Remis im Europacup-Duell Augsburgs Freude, Schalkes Leid

0:0 gegen Augsburg, für Schalke ein verlorenes Spiel. Auch die Schwaben können nicht zufrieden sein. Trotzdem feiern sie - aus ganz anderem Grund.

AP/dpa

Aus Augsburg berichtet Christoph Leischwitz


Der Höhepunkt des Tages fand aus Augsburger Sicht vor dem Anpfiff statt. Nach dem Verlesen der Mannschaftsaufstellung vor dem Duell mit Schalke 04 waren auf dem Großbildschirm der Arena plötzlich zwei weitere Gesichter zu sehen, jene von Trainer Markus Weinzierl und Sportdirektor Stefan Reuter, und darunter jeweils die Zahlen "2019" und "2020".

"Wir wussten bis eben nichts davon", sagte Mittelfeldspieler Tobias Werner nach dem Schlusspfiff. Es war die spezielle Art des FC Augsburg, die Vertragsverlängerung mit seinem Erfolgsduo bekannt zu geben. Die Fans sollten die Ersten sein, die von dem Coup erfahren. Das hatte man im Klub schon manches Mal ähnlich gehandhabt. Aber ein Vierjahresvertrag für einen Bundesligatrainer und ein Fünfjahresvertrag für einen Bundesligamanager, das war schon etwas Besonderes. Die Uhren gehen beim FCA eben etwas anders als sonstwo im Bundesligageschäft.

Verpasst Schalke das Saisonziel?

Anders als zum Beispiel beim FC Schalke. Dort schwankt die Stimmung häufiger, und das enttäuschende 0:0 in Augsburg lässt das Saisonziel Champions League in weite Ferne rücken. Acht Punkte beträgt Schalkes Rückstand auf Bayer Leverkusen, das auf Rang vier steht. Jenem Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt.

Ein Jahr Pause von der Königsklasse gilt auf Schalke als ein verlorenes Jahr. Und so kamen nach dem Remis Fragen nach der Qualität des Kaders auf. Was ist zum Beispiel mit Klaas-Jan Huntelaar los? "Es hat ihn in der Vergangenheit immer ausgezeichnet, dass er aus wenig viel macht", sagte Schalkes Sportdirektor Horst Heldt über seinen Top-Stürmer. Mit leiser, leicht bedrohlich wirkender Stimme führte Heldt die Qualitäten des Angreifers aus, die dieser zurzeit aber kaum abzurufen vermag. Der 31-Jährige erzielte seine letzten Bundesligatore Ende November, bei seinem Dreierpack gegen Mainz 05.

"In Europa kennt uns keine Sau"

Diesmal hätte Huntelaar Schalke in der 54. Minute in Führung bringen können, doch er schoss aus kurzer Distanz den Augsburger Torwart Marwin Hitz an. Wie unwahrscheinlich eine erfolgreiche Aufholjagd auf Leverkusen ist, war aus den enttäuschten Gesichtern der Schalker abzulesen, auch wenn Heldt beschwichtigt. "Es bringt jetzt nichts, herumzurechnen", so der Sportdirektor: "Es verbietet sich, jetzt aufzugeben."

Auch die Augsburger konnten mit dem 0:0 nicht sonderlich zufrieden sein. "Ich denke, wir haben das Spiel dominiert", sagte etwa Mittelfeldspieler Markus Feulner. Die Mannschaft hat nun drei Partien hintereinander kein Tor geschossen, aus den vergangenen acht Begegnungen holte das Team sechs Punkte.

Doch der guten Stimmung tut das keinen Abbruch, im Gegenteil, sie können auch noch über sich selbst lachen. "In Europa kennt uns keine Sau" - so war unter der Woche Kapitän Paul Verhaegh auf der Internetseite des Klubs zitiert worden. Der Verein melde sich nicht für die Europa-League, hieß es, denn man habe sich entschieden, sich erst einmal in der Bundesliga zu etablieren. Ein Aprilscherz des FCA.

Ein Glücksfall für Augsburg

Sportdirektor Reuter hatte zuletzt für den TSV 1860 München gearbeitet, Trainer Weinzierl für Jahn Regensburg - zwei Vereine, die aktuell in der zweiten beziehungsweise dritten Liga gegen den Abstieg kämpfen. Und trotzdem sieht der FC Augsburg die beiden als Glücksfall an, nicht umgekehrt. Der Erfolg, den Klub in der ersten Liga dauerhaft von den Abstiegsrängen fernzuhalten, hat Reuter und Weinzierl zusammengeschweißt. Dabei sind sie offenbar bescheiden geblieben: "Wenn die beiden sich nur über das Geld definieren würden, dann hätten sie sicher jetzt was anderes gemacht", sagte Präsident Klaus Hofmann. Zumindest Weinzierl soll das eine oder andere Angebot vorgelegen haben.

Fast eine Stunde nach dem Spiel gab Reuter in der Mixed Zone schon das siebte oder achte Interview zu diesem Thema, als Schalkes Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta aus dem Kabinengang schritt. Der Schweizer, dessen Vertrag bei Schalke im Sommer endet, wurde gefragt, ob er zumindest ein Jahr bei den "Knappen" dranhängen könnte. Barnetta wusste es nicht und sagte: "Fünf Jahre wären natürlich schöner." Die Journalisten um ihn herum lachten. So etwas konnte ja nur als Witz gemeint gewesen sein.

FC Augsburg - FC Schalke 04 0:0
Augsburg:
Hitz - Verhaegh, Hong, Klavan, Feulner (79. Ji) - Baier, Kohr - Bobadilla, Højbjerg (65. Baba), Werner (90. Matavz) - Caiuby
Schalke: Fährmann - Höwedes, Matip, Nastasic - Barnetta, Höger, Goretzka (15. Aogo), Meyer (84. Boateng), Fuchs (46. Farfán) - Choupo-Moting, Huntelaar
Schiedsrichter: Florian Meyer
Zuschauer: 30.660
Gelbe Karten: Hong (1), Kohr (9), Werner (8) - Höwedes (6), Matip (2), Nastasic (2)



insgesamt 4 Beiträge
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die_guru 05.04.2015
1. Augsburg ist wirklich besonders
Hier herrscht ein so anderer Umgang als in anderen Klubs wie beispielsweise dem HSV... Das ist schlicht lobenswert.
Levator 06.04.2015
2. Respekt
vor den tapferen Schwaben aus Augsburg, eine Bereicherung für die Liga. Sinnbild für gute, nachhaltige Arbeit mit schmalem Budget. Ganz anders der Verein aus Gelsenkirchen. Aus maximalen Voraussetzungen nichts vernünftiges geschaffen und trotzdem ein Anspruchsdenken ohne Substanz. Dafür aber ein großes Mundwerk.
Dieter Sonnenschein 06.04.2015
3. Der Hunter ist kein begnadeter Fußballer...
...aber ein begnadeter Verwerter. Dazu benötigt er aber Flanken in den Strafraum - und die gab es lange nicht mehr in ausreichender Zahl, weil die ebenfalls begnadeten Duos Kolasinac/Fuchs links und Uchi/ Farfan rechts schon lange fehlen. RDM täte gut daran, diese schnellstmöglich wieder zu installieren. Und wenn dann Draxler wieder kommt und zusammen mit Meyer zu guter Form aufläuft, wird es auch wieder'was. Also 2016.
Bunma 06.04.2015
4. Ich erinnere mich
an Helmut Haller! Da war ich ein kleiner Bub und wollte mal sogut sein wie Helmut Haller.Der war in Augsburg zu Hause.Ja und der zuerst Spieler und dann Trainer von Real Madrid ist auch ein Augsburger:Bernd Schuster! Daher ist der FCA für mich auch ein Traditionsverein-gut dass wir sowas bodenständiges haben und der FCA ist wohl mit dem FC Freiburg zusammen es Wert in der ersten Liga zu sein.Viel Glück.Zeigt es den Bonzenvereinen!!
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