Real gegen Barça Auftritt der Super-Offensiven

Wenn am Samstagabend Real Madrid auf den FC Barcelona trifft, kehrt ein Superstar auf die Fußballbühne zurück. In der Liga sind die Katalanen noch ohne Gegentor, doch nun kommt Reals Traumoffensive mit Ronaldo und Weltmeister Toni Kroos.
Von Frederic Zauels und Ronny Zimmermann
Barças neues Offensivtrio (v. l. n. r.): Luis Suárez, Neymar und Lionel Messi

Barças neues Offensivtrio (v. l. n. r.): Luis Suárez, Neymar und Lionel Messi

Foto: AFP

Hamburg - Es ist das Comeback des Spieltags: Barças teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte wird erstmals für seinen neuen Klub spielen. Luis Suárez, der wegen seiner Bissattacke bei der Weltmeisterschaft in Brasilien nicht nur für neun internationale Spiele, sondern zusätzlich für vier Monate vom kompletten Fußball suspendiert wurde, gibt sein Debüt. Ausgerechnet im spanischen Clásico gegen Real Madrid an diesem Abend (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Doch braucht der FC Barcelona Suárez überhaupt? In der Primera División ist den Katalanen ein Traumstart gelungen. Mit dem neuen Trainer Luis Enrique, der sowohl für Real (1991-1996) als auch für Barça (1996-2004) spielte, gewann das Team bislang fast alle Spiele, nur gegen den FC Málaga gab es ein Unentschieden. Keeper Claudio Bravo, der anstelle des ehemaligen Gladbachers Marc-André ter Stegen spielt, kassierte dabei keinen Gegentreffer.

Das neue Barcelona-Spiel ist ausgewogener als noch in der vergangenen Saison. Enriques Elf meidet das Risiko, die Abwehr steht nicht mehr so hoch wie noch unter Vorgänger Gerardo Martino. Dazu wurde das Ballbesitzspiel verfeinert.

Barça hat zwar weiterhin deutlich mehr Spielanteile als der Gegner, agiert aber effektiver und stößt mittlerweile schneller in die Spitze vor. Zugang Ivan Rakitic und Andrés Iniesta teilen sich die Aufgabe von Spielgestalter Xavi, der nur noch sporadisch zum Einsatz kommt. Messi, der seine Position zurückgezogener interpretiert, unterstützt sie. Gegen Real wird zudem Abräumer Sergio Busquets ins Team zurückkehren.

Real gegen Barça: Der Clásico im Zahlenvergleich

Real gegen Barça: Der Clásico im Zahlenvergleich

Foto: SPIEGEL ONLINE

Allerdings ist der Clásico für den FC Barcelona in der Liga der erste Gradmesser, trafen die Katalanen zuvor nur auf vermeintlich schwächere Klubs. In der Champions League hingegen zeigte die Mannschaft um Superstar Lionel Messi bereits Schwächen und verlor die Partie gegen Paris St. Germain (2:3). Barças Hintermannschaft ist nicht immer fehlerfrei.

Da passt es gut, dass neben Messi auch Mitspieler Neymar in überragender Verfassung ist. Der Brasilianer erzielte schon acht Ligatore und ist damit treffsicherster Angreifer seiner Mannschaft. Und dennoch: Im Spiel in Madrid wird der Fokus vor allem auf Messi gerichtet sein: Er schoss in 28 Spielen gegen Real bislang 21 Tore und könnte einen neuen Rekord aufstellen. Träfe er auch in der 229. Auflage des Klassikers, wäre das sein 251. Ligator; der 27. würde in der ewigen Torjägerliste mit dem legendären Angreifer Telmo Zarra von Athletic Bilbao gleichziehen.

Es wäre eine weitere Bestmarke um das südamerikanischen Offensivtrio Messi, Neymar und Suárez. "Es wird großartig, mit ihm zu spielen. Er bringt viele Stärken ins Team ein", sagte Messi über Suárez, der trotz langer Sperre seine Torgefahr nicht verloren hat. Zuletzt traf der beste Spieler der vergangenen Premier-League-Saison für die uruguayische Nationalmannschaft in einem Testspiel gegen den Oman doppelt.

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Wie kann Real dagegenhalten? Vor allem mit Cristiano Ronaldo. Der Portugiese scheint in Bestform zu sein. In den ersten acht Ligapartien erzielte er 15 Tore - eine beeindruckende Quote. Neben ihm stürmt James Rodríguez, den Madrid im Sommer für rund 80 Millionen Euro verpflichtete. Der spanische Rekordmeister hat die beste Offensive der Liga (30 Tore). Das Duell verspricht ein Spektakel zu werden.

Erstmals beim Clásico ist auch Toni Kroos als Spieler dabei. Er wird aller Voraussicht nach neben dem Kroaten Luka Modric im defensiven Mittelfeld agieren. "Dass es ein besonderes Spiel ist, hat man ja auch schon in Deutschland mitbekommen", sagte der einstige FC-Bayern-Spieler vor der Partie. Seine bisherige Bilanz bei den "Königlichen" kann sich sehen lassen: In allen acht Ligapartien stand er in der Startelf und lieferte zudem vier Torvorlagen.

Während Kroos in Madrid angekommen ist, verpasste Sami Khedira den Saisonbeginn aufgrund einer Verletzung. Allmählich kommt der Mittelfeldspieler wieder in Form und kann womöglich auf einen Einsatz gegen Barcelona hoffen. "Khedira hat sich gut erholt und könnte für uns eine Lösung sein", sagte Real-Trainer Carlo Ancelotti.

Indes hat Madrid im Heimspiel deutlich mehr zu verlieren als Tabellenführer Barça. Bei einem Ausrutscher würden die Katalanen ihren Vorsprung auf den Erzrivalen auf sieben Punkte ausbauen. Das wäre fast noch schlimmer als die eigentliche Niederlage im Clásico.