglich.

Gegenbauer bleibt Präsident

Bei der emotionalen Mitgliederversammlung war Werner Gegenbauer zuvor als Präsident des Hauptstadtclubs mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Damit dürfte auch die Zukunft des heftig kritisierten Preetz gesichert sein. "Wir müssen natürlich den Wiederaufstieg schaffen und ein etablierter Erstligist werden", sagte Unternehmer Gegenbauer in seiner Wahlrede. 73,2 Prozent der Stimmberechtigten votierten für den seit 2008 amtierenden Clubchef.

Trotz des klaren Votums für Gegenbauer war der Abend für Preetz zuvor zum erwartet schweren Gang geworden. Schon als der Sport-Geschäftsführer vor das Rednerpult trat, schlug ihm der Unmut der Fans entgegen. Selbst während Preetz' Rede bei der Mitgliederversammlung schallten immer wieder Buh-Ruhe und laute Pfiffe durch den riesigen Saal 1 der Berliner Messehalle. "Hertha bietet ein Bild großer Zerrissenheit", so Ex-Präsident Bernd Schiphorst. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats forderte: "So weitermachen wie bisher kommt nicht in Frage."

"Herr Preetz und Herr Gegenbauer haben mich schnell von Hertha überzeugt"

Aber auch ein Neuanfang nach dem zu erwartenden Abstieg wird für die Hertha kein leichter Weg - mit oder ohne Preetz. In der zweiten Liga stünden, statt wie zuletzt rund 27 Millionen Euro, mit rund 13 Millionen nicht einmal mehr die Hälfte für die Gehälter der Profis zur Verfügung, erklärte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller bereits vor dem brisanten Aufeinandertreffen der Fans mit dem Präsidium um Hertha-Präsident Gegenbauer.

Auf der Mitgliederversammlung wurde auch der neue Trainer der Hertha, Jos Luhukay, vorgestellt. Für den neuen Coach scheint der bittere Gang in die Zweitklassigkeit bereits besiegelt. "Nach zwei Relegationsspielen und zwei Gerichtsterminen muss man davon ausgehen, dass es die zweite Liga wird", sagte Luhukay, der bereits am Mittag eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz gegeben hatte.

Am Abend durfte der ehemalige Chef- und Aufstiegstrainer des FC Augsburg dann sogar als erster Redner ran. Und der Niederländer nutzte die Gelegenheit als Wahlkampfhelfer für die amtierenden Entscheidungsträger: "Herr Preetz und Herr Gegenbauer haben mich sehr schnell von Hertha überzeugt." Und auch der Manager warb für seinen Unterstützer und damit de facto für sich: "Entscheiden Sie sich für inhaltlich überzeugende Lösungen, nicht für Parolen", sagte Preetz.

Hertha BSC liege ihm wie kaum etwas anderes am Herzen, sagte der frühere Stürmer, der vor allem wegen des Trainerverschleißes in den vergangenen Monaten einhergehend mit der sportlichen Misere schwer in die Kritik geraten war.

bka/jar/dpa

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turu1880 30.05.2012
1. Als Stürmer top, als Sportdirektor ein Flopp!
Was treibt die Verantwortlichen bei Hertha nur an, an einem Sportdirektor Michael Preetz nach erwiesener Unfähigkeit festzuhalten. Es erinnert doch alles sehr an den ehemaligen Präsidenten Wulf und am Ende ist dann ein großer Scherbenhaufen, aber da muß Hertha wohl nun durch. Wie lange nur hält der fähige Trainer Jos Luhukay das durch, und verlässt nicht vorzeitig die Brücke?
kbank 30.05.2012
2. Was nun Herr Preetz?
Wollten Sie vielleicht ein Mandat für den nächsten Gang vor ein Gericht vom "Volk" erhalten? Tja, hat wohl nicht geklappt und warum nun die schriftliche Begründung noch abwarten? Oder sollte da vielleicht ein falsch gesetztes Komma doch noch eine Möglichkeit bieten, sich einfach (wieder) einmal über die Entscheidung der Mitglieder hinwegzusetzen???!!!!
morpholyte 30.05.2012
3. Na endlich !
Ab in die 2. Liga, wo dieser Trauerverein auch hingehört. Aber nach dieser total vermurksten Saison hat es Hertha auch nicht anders verdient. Das sage ich als Berliner. Gleichwohl halte ich das zweite Relegationsspiel für irregulär beendet. Aber wer es aus eigener Kraft nicht schafft hat es eben auch nicht verdient. Schlußstrich und Neuanfang !
peeka 30.05.2012
4. Jammerschade
Müssen wir also auf die mit letzter Spucke vorgetragenen Memoiren von Otto Rehhagel verzichten. Wir erfahren die Wahrheit über die Düsseldorfer nicht, weil man sich damit den Vorwuf der "Rheinländerfeindlichkeit" einhandelt. Wir können nicht mehr den Erzählungen lauschen, wie er sich bei der Übernahme des Traineramtes an die Zet der Trümmerfrauen erinnert fühlte, wie jeder Schuß auf das Tor von Thomas Kraft doch gleichbedeutend mit den Schüssen auf Benno Ohnesorg und Jürgen Ponto waren und somit kein Hertha-Spieler konzentriert dem Spielgeschehen nachgehen konnte. Des DFB Schande ist, wie er diese blau-weiße Pracht, den Gründungsmythos der modernen Bundesliga, dem Mob zum Fraße vorwirft.
Roßtäuscher 30.05.2012
5. Großmannssucht bei den Berlinern allerorten
Zitat von sysopGetty ImagesDas Votum war eindeutig: Die Mitglieder von Hertha BSC haben sich gegen einen weiteren Einspruch des Clubs gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels ausgesprochen. Die Berliner hatten sowohl vor dem Sportgericht als auch dem DFB-Bundesgericht verloren. Werner Gegenbauer bleibt Präsident. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,835855,00.html
Das betrifft nicht nur das Management um den unnötigen Großflughafen als reines Prestigeobjekt. Ob es die weitere Verschuldung der Hauptstadt in die Höhe treibt, scheint dem Sozi Wowereit mit Partydenken egal zu sein. Der Bund wird das Monetäre schon richten. Besserwisserei ist dem Berliner wohl angeboren, damit desolates Handeln. Und dieses insgesamt Desolate zeichnet schließlich auch den Hauptstadtclub Hertha aus. Von Neuanfang keine Spur, oder haben sie keine andere Auswahl mehr. Ist die Autonomie schon am zersetzen der Köpfe angekommen? Gebauer darf weiter Präsident sein und noch viel schlimmer, zu seinem Management-Tingler darf auch ein Preetz bleiben. Schickt die Hertha bis in die Regionalliga, damit sie aufwachen. Länder, schaut auf diese Stadt, wie versaut wir sind - hätte der Reuter schon damals sagen sollen.
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