FC Barcelona Mehr als ein Trio

Messi! Neymar! Suárez! Die Torjäger sind die Megastars - das Trio allein macht den FC Barcelona aber nicht zum Favoriten auf den Champions-League-Titel. Dahinter spielen diverse andere Profis seit Wochen in Top-Form.

AFP

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Sie sind Erzrivalen und doch gibt es in Duellen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona Momente von großem Respekt für den Gegner. Dann nämlich, wenn einer der gegnerischen Spieler so überragend gut spielt, dass sich die Heimzuschauer nicht halten können und stehend applaudieren. 2005 erlebte Ronaldinho diese Huldigung im Barça-Trikot bei einem 3:0-Sieg im Santiago Bernabéu, vor wenigen Wochen war es dann wieder so weit.

Am 12. Spieltag der spanischen Liga trafen beide Teams im Clásico aufeinander. Andrés Iniesta wurde in der 77. Minute ausgewechselt und die Real-Fans erhoben sich von den Sitzen. Geschockt von der unzureichenden Leistung der eigenen Mannschaft, aber eben auch beeindruckt von der Leichtigkeit des katalanischen Rivalen. 0:4 lautete das Endergebnis aus Madrider Sicht, Iniesta gehörte zu den Torschützen. Der 31-Jährige glänzte laut Statistikanbieter Opta bei 68 gespielten Pässen aber auch mit einer Quote von 95,6 Prozent, bereitete ein weiteres Tor vor und beschleunigte oder drosselte nach Belieben das Angriffstempo.

Die anderen Treffer erzielten Luis Suárez (2) und Neymar. Zusammen mit dem wochenlang verletzten Lionel Messi kommen die Barça-Stürmer vor dem Champions-League-Spiel bei Bayer Leverkusen am Abend (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) bereits auf 44 Pflichtspieltore.

Eine Reduzierung auf dieses Trio wird dem Team, nicht nur wegen Iniesta, aber nicht gerecht.

Im Video: Der FC Barcelona vor dem Spiel gegen Leverkusen

Auf die Frage nach den ernsthaften Titelkandidaten in der Champions League gibt es nur zwei realistische Antworten: Bayern München - und eben Barcelona. Barça steht wie die Bayern bereits als Gruppensieger fest und wird gegen Leverkusen nur mit einer B-Elf spielen. Sicher ist das Fehlen der in Spanien gebliebenen Iniesta und Gerard Piqué, auch der angeschlagene Neymar wird von Trainer Luis Enrique geschont.

Antizipationskönig Busquets

Ebenfalls im Schatten des Sturm-Triumvirats steht der defensive Mittelfeldspieler Sergio Busquets. Er ist der eigentliche Stratege im Spielaufbau. Defensiv erledigt er seine Aufgaben mit Stellungsspiel, mit Antizipation und in der Regel ohne Körpereinsatz oder gar einer Grätsche. Busquets weiß, wo der Gegner die Bälle hinspielt, er steht einfach da, wo er stehen muss. Und nach jedem Ballgewinn beginnt seine Arbeit als Umschaltspieler, als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive mit unaufgeregten Pässen - egal ob quer, diagonal oder vertikal. Der 27-Jährige wurde wie der vielseitige Sergi Roberto, der unter Enrique seinen Durchbruch feierte, in der Jugendakademie La Masia ausgebildet und hat seit seiner Beförderung zum Profi 2007 über 350 Pflichtspiele absolviert.

Dass es in Barcelona auch andere Wege gibt, zeigt der Werdegang des Ex-Schalkers Ivan Rakitic. In Gelsenkirchen galt er von 2007 bis 2011 auf seiner ersten Auslandsstation als großes Talent, das den Erwartungen als Spielmacher nicht gerecht wurde. Beim FC Sevilla reifte er zum Führungsspieler, der mit seiner offensiven Wucht großen Anteil am Europa-League-Titel 2014 hatte. Und in Barcelona stellt Rakitic sein Ego hinten an, um mit seiner physischen Präsenz Freiräume für die Künstler wie Messi oder Neymar zu schaffen.

Die vergangenen Jahre haben allerdings gezeigt, dass die Form im Herbst nicht darüber entscheidet, wer sich Ende Mai zu Europas Fußballkönig krönen wird - die Bayern haben das zuletzt zweimal, auch aufgrund von Verletzungen, schmerzhaft erfahren müssen. Auch deshalb wird Barcelona aktuell Interesse an diversen Spielern nachgesagt, immerhin endet im Januar die Transfersperre. Enrique will einen möglichst breiten Kader.

Turan und Vidal sind bereit

Ab Januar gehört auch Arda Turan dazu. Der Türke, in den vergangenen Jahren eine der prägenden Figuren bei Atlético Madrid, wurde im vergangenen Sommer trotz der Transfersperre gekauft. Turan ist ebenfalls vielseitig einsetzbar, kann das Mittelfeld noch torgefährlicher machen und bringt eine große Siegermentalität mit. In welcher Form er nach einem halben Jahr ohne Spielpraxis zurückkehren wird, ist allerdings fragwürdig.

Zusammen mit Turan wird dann auch der ebenfalls im Sommer verpflichtete Aleix Vidal sein erstes Pflichtspiel für Barcelona absolvieren. Der Außenverteidiger könnte wichtig werden, denn wenn Enriques Mannschaft Schwächen hat, dann sind sie in der Abwehr zu finden. Neben Piqué fehlt ein zweiter Innenverteidiger mit internationalem Format und auch auf außen erreichen Jordi Alba und Dani Alves zu selten Bestform.

Leverkusen hofft wegen Barcas B-Elf auf eine Sensation - am Ende ist es aber trotzdem denkbar, dass es für einen der übrig gebliebenen Barça-Stars Standing Ovations gibt. Wie einst in Madrid.

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