Fantod in Paris Frankreich geht gegen Hooligans vor

Jagd auf jüdische Anhänger und einen schwarzen Polizisten, zudem der gewaltsame Tod eines Fußballanhängers: Frankreich greift nach den Vorfällen in Paris vom Donnerstag hart durch. Innenminister Nicolas Sarkozy kündigt dem Rassismus in den Arenen den Kampf an.


Paris - "Wir wollen die rassistischen Elemente aus den Stadien fegen", sagte Sarkozy heute nach einer Krisensitzung mit Fußballvereinen und Pariser Fanclubs: "Wir wollen keine Nazi-Grüße und keine Affenschreie, wenn schwarze Spieler den Ball berühren."

Innenminister Sarkozy, Liga-Präsident Thiriez, PSG-Präsident Cayzac: Ernste Lage
AFP

Innenminister Sarkozy, Liga-Präsident Thiriez, PSG-Präsident Cayzac: Ernste Lage

Sarkozy forderte Stadionverbote für Störenfriede. Fanclubs, die in der Sicherheitsfrage nicht mit der Polizei und Justiz kooperieren, sollen verboten werden können. Der Innenminister forderte die Clubs auf, Eintrittskarten für die Fanblocks nur noch über offizielle Fanvereine zu verkaufen. Er rief den Liga-Präsidenten Frédéric Thiriez auf, bei Randale "extrem schwere Strafen" bis hin zum Spiel vor leeren Rängen zu verhängen.

Nach dem Uefa-Cup-Spiel von Paris St. Germain (PSG) gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) vor zwei Tagen hatten 150 PSG-Fans Jagd auf Anhänger des israelischen Vereins gemacht. Sie hetzten dabei auch einen schwarzen Polizisten in Zivil, der einen verfolgten jüdischen Fan beschützen wollte. Der bedrängte Polizist wehrte sich mit zwei Schüssen, der einen 24-Jährigen tötete und einen anderen Randalierer schwer verwundete. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat gegen den 32-jährigen Beamten Ermittlungen eingeleitet, ihm aber eine Notwehrlage zuerkannt. Mehrere PSG-Fans wurden zeitweise in Polizeigewahrsam genommen.

PSG-Präsident Alain Cayzac begrüßte den harten Kurs Sarkozys. "Diese Maßnahmen hätten schon längst ergriffen werden müssen", erklärte er. Die "Geißel des Rassismus und Antisemitismus beim PSG" müsse bekämpft werden, so Cayzac.

pav/dpa



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