FC Barcelona vor Gewinn der Meisterschaft Leo und Luis

Lionel Messi und Luis Suárez sind Freunde - und die Erzfeinde aller Verteidiger. Zu zweit schossen sie in dieser Saison mehr Tore als fast jedes Team in Spanien. Aber Barça ist mehr als das Sturm-Duo.

Lionel Messi und Luis Suárez
REUTERS

Lionel Messi und Luis Suárez

Von Florian Haupt, Barcelona


Leo und Luis: Das würde einen formidablen Titel für eine Fernsehserie abgeben. Zwei Freunde erleben spannende Abenteuer, gehen miteinander durch dick und dünn, und machen, was Jungs eben am liebsten machen: Fußballspielen. So in der Art könnte die Serie gehen, und so ähnlich ist es ja wirklich bei den Freunden Lionel "Leo" Messi und Luis Suárez. Sie verbringen viel Zeit miteinander, bringen ihre Kinder gemeinsam zur Schule oder trinken zusammen Mate-Tee. Aber am liebsten gewinnen sie zu zweit Fußballspiele.

Am Samstagabend etwa mal wieder für ihren FC Barcelona im Duell gegen Verfolger Atlético Madrid: Das 2:0 (0:0) bedeutet bei jetzt elf Punkten Vorsprung sowie dem gewonnenen direkten Vergleich praktisch die Meisterschaft. Barças vierte in fünf Jahren, seit der Uruguayer Suárez den Argentinier Messi begleitet. In der laufenden Ligasaison haben sie 53 Tore geschossen. Acht mehr als ganz Atlético und nur vier weniger als Real Madrid, der Tabellendritte.

Natürlich waren sie es auch, die am Samstagabend das Spitzenspiel entschieden. Vier Tage, nachdem sie beim spektakulären 4:4 in Villarreal mit zwei Toren in der Nachspielzeit die dritte Saisonniederlage verhindert hatten, trafen sie diesmal in der 85. und 86. Minute. Erst Suárez, dann Messi, direkt nacheinander, als hätten sie sich abgesprochen. In Wahrheit hatten sie es aber schon zuvor immer wieder versucht, doch der fantastische Atlético-Torwart Jan Oblak hielt alles. Suárez musste einen Schuss aus 20 Metern auf den Millimeter genau neben den Innenpfosten setzten, um den Slowenen doch noch zu bezwingen.

Luis Suárez
AP

Luis Suárez

Barcelonas Trainer Ernesto Valverde sprach anschließend davon, dass es zu spüren gewesen sei, wie sich in diesem Moment im mit 90.000 Zuschauern ausverkauften Camp Nou, "das Adrenalin entlud". Es war ein intensiver Abend, mit einem frühen Platzverweis für den ewigen Rabauken Diego Costa wegen Schiedsrichterbeleidigung. Selbst der sonst so sicherheitsfanatische Atlético-Trainer Diego Simeone wechselte offensiv, auf der Suche nach dem einen Lucky Punch, der die Liga noch mal spannend gemacht hätte.

Doch den Punch hatte dann Barça, mal wieder. Die Katalanen haben die Hälfte ihrer Saisontore - 40 von 81 - in den letzten dreißig Spielminuten erzielt und fast ein Drittel - 25 - in den letzten fünfzehn Minuten plus Nachspielzeit. In der Phase also, wo sich klassischerweise die Mentalität von Champions spiegelt. Valverde aber suchte eine sportliche Erklärung: "Fußball ist auch ein Abnutzungsspiel. Solange eine Mannschaft frisch verteidigt, ist es schwer sie zu überraschen. Doch wenn die Partie fortschreitet und die Müdigkeit kommt, passieren die Absicherungen nicht mehr rechtzeitig, sie lassen 1:1-Situationen zu, und da haben wir dann Spieler..."

Er musste den Satz gar nicht zu Ende sprechen, jeder weiß, wer diese Spieler sind. Suárez, den Valverde nie auswechseln würde, denn: "Er ist ein permanenter Kopfschmerz für den Gegner." Und natürlich: Messi. Dass er nach drei Spielen in Serie mit je einem Freistoßtor gegen Atlético seine Serie nicht fortsetzen konnte, ist schon fast die größere Neuigkeit als jene, dass er das 2:0 mit einem Sololauf gegen die halbe Abwehr erzielte. Messi, 33 Saisontore in der Liga, wird mit der zehnten Meisterschaft seiner Karriere seinen insgesamt 34. Titel feiern. Seit Samstag ist er außerdem mit 335 gewonnenen Spielen der erfolgreichste Akteur in 90 Jahren spanischer Ligageschichte.

Atléticos Diego Costa (l.) nach Platzverweis
Alejandro Garcia/EPA-EFE/REX

Atléticos Diego Costa (l.) nach Platzverweis

So dominant ist seine Rolle, dass leicht übersehen werden kann, was sonst noch richtig läuft beim Titelverteidiger. Valverde hatte zunächst den Krisenfall Ousmane Dembélé so gut gemanagt, dass dieser längst als Gewinn gilt und nach seiner jüngsten Verletzung sehnlichst zurückerwartet wird.

Dann hat er den Krisenfall Philippe Coutinho zumindest so gut wieder hinbekommen, dass er gegen Atlético spielfreudig und auch selbstbewusster wirkte als zuletzt. Wo Abwehrchef Gerard Piqué, Mittelfeldmann Ivan Rakitic und Torhüter Marc-André ter Stegen sowieso eine starke Saison zeigen, erwiesen sich auch noch die Sommertransfers als Gewinn. Der junge Mittelfeldspieler Arthur, der schon ältere Mittelfeldspieler Arturo Vidal und zunehmend auch der junge Flügelstürmer Malcolm sind integriert, während der als Ersatzverteidiger gekommene Clement Lenglet zum unumstrittenen Stammspieler avancierte.

Dieses Barça ist eben deutlich mehr als eine Zwei-Mann-Show. Beim trendsetzenden 5:1 gegen Real Madrid im Herbst zum Beispiel musste Messi verletzt zuschauen. Suárez traf dafür dreifach.

Barcelona reist nun auch in dem entspannten Wissen zum Europapokal bei Manchester United, dass die nationalen Titel diesmal nicht von einem internationalen des Erzrivalen überstrahlt werden können - Real ist bereits aus der Champions League ausgeschieden. Dass sich die Engländer am Wochenende ausruhen konnten, sorge ihn nicht, sagte Valverde: "Mir war wichtig, dass wir mit aufgeladener Moral in dieses Spiel gehen können - und das tun wir jetzt". Das Ziel ist klar: "Barça hat noch nie in Old Trafford gewonnen. Wir fahren dorthin, um das zu ändern."



insgesamt 2 Beiträge
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haipoli 07.04.2019
1. Traurig
Die zweitbeste aber blutjunge Mannschaft Deutschlands geht bei der Top Mannschaft, die europäisch keine Rolle spielt, unter. Warum ist das so? Quo vadis Bundesliga?
wolfgang.heinz441 09.04.2019
2. Keine Qualität
Außer Bayern München sind die anderen deutschen Vereine leider nur zweitklassig.Nur Eintracht Frankfurt ist in der Euro League noch dabei. Das blamable 0 : 7 von Schalke bei Manchester City zeigt wie weit unsere Bundesliga von internationaler Klasse entfernt ist. Leider ist zukünftig keine Besserung in Sicht !!!
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