Neuer Arsenal-Trainer Fredrik Ljungberg Der Klimaretter aus Schweden

Als Spieler war Fredrik Ljungberg beim FC Arsenal Publikumsliebling. In seiner neuen Rolle als Trainer will er beweisen, dass er nicht nur die junge Generation erreicht.

Fredrik Ljungberg beim Gespräch mit Arsenal-Spielern
Reuters/Tony OBrien

Fredrik Ljungberg beim Gespräch mit Arsenal-Spielern


Bukayo Saka trat beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt, dem letzten Match von Unai Emery als Trainer des FC Arsenal, nicht sonderlich in Erscheinung. Eine Schlüsselrolle in der Demission des Spaniers kam ihm dennoch zu.

Mitte September, nachdem die Gunners gerade 3:0 in Frankfurt gewonnen hatten, hatte der 19-jährige Torschütze vor lauter jugendlichem Überschwang nämlich ausgeplaudert, was bis dahin nur gemunkelt worden war: Einige Arsenal-Spieler verstünden nicht, was ihnen der mit starkem spanischen Akzent sprechende Emery eigentlich sagen wolle und würden deswegen eher auf Assistenztrainer Freddie Ljungberg hören.

"Es hilft ungemein, wenn Freddie auf dem Trainingsplatz steht," sagte Saka. "Manchmal, wenn der Trainer versucht, etwas zu kommunizieren, verstehe ich nicht, was er meint; Freddie spricht besser Englisch. Er hat großen Anteil an meiner Entwicklung." Seit diesem überraschend deutlichen Eingeständnis wurden Emerys Mitteilungsprobleme zum öffentlich diskutierten Thema. In Kabine und Verein rückten die letzten Unterstützer von ihm ab. Nach sieben sieglosen Spielen in Folge haben die Arsenal-Fans auf die Entlassung des 48-Jährigen am Freitagmorgen mit Erleichterung reagiert. Bis auf Weiteres trainiert Ljungberg, 42, die Mannschaft.

Völlig überrascht von dieser Entwicklung wird man im Klub-Vorstand nicht gewesen sein. Die Nordlondoner hatten die Klubikone im Sommer nicht nur vom Jugend- zum Assistenzcoach befördert, um für eine bessere Zusammenarbeit zwischen der ersten Elf und der A-Jugend zu sorgen. Ähnlich wie Hansi Flick beim FC Bayern war er von Anfang auch als mögliche Interimslösung vorgesehen, damit der ohne großen Rückhalt in die Saison gestartete Emery kurzfristig abgelöst werden könnte.

Ein "unschlagbarer" Trainer

Ljungberg, ein Mitglied der Invincibles-Mannschaft, die 2004 unter Arsène Wenger ungeschlagen die Meisterschaft gewann, war nach seinem Karriereende 2016 zu den Kanonieren zurückgekehrt, um die U15 zu trainieren. Der damalige Nachwuchsakademie-Leiter Andries Jonker nahm Ljungberg ein knappes Jahr später als Nummer zwei mit zum VfL Wolfsburg.

Das Engagement in der Volkswagenstadt währte aber nur sechs Monate. Ljungberg kehrte zurück zum FC Arsenal und übernahm die U23. Der Schwede verhalf einem Quartett von Spielern dieses hochtalentierten Jahrgangs zum Durchbruch. Emile Rowe-Smith, Joe Willock, Eddie Nketiah (derzeit an Leeds Utd. verliehen) und Saka schafften mit seiner Hilfe den Anschluss an den Profifußball. Freddie sei keiner, der mit lauter Stimme sprechen würde, erzählt ein Arsenal-Funktionär: "Aber er spricht die Dinge klar an und gibt eine Linie vor, an der man sich orientieren kann." Seine Youngsters spielten im Vorjahr exakt jenen gepflegten Kombinationsfußball, den sich die Anhängerschaft von Emerys konfuser Truppe gewünscht hatte.

Menschen, die dem nach außen stets gelassen wirkenden Ljungberg nahe stehen, beschreiben ihn als äußerst ehrgeizigen Übungsleiter, der sich nicht nur zum bloßen Zeitvertreib auf die Arbeit mit den Jugendspielern einließ. Finanziell habe er es keinesfalls nötig, auf dem Platz zu stehen, er strebe vielmehr eine ernsthafte Karriere an, heißt es. Ein kleines Indiz dafür lieferte in der Vorsaison seine Bereitschaft, vor und nach Spielen ausführlich mit Reportern zu sprechen. Das ist im U23-Bereich auf der Insel ungewöhnlich.

Als Liebling der Massen schürt Ljungberg Hoffnungen auf ansehnlichere Vorstellungen sowie auf ein besseres Klima im Stadion. Zahlreiche Zuschauer waren zuletzt eher gekommen, um ihren Frust zu bekunden. Tausende blieben ganz weg. Ob der ehemalige Flügelspieler bereits das Zeug hat, die völlig verunsicherte Truppe in die Champions-League-Plätze zu führen, wird intern aber noch bezweifelt. Ljungberg muss erst beweisen, dass ihm nicht nur seine früheren U23-Spieler im Team folgen. Arsenal will auf keinen Fall den "Ole-Gunnar Solskajer-Fehler" von Manchester United wiederholen, das einen populären Ex-Star aus sentimentalen Gründen vorschnell als Cheftrainer installierte. Ljungbergs Job dürfte sich darauf beschränken, einstweilen das Klima im Klub zu entgiften - bis dann vielleicht ein erfahrener Fußballlehrer das Amt übernimmt.

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Skakesbier 29.11.2019
1. Zuletzt
war's schon unter Wenger richtig triste (konnte eben keine erstklassigen Franzosen mehr verpflichten). Und wenn Geli-Emery heute noch kein zureichendes Fußball-Englisch gelernt hat, hätte man ihn nie verpflichten dürfen. Am Ende der laufenden Saison wird's wohl nicht mal für die Europa-Liga reichen.
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