Barça vs. Milan Rückkehr des ungeliebten Zauberers

Es war ein großes Missverständnis: 70 Millionen Euro zahlte der FC Barcelona 2009 für Zlatan Ibrahimovic. Doch der Stürmer floppte und wurde nach nur einem Jahr nach Mailand abgegeben. Jetzt kehrt er mit seinem neuen Club im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zurück.

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Von Nils Lehnebach


Hamburg - Sie winkten, jubelten und schrien. Als der FC Barcelona im Juli 2009 Zlatan Ibrahimovic vorstellte, drängelten sich die Zuschauer im Stadion Camp Nou. 55.000 Fans kamen, Vereinsrekord. Der Stürmer sollte das ohnehin kaum aufzuhaltende Team zur Unschlagbarkeit führen. 45 Millionen Euro zahlte Barça an Inter Mailand. Und legte dazu noch Samuel Eto'o obendrauf, der zum Zeitpunkt rund 25 Millionen Euro wert war und in der vorherigen Spielzeit 47 Tore erzielt hatte.

Fans und Sponsoren waren begeistert, Nike entwarf eine eigene Kampagne für den Top-Star. Aus "Ibracadabra", wie Ibrahimovic wegen seiner vermeintlich zauberhaften Fähigkeiten genannt wurde, machte man "Ibarçadabra". Eine schöne Idee. Mehr aber auch nicht.

Der Stürmer kam in Spanien nicht zurecht, insbesondere das Verhältnis zu Trainer Josep Guardiola war belastet. Nach nur einer Saison wurde der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte zum AC Mailand abgeschoben. Und Ibrahimovic trat in seiner Biografie gegen Guardiola nach. Er schrieb über den Trainer: "Du hast keine Eier!"

Jetzt kehrt der Schwede erstmals nach seinem Abgang zurück nach Barcelona, am Abend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es um den Einzug ins Halbfinale der Champions League. Vor dem Hinspiel galt ein Weiterkommen Milans als Sensation, nun haben die Italiener gute Chancen.

Milan weiß, wie man in Barcelona punktet

Nach dem 0:0 in Mailand reicht dem AC jedes nicht torlose Unentschieden zum Einzug ins Halbfinale. Und die Mannschaft weiß, wie man derartiges schafft. Schon in der Gruppenphase spielten beide Clubs gegeneinander und trennten sich, damals ohne den verletzten Ibrahimovic, im Camp Nou 2:2. Erst in der Nachspielzeit sicherte Innenverteidiger Thiago Silva damals das Remis. Eine Wiederholung des Ergebnisses - und Barça wäre raus.

"Die beste Elf der Welt zweimal hintereinander torlos zu halten, ist kompliziert", bremst Trainer Masimiliano Allegri die Erwartungen. Und auch die Barça-Profis selbst haben Tore angekündigt. "Wir kennen nur einen Weg: angreifen und Spiele gewinnen", sagte Kapitän Carlos Puyol.

Nur Trainer Guardiola ist noch vorsichtig: "Das Spiel gegen Mailand ist das wichtigste des Jahres. Sie können sicherlich mehr als ein Tor schießen. Also müssen wir einen Weg finden, noch eins mehr zu erzielen."

Mit Messi und Ibrahimovic war Barcelona zu offensiv

Das war seiner Mannschaft mit Ibrahimovic zu selten gelungen. Der Stürmer war sich für Defensivarbeit zu schade. Ein Privileg, welches in Barcelona nur Lionel Messi vorbehalten ist. Mit beiden auf dem Platz war das Team zu offensiv. An Messi aber führt in Barcelona kein Weg vorbei.

Auch in dieser Saison nicht. Der 24-Jährige spielt rein von den Zahlen her die beste Saison seiner Karriere. Wettbewerbsübergreifend hat er bereits 60 Tore erzielt, im Vorjahr waren es noch 57. Zwölf davon in der Champions League, allein fünf im Achtelfinal-Rückspiel gegen Bayer Leverkusen.

Und so hat auch der Argentinier einige Bestmarken im Blick. Nur zwei Treffer fehlen ihm in der Königsklasse um den bisherigen Rekord von José Altafini, ausgerechnet ein Stürmer des AC Mailand, aus dem Jahr 1962/1963 einzustellen. Und er will mit weiteren Toren den Abstand zu Bayern-Stürmer Mario Gomez vergrößern, der bisher elfmal traf - und ihm dicht auf den Fersen ist. Denn Messi kann der erste Spieler werden, der viermal in Folge die Torjägerkrone in der Champions League gewinnt. Zudem könnte er mit Barcelona als erster Club die Titelverteidigung in der Königsklasse schaffen.

Von derartigen Erfolgen ist Ibrahimovic mit Mailand weit entfernt. Ihm geht es vorerst auch um etwas anderes: Dem FC Barcelona zeigen, dass es neben Messi auch noch andere Top-Stürmer gibt. Dem Schweden wurde zuweilen vorgehalten, er spiele stark gegen schwache Clubs und schwach gegen die Starken. So blieb er beim Ausscheiden in der Champions League 2010 gegen Inter Mailand in beiden Halbfinal-Partien ohne Tor. Jetzt kann er Barça das Gegenteil beweisen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen

Mailand: Abbiati - Bonera, Nesta, Mexès, Antonini - Nocerino, Ambrosini, Seedorf - Boateng - Robinho (Pato), Ibrahimovic
Barcelona: Valdés - Alves, Piqué, Mascherano, Puyol - Xavi, Busquets, Fàbregas - Messi, Sánchez, Iniesta

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
AMC 03.04.2012
1. Heissa Fussballherz...
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein großes Missverständnis: 70 Millionen Euro zahlte der FC Barcelona 2009 für Zlatan Ibrahimovic. Doch der Stürmer floppte und wurde nach nur einem Jahr nach Mailand abgegeben. Jetzt kehrt er mit seinem neuen Club im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,825424,00.html
...was willst Du mehr? Freu mich riesig auf diesen Fussballabend mit Barca und Milan. Von den Vorzeichen her wird das kein langweiliges Spiel. ;-)
totalmayhem 03.04.2012
2.
Zitat von sysopGetty ImagesEs war ein großes Missverständnis: 70 Millionen Euro zahlte der FC Barcelona 2009 für Zlatan Ibrahimovic. Doch der Stürmer floppte und wurde nach nur einem Jahr nach Mailand abgegeben. Jetzt kehrt er mit seinem neuen Club im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,825424,00.html
Weder geniesst Lionel Messi ein solches "Privileg" noch ist er sich fuer irgendetwas zu Schade. Und wenn man ihn seltener bei einer Kopfballabwehr bei Standardsituationen zu sehen bekommt, liegt das eher an seiner Kuerze als an "Privilegien". ;)
Schyrenplatz 03.04.2012
3.
Zitat von totalmayhemWeder geniesst Lionel Messi ein solches "Privileg" noch ist er sich fuer irgendetwas zu Schade. Und wenn man ihn seltener bei einer Kopfballabwehr bei Standardsituationen zu sehen bekommt, liegt das eher an seiner Kuerze als an "Privilegien". ;)
Aber unser Lahm Phillip kann doch auch ziemlich hoch hüpfen, sogar mit Binde.
dumedienopfer 03.04.2012
4. solalal
Zitat von SchyrenplatzAber unser Lahm Phillip kann doch auch ziemlich hoch hüpfen, sogar mit Binde.
Na mal nicht übertreiben...
Schyrenplatz 03.04.2012
5.
Zitat von dumedienopferNa mal nicht übertreiben...
Deine 11 Messis gegen meine 11 Lahms? :-)
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