Premier-League-Klub Arsenal distanziert sich von Mesut Özil, weil er sich für Uiguren einsetzt

Mesut Özil hat sich in sozialen Netzwerken für die in China unterdrückten muslimischen Uiguren stark gemacht. Nun distanziert sich der FC Arsenal von seinem Spieler - möglicherweise aus kommerziellem Interesse.
Kritisierte das Schweigen mehrheitlich muslimischer Länder gegenüber der Uiguren-Verfolgung: Mesut Özil

Kritisierte das Schweigen mehrheitlich muslimischer Länder gegenüber der Uiguren-Verfolgung: Mesut Özil

Foto: Vegard Wivestad Grätt/DPA

Der Premier-League-Klub FC Arsenal hat sich von einem Social-Media-Beitrag seines Spielers Mesut Özil distanziert, in dem er die Verfolgung der muslimischen Uiguren in China angeprangert hatte.

"Hinsichtlich der Kommentare von Mesut Özil in den sozialen Netzwerken muss Arsenal eine klare Aussage treffen", heißt es in einem Klubstatement, das unter anderem auf der chinesischen Plattform Weibo veröffentlicht wurde, wie der "Guardian" berichtet . "Die Inhalte sind Özils persönliche Meinung. Als Fußballklub hat sich Arsenal immer an den Grundsatz gehalten, sich nicht politisch zu engagieren."

Özil hatte zuvor das Schweigen mehrheitlich muslimischer Staaten über die Uiguren-Verfolgung in China angeprangert. In einem in türkischer Sprache verfassten Beitrag schrieb er, dass in China "Korane verbrannt, Moscheen geschlossen, islamische Schulen verboten" würden. "Die Muslime schweigen. Ihre Stimme wird nicht gehört."

Der ehemalige deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014 schrieb, dass sich westliche Regierungen und Medien dagegen für die Belange der Uiguren einsetzen würden. "Rückblickend wird nicht an die Folter durch die Tyrannen erinnert werden, sondern an das Schweigen der muslimischen Brüder", schrieb Özil.

Kommerzielle Interessen von Arsenal?

Laut "Guardian" betreibt Arsenal in China unter anderem eine Restaurantkette , das kommerzielle Interesse des Klubs könnte demnach ein Grund für die Distanzierung von Özil sein. Erst im Oktober hatten Aussagen von Daryl Morey, dem Manager des NBA-Teams Houston Rockets, in China für Empörung gesorgt. In einem Tweet hatte Morey seine Solidarität mit den auch gegen Chinas Einfluss protestierenden Menschen in Hongkong bekundet.

Experten werfen China massive Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren in der Provinz Xinjiang vor. Mehr als eine Million Muslime befinden sich Menschenrechtlern zufolge in Umerziehungslagern der chinesischen Behörden. Nachdem die Regierung in Peking die Existenz der Lager zunächst bestritten hatte, spricht sie heute von "Berufsbildungszentren" zur Deradikalisierung.

Wegen der Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren brachte das US-Repräsentantenhaus kürzlich einen Gesetzentwurf auf den Weg, der Sanktionen gegen ranghohe chinesische Regierungsvertreter ermöglichen soll.

Auch die EU und die Türkei hatten den Umgang mit den Uiguren in China zuletzt heftig kritisiert. Die chinesische Regierung solle "von der willkürlichen Inhaftierung von Uiguren und Angehörigen anderer muslimischer Gemeinschaften Abstand nehmen", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Bundesrepublik mit den USA, Großbritannien und 20 anderen Staaten vor den Vereinten Nationen in New York.

hba/AFP