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25. August 2019, 09:24 Uhr

Arsenals David Luiz bei Pleite in Liverpool

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David Luiz soll Arsenals Abwehr stabilisieren. Bei der Niederlage in Liverpool zeigte sich, dass das ein riskanter Plan ist - und der Klub den großen Teams der englischen Liga weiter hinterherläuft.

Ganz am Ende kam David Luiz noch einmal an den Ball. Der Fußballer spielte einen Pass auf die linke Seite, irgendwie lustlos, der brasilianische Innenverteidiger des FC Arsenal wusste natürlich schon, dass die Premier-League-Partie an der Anfield Road verloren war. Mitten in der Aktion pfiff Schiedsrichter Anthony Taylor die Veranstaltung ab: FC Liverpool besiegte Arsenal 3:1 (1:0). Es passte, dass David Luiz den letzten Ballkontakt hatte. Er hatte das Spiel geprägt, allerdings nicht so, wie es sich sein Trainer Unai Emery erhofft hatte.

Für 8,7 Millionen Euro Ablöse ist der Mann mit den Locken am letzten Tag der Transferperiode, die in England schon zu Saisonstart zu Ende gegangen war, vom Südwesten in den Norden Londons gewechselt, vom FC Chelsea zu Arsenal. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber hatte er einen Machtkampf mit dem neuen Trainer Frank Lampard verloren, auch wenn beide Seiten das so nicht ausdrücken würden. Arsenal war froh, den 32-Jährigen zu bekommen, denn der Klub muss seine Abwehrprobleme in den Griff bekommen, die er noch aus der Zeit unter Ex-Trainer Arsène Wenger mit sich herumschleppt.

Welchen Effekt ein neuer Innenverteidiger haben kann, hat der FC Liverpool gezeigt, wo der mehr als 80 Millionen Euro teure Virgil Van Dijk zum entscheidenden Transfer auf dem Weg zum Gewinn der Champions League 2019 war. Manchester United hofft bei Neuverpflichtung Harry Maguire auf einen ähnlichen Effekt, auch der FC Bayern mit Lucas Hernández oder Juventus mit Matthijs de Ligt haben teure Verteidiger verpflichtet. Bei Arsenals Niederlage in Anfield wurde allerdings ersichtlich, dass es ein waghalsiger Plan ist, bei der Verwandlung zurück zu einem echten Topklub auf David Luiz zu setzen.

"Das Leben ist hart, Fußball manchmal auch"

Bei zwei der drei Gegentreffer spielte er eine tragische Rolle. Durch einen "Moment of Madness", wie Sky-Experte Jamie Garragher das Trikot-Zerren gegen Mohamed Salah nannte, verursachte er kurz nach der Pause den Elfmeter, den Salah zum wegweisenden 2:0 verwandelte. Vor dessen Treffer zum 3:0 ließ er Salah ohne Gegenwehr passieren.

Luiz hatte beim Spiel in Anfield, bei seiner ersten echten Prüfung im Arsenal-Trikot, mehrere Momente des Wahnsinns und trug erheblich dazu bei, dass sein neuer Klub seit 23 Partien auf einen Auswärtssieg gegen eine der Top-Sechs-Mannschaften der Premier League wartet. Über seine unglückliche Leistung war er sich im Klaren. "Das Leben ist hart, und Fußball ist auch manchmal hart. Aber ich weiß eine Sache: Ich werde nie aufgeben", schrieb er nach dem Spiel bei Instagram.

Überraschend ist es nicht, dass Luiz gegen Jürgen Klopps Sturmreihe die Schwachstelle war, im Gegenteil. Der brasilianische Verteidiger war bereits im Vorfeld Gesprächsthema: Wie gut ist er wirklich? Und: Ist er überhaupt ein guter Verteidiger? Der "Independent" nannte Luiz in einer Analyse "einen der umstrittensten und am meisten diskutierten Spieler im heutigen Fußball" und verwies auf seinen Hang zum Kontrollverlust, seine taktische Undiszipliniertheit und sein fehlendes Raumgefühl.

Coach Emery ist dennoch fest entschlossen, in seinem zweiten Trainerjahr beim FC Arsenal auf den Brasilianer zu setzen. Das wird auch daran deutlich, dass er dem deutschen Verteidiger Shkodran Mustafi nahe gelegt hat, sich vor dem Ende der internationalen Wechselfrist einen neuen Verein zu suchen.

Matips Sternstunde

Auch bei Klopps Mannschaft stand ein Innenverteidiger im Blickpunkt, ausnahmsweise war es nicht Van Dijk. Sein Nebenmann Joël Matip zeigte eine starke Leistung und brachte den englischen Vizemeister auf Kurs mit seinem Kopfballtor zum 1:0.

Der Platz an Van Dijks Seite ist eine der wenigen Stellen in Liverpools erster Elf, die zur Disposition stehen. Beim Saisonstart gegen Norwich (4:1) vertraute Klopp dem jungen Joe Gomez, beim 2:1 in Southampton und gegen Arsenal setzte er auf Matip. Der Ex-Schalker hatte schon in der Endphase der vergangenen Saison und beim Champions-League-Finale gegen Tottenham Hotspur (2:0) stark gespielt und ist auf gutem Weg, das Duell mit Gomez zu gewinnen, zumindest für den Moment.

Liverpool hat sich im Sommer übrigens kaum verstärkt, was viele Fachleute riskant finden angesichts der Mehrfachbelastung durch Liga, die nationalen Pokalwettbewerbe, die Champions League und die Klub-WM im Dezember. Dass aber auch ein Einkauf ein Risiko sein kann, zeigte am Abend Arsenals Zugang David Luiz.

Liverpool - Arsenal 3:1 (1:0)
1:0 Matip (41.)
2:0 Salah (49., 11m)
3:0 Salah (59.)
3:1 Lucas Torreira (85.)
Liverpool: Adrián - Alexander-Arnold, Virgil, Matip, Robertson - Henderson, Fabinho, Wijnaldum (69. Milner) - Salah, Firmino (86. Lallana), Mané (77. Oxlade-Chamberlain)
Arsenal:
Leno - Maitland-Niles, David Luiz, Sokratis, Monreal - Guendouzi (86. Mkhitaryan), Xhaka, Willock (81. Lacazette) - Pépé, Aubameyang, Ceballos (61. Lucas Torreira)
Gelbe Karten: Fabinho / David Luiz
Schiedsrichter: Taylor

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