Strafzahlungen Neymar-Transfer könnte Barça 157 Millionen Euro kosten

Der Spieler hat 57 Millionen Euro gekostet - doch mit Strafen könnte Neymar den FC Barcelona rund hundert Millionen Euro teurer zu stehen kommen. Nie hat ein Verein mehr für einen Transfer ausgegeben.

Barcelona-Spieler Neymar: (Noch) teurer als gedacht
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Barcelona-Spieler Neymar: (Noch) teurer als gedacht


Der katalanischen Fußballseele ging es schon lange nicht mehr so gut wie dieser Tage. Der FC Barcelona hat das Viertelfinale der Champions League erreicht, am Wochenende darauf das Prestigeduell gegen Real Madrid gewonnen und seinen Vorsprung an der Tabellenspitze ausgebaut. Lionel Messi ist wieder gut gelaunt und vielleicht in der Form seines Lebens. Doch der sportliche Höhenflug kann nur schwer darüber hinwegtäuschen, dass die Lage ernst ist bei dem Klub. Es geht um Neymar und um die explodierenden Kosten rund um seinen Transfer.

Am Montag, dem Tag nach dem Clásico-Sieg, forderte Staatsanwalt Josep Perals harte Strafen für den früheren Barça-Präsidenten Sandro Rosell und dessen Nachfolger Josep Maria Bartomeu wegen ihrer Verstrickung in den Neymar-Deal: Zwei Jahre und drei Monate soll Bartomeu ins Gefängnis, Rosell sogar siebeneinhalb Jahre. Zudem sollen sie 3,83 beziehungsweise 25,1 Millionen Euro zahlen - und der Verein selbst noch einmal 22 Millionen. Sie werden verdächtigt, den spanischen Staat um rund 13 Millionen Euro Steuern betrogen zu haben.

Die spanische Sportzeitung "Marca" hat daraufhin eine Rechnung aufgestellt, die sämtliche bisherigen und möglicherweise kommenden Kosten des Neymar-Transfers für den FC Barcelona zusammenfasst. Dabei kommt eine Summe von mehr als 158 Millionen Euro zustande. Der Wechsel des 23-jährigen Brasilianers vom FC Santos zu den Katalanen wäre damit der teuerste Transfer in der Geschichte des Fußballs.

Die "Marca" beruft sich auf Zahlen, die der Verein Anfang vergangenen Jahres öffentlich gemacht hat, und zugleich auf solche, die Recherchen spanischer Medien hervorgebracht haben.

So setzt sich die Summe zusammen:

  • 17,1 Millionen Euro (an den FC Santos; bekannt)
  • 40 Millionen Euro (Zahlungen an die Firma N&N, die Neymars Eltern Neymar da Silva und Nadine gehört; bekannt)
  • 10 Millionen Euro (Handgeld für Neymar; bekannt)
  • 2 Millionen Euro (Bonus für Neymar, weil er zu den Finalisten des Balon d'Or gehörte; bekannt)
  • 4,5 Millionen Euro (für Freundschaftsspiele mit dem FC Santos; bekannt)
  • 13,5 Millionen Euro (Einmalzahlung an das Finanzamt im Februar 2014; bekannt)
  • 7,9 Millionen Euro für das Vorkaufsrecht an drei Santos-Spielern
  • weitere 8,5 Millionen Euro (an die Stiftung Neymar Jr., für einen Scouting- und Agentenvertrag mit N&N; neu)
  • 2,7 Millionen Euro (Berater-Provision an den Vater; neu)
  • 25,2 Millionen Euro (Strafe Rosell; neu)
  • 3,8 Millionen Euro (Strafe Bartomeu; neu)
  • 22,2 Millionen Euro (Strafe Barcelona; neu)

Der FC Barcelona hatte mehrfach betont, dass der Transfer nur 57,1 Millionen Euro teuer gewesen sei, doch die spanischen Finanzbehörden deckten in den vergangenen Monaten etliche verborgene Zahlungen wie die an die Firma von Neymars Vater aus. Der Klub habe diese Abmachungen getroffen, um den 2011 vorvereinbarten Deal mit Santos nicht zu gefährden, heißt es. Denn auch Real Madrid hatte sich um das brasilianische Talent bemüht.

Ein Gericht muss nun entscheiden, ob es tatsächlich zum Prozess kommt. Wenn ja, dürften die kommenden Monate trotz aller sportlichen Erfolge unangenehm werden für den FC Barcelona. Rosell ist über den Fall Neymar bereits gestürzt, nun könnte der Fall auch Bartomeus geplante Wiederwahl als Präsident gefährden.

psk

insgesamt 44 Beiträge
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prince62 24.03.2015
1.
Angebracht ist auch noch die umgehende Sperre auf 5 Jahren für alle europäsichen Wettbewerbe und die sofortige Trennung des Vereins von sämtlichen derzeitigen Vorstandspersonen.
seit1958 24.03.2015
2. Des Wahnsinns fette
Beute! Das sind Zahlungen und Methoden die den Fußball früher oder später an die Wand fahren. Eine weltweite Regelung muß die FIFA einführen. Nein, nicht die FIFA, die FIFA ist so korrupt, da sind die Leute aus Barcelona und Brasilien Klosterschüler dagegen.
tmhamacher1 24.03.2015
3. Ab nach Bayern
Man sollte das Strafmaß mal an die bayerischen Gerichte schicken, wenn man bedenkt, wie Herr Hoeneß bestraft worden ist!
raber 24.03.2015
4. Zwangsabstieg wegen Barça-Betrügereien
Falls die Anschuldigungen stimmen sollten, müssten die früheren Barça-Präsidenten aus eigener Tasche Strafe zahlen und hinter die Gitter. Betrüger und Gauner, und auch noch in dieser Höhe, sind Kriminelle. Hoffentlich endet es nicht wie bei den Bankstern wo die Banken (und somit auch die Kleinaktionäre) bestraft werden und die Manager unbestraft und getrost weitermachen können und auch noch saftige Boni geniessen. Es war auch ein Betrug gegenüber Fans und den Medien. Erst recht die konkurrierenden Clubs wurden geschädigt da diese Betrügerei dem Barcelona Gelder zum Kauf von Spielern zur Verfügung stellte die ansonsten beim Fiskus gelandet wären. Wie wäre es den Barça zwangsabsteigen zu lassen?
dgs 24.03.2015
5. Kein Problem
Das steckt der FC Barcelona leicht weg. Auf die Zahlungen wird aus irgend einem konstruierten Grund verzichtet, zur Not administrativ. Sportliche Konsequenzen hat Barcelonas Fehlverhalten eh nie, die Transfersperre wird ja auch nicht eingehalten. Andere Vereine bekommen in Spanien Punkte abgezogen, der FC kommt immer davon. In D wird sich immer beklagt, ein Verein mit gleichen Initialen werden bevorzugt, da kann man in Spanien nur darüber lachen...
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